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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1910, 
Am 14, September zog eine neue Depression von 721 mm heran, welche 
wieder Sturm aus Nordwesten mit sich brachte. Am 14. abends in 64° S-Br. 
und 81'/, W-Lg. holte der Wind südlich, und nun konnte »Pisagua« endlich nach 
Norden aufbiegen, nachdem man seit dem Passieren der Straße Le Maire un- 
unterbrochen auf Steuerbord-Halsen gesegelt hatte. Demnach hatte »Pisagua« 
bei fast gar nicht aussetzendem, sehr stürmischen Wetter und denkbar höchstem 
Seegang in 51, Tagen rw. S 44° W 731 Sm gutgemacht, was ein Etmal von 
133 Sm ergibt. Dies ist gewiß eine außerordentliche Leistung, die es erklärlich 
macht, daß solche Schiffe auch schnelle Reisen machen. 
Vom 14. September ab segelte »Pisagua« bei meistens westlichen und 
nordwestlichen Winden nach Norden. Am 18. und 19. September in 56° S-Br. 
und 80° W-Lg. setzte wieder ein schwerer Nordweststurm ein, bei dem »Pisagua« 
noch einmal auf Steuerbord-Halsen segeln mußte. Gegen Abend flaute es all- 
mählich wieder ab. 
Am nächsten Tage, am 20., in 54° S-Br. und 80° W-Lg. konnte «Pisagua« 
bei WNW-Wind, Stärke 7 bis 8, und steigendem Barometer Nord 46 Sm in der 
Wache gutmachen. Im meteorologischem Tagebuch steht als Bemerkung hierzu: 
»Machten die Royals und die leichten Stagsegel fest.« 50° S-Br. wurde am 
21. September in 77° W-Lg geschnitten. Von 50° S-Br. im Atlantischen Ozean 
bis 50° S-Br. im Stillen Ozean brauchte »Pisagua« 12l/, Tage; die ganze Reise 
von Lizard bis Valparaiso dauerte 65 Tage. 
Eis wurde von »Pisagua« trotz der erreichten hohen südlichen Breite 
überhaupt nicht angetroffen, während zu derselben Zeit östlich von den Falklands- 
Inseln Eisberge in ungeheuren Massen zusammengetrieben waren und die 
Navigierung der heimkehrenden Segelschiffe sehr erschwerten. !) 
Außergewöhnlich niedrige Lufttemperaturen hatte »Pisagua« ebensowenig 
zu verzeichnen; die niedrigste, überhaupt beobachtete Temperatur war 3° unter 
Null. Einige Mitsegler, welche gleichzeitig bei Kap Horn waren und nicht so 
weit nach Süden gedrängt wurden, hatten ebenfalls 2 bis 3° Kälte abgelesen. 
Man kann demnach nicht sagen, daß die Mannschaft der »Pisagua« unter dem 
unwirtlichen Klima dieser Gegend mehr zu leiden gehabt hätte als die der anderen 
Mitsegler, zumal die Umsegelung von Kap Horn in nur 12!/, Tagen vollendet wurde. 
Im allgemeinen war es bei südlichen und südwestlichen Winden, die häufig 
von Schneeböen begleitet waren, um 4 bis 5° kälter als bei nördlichen und 
nordwestlichen Winden, Indessen haben diese kalten südlichen Winde anderseits 
wieder den Vorteil für sich, daß sie den Schiffen meistens gestatten, Kurs oder 
nahezu Kurs zu steuern, was gewöhnlich nicht mit solchen Mühen und Strapazen 
verbunden ist als das beständige Halsen gegen westliche und nordwestliche Winde. 
Es dürfte noch interessieren, festzustellen, ob es dem Segler »Pisagua« 
Vorteil gebracht hat, sich so weit nach Süden drängen zu lassen. Abgesehen 
davon, daß dieses Schiff bei den anhaltenden nordwestlichen Winden kaum etwas 
Besseres tun konnte, als auf Steuerbord-Halsen nach Südwesten zu segeln, — zu 
segeln, nicht durch die oftmals stürmischen nordwestlichen Winde sich nach 
Süden treiben zu lassen,, — zeigt auch ein Vergleich mit anderen Seglern, die 
gleichzeitig mit »Pisagua« bei Kap Horn auf der Reise westwärts begriffen waren, 
daß »Pisagua« die Umsegelung in der kürzesten Zeit bewerkstelligt hat. 
Es haben nämlich cebraucht: 
Journal- 
Nummer 
S. 6790 
S. 6795 
8. 6826 
S. 6842 
8. 6853 
S. 6867 
S. 6870 
S. 6871 
Name des Schiffes 
50° S-Br. im ' 
Atlantischen 
Ozean 
‚Pisagua« 
‚Parchim« 
„Petschili« 
‚Herzogin Sophie Charlotte« 
‚Ostara« 
>Nixe« 
»Christel« 
‚Flottbek« 
8. IX. 08 
8. IX. 08 
8. IX. 08 
13. IX. 09 
123. IX. € 
4. IX. 0 
5. IX. 0 
5. IX. 05 
) 
Siehe Ann. d. Hydr.. Band 1909. S. 34 
50° S-Br. 
im Stillen 
Ozean 
21. IX. 08 
24, 1X. 08 
28, IX. 08 
27, IX. 08 
77. 1X. 08 
0. IX. 08 
27. IX. 08 
25 IX. 0° 
An- 
zahl 
Tare 
3 
16 
2) 
25 
22 
DA 
Höchste Breite 
64° S-Br. in 82° W-Leg. 
61° S-Br. in 78° W-Lg. 
60° S-Br. in 72° W-Lg. 
60° S-Br. in 73° W-Lg. 
59° S-Br. in 69° W-Lg. 
601/ S-Br. in 76° W-Lg 
59° S-Br. in 71° W-Lg. 
61° S-Br. in 77° W-Lg, 
Jentzseh.
	        
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