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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

A 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1009, 
Bezüglich der Senkung des Bodens im Norden der Niederlande seit dem 
Mittelalter gibt die Höhenlage von westlichen. Dollard-Poldern (Groningen) im 
Jahre 1850 Anhaltspunkte nach folgender Tabelle: 
Zeit 
der Kiodeichunge 
; Höhe über 
; der unter Hochwasser 
in Meter 
Senkung In 
dinem Jahrhundert 
in Zentimeter 
Fr a om x LS79 
1507 2 — L050 
1609 2 — 0080 
WOL 0.920 
0. —0.483 
La = (1245 
18189 210 
CN Tu 1 
Für die östliehen Dollardpolder (Ostiriesland) sind die Höhen von Poldern 
nachstehend angegeben; 
170. er 
798... 
[819 sun hm R 
Hieraus würde für die Senkung plus Zusammenziehung für jedes Jahr- 
hundert folgen: 
E 
der westlichen Dollardpolder . ... 40x... 80cm, 
» östlichen » nn Kam] « x 88 0HL 
Wenn auch eine Zusammenziehung des Bodens nach den Eindeichungen 
stattgefunden hat, se ist diese auf Grund des sich mach der Eindeichung sehr 
Jangsam vollziehenden Austrocknungsprozesses, wodurch anfänglich der weiche 
Boden fest wird, nicht so groß, um damit die großen Unterschiede in der Höhen- 
lage zu erklären. Nimmt man nun eine Senkung des Bodens in bezug auf Hoch- 
wasser hach obigen Ziffern zu 85 em in einem Jahrhundert oder 3 m in 3! Jahr- 
hunderten an, so ist diese nach eingehenden Untersuchungen zuzuschreiben: 
für ungefähr 0,3 m der Erhöhung des Hochwassers und ebensoviel der 
Erniedrigung des Niedrigwassers, beides in bezug auf Halbtide infolge Ver- 
ringerung‘ des Inhalts des Dollards auf 1/, seines früheren Inhalts, wodurch die 
Flutgröße in dem übriggebliebenen Teil entsprechend größer geworden sein mul; 
für ungefähr 1.0 m der Senkung des Bodens; für den Rest, also ungefähr 
1.7 m, €. 1 für 0.50 m in einem Jahrhundert (bei einigen Poldern bis 2,30 m, 
di. 0.65 m in einem Jahrhundert) der Zusammenziehung durch Austrocknung, 
| Auffallend. ist die Übereinstimmung mit den von Schütte an der Olden- 
burgischen Küste gefundenen Ergebnisse, Die Beobachtungen an dem Pegel in 
Delfzyl zeigen anderseits darauf hin, daß die Senkung in dem Nordosten der 
Niederlande vielleicht nicht sehr viel größer gewesen ist als in Holland und 
Zeeland. Jedenfalls wird durch die Annahme, daß der Boden sich langsam, doeh 
gleichmäßig seit der Römer Zeit oder der Zeit Karls des Großen gesenkt hat, 
manches aufgeklärt, das sonst rätselhaft ist. 
Hat nun aller Wahrscheinlichkeit nach In den letzten Jahrhunderten eine 
durchgehende Senkung der Niederländischen Küste von ungefähr 18 em pro Jahr- 
hundert stattgefunden und diese seit dem Ende der Eiszeit keine Änderung er- 
fahren (wofür allerdings der Beweis nicht erbracht ist), so würde die Senkung 
in 20000 Jahren (d, ii dem Mittel aus verschiedenen Augaben über das Ende 
der Eiszeit} ungefähr 36 m betragen haben, Die Oberkante des Diluviams HKest 
in Holland nördlich der Maas im allgemeinen auf 20 bis 23 mn unter Amsterdamer 
Null. Die Schlubfolgerung scheint nicht gewagt, daß die wahrscheinliche Senkung 
seit dem Ende der Eiszeit 10 em pro Jahrhundert betragen hat, zumal die seit- 
dem verflossene Zeit von 20000 Jahren nur geschätzt ist, dagegen jst eine 
Yallkommen zuyrerlässige Ziffer für die Senkung in. dieser langen Zeit oder selbst
	        
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