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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Ann. d. Hydr. usw., XXXVIIL Jahrg. (1910), Heft III. 
37 
Versuche mit verschiedenen Systemen von Nacht-Sturmsignalen 
an der deutschen Küste. 
(Hierzu Tafel 18.) 
Um ein System von Nacht-Sturmsignalen ausfindig zu machen, das geeignet 
wäre, ebenso wie die am Tage geheißten Kegelsignale die Richtung der zu er- 
wartenden Stürme nachts anzuzeigen, ohne dabei der Gefahr einer Verwechslung 
mit anderen Lichtsignalen ausgesetzt zu sein, sind im Oktober 1902 im Auftrage 
des Reichs-Marine-Amts von der Deutschen Seewarte ausgedehnte Versuche mit dem 
aus drei bis vier weißen Laternen bestehenden Signalsystem gemacht worden, das 
auf Tafel 18 unter 1. hervortritt. Dieses System schloß sich dem in England und 
Rußland eingeführten Laternendreieck mit kleineren Abweichungen an und wurde 
aus diesem Grunde für den Versuch ausgewählt, da für ein derartiges System 
die Aussicht auf einstige Einführung als internationales Signalsystem am größten 
schien. Bei obigem Versuche wurden weiße Laternen mit fünf geschliffenen 
Linsen benutzt. Es ergab sich bei einer Entfernung der Basislaternen von 8 m 
eine Sichtbarkeit der Signale von 2.5 Sm mit bloßem Auge und von gut 4 Sm 
mit bewaffnetem Auge aus einer Richtung nahe senkrecht zur Signalebene. 
Nachdem die Versuche die Verwendbarkeit jenes Signalsystems erwiesen 
hatten, sollen diese jetzt versuchsweise auf einigen Sturmwarnungsstellen wieder- 
holt werden, um Erfahrung zu sammeln. Gleichzeitig mußte es zur Zeit aber 
noch darauf ankommen, Erfahrungen mit anderen Systemen von Nacht-Sturm- 
signalen zu gewinnen, da die Aussicht auf eine internationale Einigung zugunsten 
des Laternendreiecks inzwischen zum größten Teil geschwunden ist. Im Juni 
vorigen Jahres hat nämlich in London eine internationale Kommission für 
maritime Wettersignale getagt, der auch die Frage der Einigung über ein inter- 
nationales Sturmsignalsystem obgelegen hat. Für das Laternendreieck war keine 
Meinung vorhanden, Die Kommission beschloß zur internationalen Einführung 
als Tages-Sturmsignale die an der deutschen Küste benutzten Kegelsignale unter 
Fortlassung des Signalballs und als Signalsystem für die Nacht die auf Tafel 18 
unter 3. dargestellten ersten vier, aus nur zwei weißen. oder roten Laternen be- 
stehenden Signale zu empfehlen, und wird ihren Beschluß dem in diesem Jahre 
in London tagenden internationalen meteorologischen Komitee zur. Annahme 
unterbreiten. 
Wenn auch zweifellos das auf -der Tafel 18 unter 3. angezeigte Signal- 
system dem Laternendreieck bei weitem an Einfachheit überlegen ist und dabei 
auch den Vorteil bietet, daß es aus jeder Richtung in derselben Deutlichkeit zu 
sehen ist, so stellt sich seiner Einführung zunächst doch das große Bedenken 
entgegen, daß ein derartiges, nur aus zwei Laternen bestehendes Signalsystem nur 
zu leicht zu Verwechslungen mit anderen Lichtern Anlaß geben möchte. Jeden: 
falls würde durch versuchsweise Benutzung zuerst festzustellen sein, ob die nach 
dieser Richtung zu erwartenden Schwierigkeiten der Einführung des Signalsystems 
entgegenstehen. Bei diesem Versuch wird, wie Tafel 18 unter 3. zeigt, neben 
den international vorgeschlagenen vier Signalen noch die rote Laterne als Signal 
entsprechend dem am Tage geheißten Signalball Verwendung finden. 
Um den jetzigen Versuch mit Nacht-Sturmsignalen auch für den Fall, daß 
das international empfohlene System wegen der eventuell erwiesenen Gefahr seiner 
Verwechslung mit anderen Signalen oder Lichtern nicht zur Einführung von seiten 
der Deutschen Seewarte empfohlen werden könnte, zu einem nach aller Voraussicht 
abschließenden zu gestalten, soll der Versuch auch noch auf ein drittes System; 
das auf der Tafel 18 unter 2. angezeigte, ausgedehnt werden... Dieses System 
entspricht, abgesehen von der für den.am Tage geheißten Signalball beibehaltenen 
roten Laterne, jenem internationalen Systeme (Tafel 18 unter.3.) mit der Ab- 
Ann, a. Hydr. usw. 1910. Heft TIL.
	        
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