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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1910.
An der Ostseeküste war der Sturm weniger schwer, Während das von Deutsch-
land nach dem Riga-Busen verlagerte Minimum verschwand, erschien an der
Südwestseite der großen Depression am 4. ein Teilminimum, das dem Haupt-
zentrum folgend von England nach Südnorwegen fortschritt und an der Nordsee
bis zur mittleren Ostseeküste wieder stürmische südwestliche Winde hervorrief,
die fast mit gleicher Stärke auftraten wie tags zuvor. Ein neues Teilminimum
stellte sich am 6. über den Britischen Inseln ein, während das alte nordwärts
Fortschritt. Dieses nahm seinen Weg zur mittleren Nordsee, wo es erst am 8.
anlangte; zugleich verflachte es sich stark, nämlich von 725 auf 750 mm, so daß
die barometrischen Gradienten stark abnahmen und während dieser Zeit stürmische
Winde nicht zur Entwickelung kamen. Das Wetter, welches bis zum 5, sehr
mild und regnerisch gewesen war, wurde bei der Verminderung der Südwest-
strömung am 6. kälter und vom 7. ab ließen auch die Niederschläge nach.
Am 9. trat nun eine bis zum 16. währende Periode meist ruhigen und
trockenen, teilweise nebligen und heiteren Wetters ein, da hoher Luftdruck über
dem Kontinent anhielt. Ein über Innerrußland gelegenes Hochdruckgebiet kam
allmählich stärker zur Geltung und trat am 12, mit einem von Island her ost-
wärts fortschreitenden Kern hohen Druckes in Verbindung, Dieses Hochdruck-
gebiet wurde bei dem Vorübergang von Depressionen im hohen Norden allmählich
südwärts gedrängt, so daß an der deutschen Küste anfangs östliche, später süd-
östliche Winde mit stetig fallenden Temperaturen auftraten; am 16. herrschte
4 bis 8 Grad Frost.
Am 17. bereitete sich ein durchgreifender Witterungswechsel vor, da von
der Biskayasee her eine Depression heranschritt und zugleich von einer nordischen
Depression ein Ausläufer nach der Nordsee vorgeschoben wurde, so daß das
Hochdruckgebiet in zwei Teile zerfiel. Schon am 17, fielen im Westen Nieder-
schläge, die sich am folgenden Tage, als das Minimum der Depression sich be-
reits über der südlichen Nordsee befand, auch nach den östlichen Teilen der
Ostseeküste ausbreiteten. Da sich der Kern vertiefte, kamen verbreitete stürmische
Winde aus südlichen bis westlichen Richtungen zur Entwickelung. Das Minimum
zog nordostwärts ab, aber ein neues folgte ebenfalls unter Vertiefung von der
Biskayasee her nach, so daß die stürmische Witterung mit Niederschlägen und
Temperaturen über dem Gefrierpunkt bestehen blieb. Am 21. stellte sich über
dem zentralen Kontinent ein Hochdruckgebiet ein, während die Depression nach
Finnland entwich. Da an ihrer Südwestseite ein Ausläufer zur Entwickelung
gelangte, so hielten die starken Südwestwinde am 21. noch stellenweise an; die
Temperaturen aber sanken unter den Gefrierpunkt,
Am 22, trat dann eine bis zum 29. anhaltende Periode zyklonalen und
meist sehr milden Wetters ein. Eine umfangreiche Depression näherte sich vom
Ozean her, während das kontinentale Hochdruckgebiet unter Erhöhung ostwärts
fortschritt.
So entwickelten sich am 22, stürmische südöstliche Winde, die an der
ganzen Küste auftraten und unter Abflauung nach Südwest drehten, An den
folgenden Tagen zogen mehrere Tiefdruckgebiete im Norden vorüber, die das
regnerische und milde Wetter dieser Tage verursachten. Besonders bemerkens-
wert ist noch der 28, und 29., wo von den Britischen Inseln her ein tiefes
Minimum über die Nordsee und Ostsee fortschritt und auf ihrer Rückseite
stürmische Nordwestwinde im Gefolge hatte. Ein Keil hohen Druckes, dem eine
neue Depression folgte, rückte ihr nach, so daß während seines Vorüberganges
an der deutschen Küste am 30. die Niederschläge und Winde nachließen; sie
traten aber bei der Annäherung der neuen Depression am letzten Monatstage
wieder ein. An der Nordseeküste frischten die Winde aus Südwest stellenweise
bis zur Stärke 8 nach der Beaufortskala auf.
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