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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Kohlschütter, E.: Betrachtungen über Höhenstandlinien im allgemeinen und ihre Anwendung usw. 87 
haben, dürften mit zunehmender Höhe allmählich verschwinden.!) Damit entsteht 
aber die neue Aufgabe, durch Beobachtungen festzustellen, in welcher Weise die 
Abnahme dieser Abweichungen mit der Höhe erfolgt, damit Isogonenkarten für 
verschiedene Höhenschichten gezeichnet werden können. Dasselbe gilt auch für 
die Isodynamen- und Isoklinenkarten, die bei der magnetischen Ortsbestimmung 
gebraucht werden; allerdings in geringerem Maße, da die Änderungen dieser 
Linien mit der Höhe nur in gleichem Betrage und nicht wie die Anderungen 
der Mißweisung in verstärktem Maße in das Resultat eingehen. 
Eine Umsegelung von Kap Horn. 
Eine bemerkenswerte Umsegelung von Kap Horn auf dem Wege westwärts, 
bei welcher 64° .S-Br. erreicht worden ist, hat der Führer des Viermasters 
„Pisagua«, Kapt. J. Frömcke, im September 1908 vollbracht. ; 
Wie aus dem meteorologischen Tagebuche dieses Schiffes hervorgeht, 
wurde die Straße Le Maire am ‚10. September 1908 morgens bei fallendem 
Barometer durchsegelt, nachdem der Wind um 4% V. von WSW auf West, 
Stärke 3 bis 4, geraumt war. Das Barometer zeigte 762 mm, und es waren alle 
Segel gesetzt. Bei weiter fallendem 
Barometer drehte der langsam Zzu- 
nehmende Wind nachmittags mehr 
nördlich, so daß »Pisagua« auf süd- 
westlichen Kursen guten Fortgang 
machen konnte. Am 11, um 5% V, 
wurde die Insel Diego KRamirez 
passiert. Inzwischen war das Baro- 
meter weiter. gefallen, und der 
immer noch nordwestliche Wind 
nahm vormittags mehr und mehr 
zu, bis er mittags in 57° S-Br. und 
70° W-Lg. Stärke 11 erreicht hatte, 
Während der nun folgenden 
Zeit wehte es Tag für Tag mit 
manchmal orkanartiger Stärke aus 
Nordwesten, Die Depressionen folg- 
ten einander so rasch, daß der Wind 
von Nordwesten nie weiter als bis 
Westen holte, dann aber sehr bald 
wieder nach Nordwesten zurück- 
drehte und von neuem Sturmes- 
stärke annahm. »Pisagua« segelte infolgedessen beständig auf Steuerbord- 
Halsen, nutzte dabei aber die kurzen Pausen, in denen es beim Zurückdrehen 
des Windes nach Nordwesten flauer war, durch Segelsetzen aufs. äußerste aus. 
Als Beispiel mag angeführt werden, daß am 12, September mittags in 60° S-Br. 
und 72° W-Lg, »Pisagua« die vollen Obermarssegel führte, als ein vor Unter- 
marssegel liegendes englisches Vollschiff gesichtet wurde. Der Wind war zur 
Zeit WNW, Stärke 9 bis 10, Barometer 734 mm, und »Pisagua« machte 
rw. 8’ 21° W 38 Sm in der Wache gut. Selbst bei sehr schwerem Sturm wurde 
noch guter Fortgang erzielt, wie aus den Aufzeichnungen vom 13. September 
hervorgeht. An diesem Tage um Mittag stand »Pisagua« in 62° S-Br. und 
76° W-Lg. Morgens hatte ein schwerer Nordweststurm eingesetzt, der bis Nach- 
mittags ununterbrochen. mit orkanartigen Böen wehte. Der niedrigste Barometer- 
stand war 727 mm. Trotz dieses stürmischen Wetters hatte »Pisagua« an diesem 
Tage. doch durchschnittlich rw. S 40° W 10 Meilen in der Stunde gutgemacht. 
Horn 
1) Nach mündlicher ‚Mitteilung von Professor Ad. Schmidt und F. Bidlingmaier, Über 
die magnetische Ortsbestimmung im Ballon. »Ilustrierte Aeronautische Mitteilungen. Deutsche Zeitschrift 
für Luftschiffahrt.« XIII Jahrg. S. 975. November 1909,
	        
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