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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

70 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1910. 
fertigt, diesen Ort als den wahrscheinlichen Ballonort zu bezeichnen, wie ich es in 
meinem ersten Aufsatzel) getan habe. ) 
Ebenso wie auf See der wahre Ort innerhalb eines bestimmten Abstandes 
von dem wahrscheinlichen Ort auf der Höhengleiche zu suchen ist (von den 
Beobachtungsfehlern der Höhenmessung zunächst abgesehen), so auch in der 
Luft. Während aber auf See dieser Abstand durch die Größe der zu erwartenden 
Stromversetzung, der Abtrift, Kompaß- und Steuerfehler, Logfehler bestimmt ist, 
wird er in der Luft durch die Größe der zu erwartenden Peilfehler bestimmt. 
Formeln zur Berechnung dieses Abstandes, den ich »halbe Länge der begrenzten 
Standlinie« genannt habe, finden sich in meinem ersten Aufsatz.?) Ähnlich wie 
auf See ergibt daher eine Ortsbestimmung nach nur einem Gestirn in der Luft 
ein begrenztes Stück der Höhengleiche oder der dafür eintretenden Standlinie, 
dessen Mitte der wahrscheinliche Ballonort ist. Der letztere ist so zu bestimmen, 
daß er den beobachteten Werten von Höhe und magnetischer Peilung innerhalb 
noch näher zu bestimmender kleiner Fehler genau entspricht. 
In dem Vorstehenden liegt es auch begründet, daß die auf See übliche 
Höhenmethode im Ballon nicht anwendbar ist, da sie auf den maritimen wahr- 
scheinlichen Schiffsort zugeschnitten ist, der ein ganz anderer Ort als der 
aerische wahrscheinliche Ballonort ist. 
Fig. 3. 
Nm 
X * 
Ar \St 
Ein anderer Punkt, der für die Luftnavigation die Sehnenmethode der 
Tangentenmethode überlegen erscheinen läßt, ist die Unmöglichkeit, den wahr- 
scheinlichen Ballonort infolge der Unkenntnis der magnetischen Mißweisung 
direkt zu berechnen. Da der Wert der Mißweisung sich nicht beobachten, 
sondern nur aus einer Isogonenkarte entnehmen läßt, so müßte man, um den 
richtigen Wert zu bekommen, den wahrscheinlichen Ballonort, der erst bestimmt 
werden soll, von vornherein kennen. Die Mißweisung kann daher nur durch 
Annäherungen bestimmt werden, Um in allen Fällen mit möglichst wenig An- 
näherungsrechnungen auszukommen, habe ich in meinem schon wiederholt an- 
gezogenen ersten Aufsatze die Variationsmethoden aufgestellt, die im’ allgemeinen 
nur zwei Rechnungen verlangen, nämlich die Berechnung der beiden Bestimmungs- 
punkte. Indem bei diesen Rechnungen auch die magnetischen Peilungen (Pl, 
und Pl,), die das Gestirn zur Beobachtungszeit in den Bestimmungspunkten 
gehabt hat, mitbestimmt werden, gelangt man verhältnismäßig bequem zu einem 
nahezu richtigen Werte von Hl und SS Inwiefern dies einen Vorteil der Sehnen- 
methode gegenüber der Tangentenmethode bedeutet, veranschaulichen die 
Figuren 3 und 4. 
1!) Vgl. »Ann. d. Hrdr. usw.« 1909, S. 450. 
X Vgl. »Ann. d. Hrvdr. usw.e 1909. S. 453.
	        
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