Kohlschütter, E.: Betrachtungen über Höhenstandlinien im allgemeinen und ihre Anwendung usw. 85
gelegten durchschnittlichen Werten dieser Größen. Gegenden besonders starker
Abweichung des Winkels zwischen Meridian und Isogone von seinem.mittleren
Wert liegen in Ostpreußen und westlich von Danzig. In Ostpreußen ist auch
8 sehr klein, ebenso westlich von Stralsund, im nördlichen Schleswig-Holstein
und im Fichtelgebirge. Sehr großes e findet sich dagegen südlich vom Frischen
Haff und westlich vom Bodensee. Auffallende Nichtparallelität der Isogonen
zeigen Ost- und Westpreußen und die Gegend zwischen Berlin und Dresden.
Infolge dieser vielen Unregelmäßigkeiten empfiehlt es sich in der Praxis, die
Länge der begrenzten Standlinie in jedem einzelnen Falle zu berechnen, auch
wenn der wahrscheinliche Ballonort nach anderen als den von mir angegebenen
Formeln berechnet ist. Unter anderen können die in meinem ersten Aufsatz an-
gegebenen Formeln!) dazu dienen. Über die Ableitung dieser Formeln sei noch
kurz folgendes bemerkt.
In Figur 6 bedeute G den Projektionspunkt
des Gestirns, P den wahrscheinlichen Ballonort,
P, den rechten Endpunkt der begrenzten Standlinie,
Dann ist gemäß der Figur
PPr = 14 St = 111.12cosh-.4g,
wenn !/„ St in Kilometern und 4q in Graden aus-
gedrückt ist. Unter Beschränkung auf Glieder erster
Ordnung kann dafür geschrieben werden
(17) 1St = 1L12-.00sh. 49, AP.
Da nun, wieder unter Beschränkung auf Glieder erster Ordnung,
er = Ha gesetzt werden kann, so ergibt sich die in meinem ersten Aufsatz
als Formel (21) bezeichnete Gleichung
4. St = 111.12.c0sh. 4 Pl a
Die anderen an jener Stelle angegebenen Formeln gehen aus (17) hervor,
wenn man dafür setzt bei der Variation der Mißweisung:
1 St = 111.12-00sh- A904 Pı
Is
des Azimuts:
dq dAz pl
St = 11.18 cos h- az pp AP
dq di „AP
St = 111.12 .00sh- 2 —py API,
der Länge:
„St = 111.12 .00h- 30. Of. APl,
die Ausdrücke für die Differentialquotienten a a A A einführt
und bezüglich der Differentialquotienten nach dPl so verfährt wie oben’ bei
Gleichung (17) angegeben ist.
Nachdem die große Wichtigkeit des Peilfehlers, die durch die außer-
ordentlich starke Verschiedenheit seines Einflusses auf die Genauigkeit der Orts-
bestimmung nach einem Gestirn veranlaßt wird, erkannt worden ist, ist es von
Interesse zu wissen, wie groß dieser Fehler anzunehmen ist. Um sicher zu gehen,
wird man für 4 Plo wohl am besten den mittleren zu befürchtenden Maximal-
fehler bei Peilungen im Horizont einsetzen, Dieser Fehler dürfte je nach dem
benutzten Peilkompaß, der Geschicklichkeit des Beobachters, der Ruhe und Eisen-
freiheit des Ballonkorbes und sonstigen Umständen verschieden sein, Immerhin
erscheint es mir zweckmäßig, durch größere Beobachtungsreihen Material über
die vorkommenden Beträge dieses Fehlers zu sammeln, um für seine Beurteilung
im einzelnen Fall einige Unterlagen zu haben.
1a. a. O0. SS. 456.
der
Breite: