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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

I 
Annalen der Hradrographie und Mariimen Meteoroloyie, Februar 1900, 
Wenn als Grund für die Hebung des mittleren. Wasserstandes die Er- 
weiterung der Seegaten angeführt wird, so erscheint dies nicht zutreffend, da 
die Flutgröße köchstwahrscheinlich infolge der langsamen Aufsandung und Äuf- 
schlickung der Zuiderzee kleiner geworden ist und nach allgemeinen Erfahrungen 
das Gegenteil hätte eintreten müssen, weil mit dem Höherauflaufen der Sturm- 
fluten. auch die Flutgröße zunimmt. 
Während allgemein in früheren Jahrhunderten das Land als fest und der 
Seespiegel als beweglich betrachtet wurde, änderte sich zu Anfang des 19, Jahr- 
hunderts diese Ansicht unter dem Einfluß der plutonistischen Schule und be- 
sonders Leopold von Buchs, infolgedessen der Seespiegel als konstant erklärt 
wurde, Daß nach Dr, HM, Blink die Verbreiterung des Englischen Kanals auf die 
Höhe der mittleren Wasserlinie Einfluß ausgeübt hat, ist nur in geringem Maße 
möglich. Die Flutgröße muß durch diese Katastrophe längs der Niederländischen 
Küste größer geworden sein, doch ist der mittlere Wasserstand nicht vom der 
Flutgröße abhängig und kann nur durch den Wind einige Zentimeter höher ge- 
worden sein als vor dem Durchbruch, Außerdem wird der Beginn des Durch- 
bruchs auf mindestens vor 60000 Jahren gestellt und als sicher zu betrachten 
sein, daß der Portus Itius, von wo Caesar nach Britannien zog; das jetzige 
Boulogne ist, In den seitdem verflossenen 2000 Jahren kann die Küste daselbst 
im horizontalem Siune nicht viel mehr als 1000 m zurückgegangen sein. 
Die See steigt jährlich durch die Mengen fester Stoffe, die die Flüsse 
bineinführen, Nach den neuesten Berechnungen von Dr, ©, Krümmel (s. Hand- 
buch der Ozeanographie, 1, Teil, 5, 144) ist der Inhalt sämtlicher Meere der 
Erde 1380 Mill, ebkm, nach Dr, R. Fritsche (s. Niederschlag, Abfluß und Ver- 
dunstung 3. 34) die jährlich in die Meere aus den Strömen fließende Wasser- 
menge 30 640 cbkm. Der jährliche Abfluß fester Stoffe beiträgt für den Rhein 
und die Maas zusammen 0.000065 des ganzen Wasserabflusses, d.i, 3 235 000 cbm 
auf 86900 Mill, ebm Wasser, also der Schlickgehalt 0.000037. Nach Sir John 
Murray ist der Gesamtabfluß von festen Stoffen aller Flüsse der Erde == 0.000838 
des ganzen Wasserabflusses, ist also Gmal größer als der des Rheins und der 
Maas, Legt man diese Ziffer zugrunde, dann ist der Abfluß fester Stoffe in alle 
Meere der Erde jährlich im Mittel = (00038 % 80 640 = 116 ebhkm oder in 
einem Jahrhundert 11600 ebkm, d, bh. nur 11 A766 des Wasserinhalts der Meere. 
Bei einer mittleren Tiefe der Meere von 3681 (Dr. Krümmel, Handbuch der 
Ozeanographie, 1. Teil, S, 144) würde der Meeresspiegel dadurch in einem Jahr- 
hundert 3,2 mm steigen. Rechnet man noch hinza die jährlich aus den Flüssen 
in die Meere fließenden aufgelösten Stoffe, deren Menge nach Murray 4,92 cbkm 
beträgt, und. die teils aufgelöst bleiben, teils durch kalkbildende Tiere in feste 
Stoffe umgefornmt werden, so wird die Erhöhung des Seespiegels durch diese 
Ursachen sicherlich nicht 4 mm in einem Jahrhundert übersteigen, 
Um über die Bewegung des Bodens der Niederlande in bezug‘ auf den 
Seespiegel, also über Hebung oder Senkung des Bodens Anhaltspunkte zu ge- 
winnen, legt es nahe, die langjährigen regelmäßigen Beobachtungen an den zahl- 
reichen Pegeln, die teils gewöhnlicher Art und feils seit 1874 auch registrierend 
sind, heranzuziehen, Wenn auch die Angaben mit Fehlern behaftet sind, die 
schwerlich zu vermeiden sind, so liegt der Vorteil der registrierenden Pegel 
darin, daß sie die mittlere Flutgröße und deren Abweichungen allein genau an- 
zeigen. Die längs der niederländischen Küste und in den Mündungen der Haupt- 
Nüsse auftretenden Erscheinungen, die ziemlich genau bekannt sind, lassen Schluß- 
folgerungen zu, die das nötige Licht über die Frage der Senkung des Bodens 
verbreiten können. Wenn auch allerlei Einflüsse von Monddeklination, Abstand 
der Erde von Some und Mond und Wind aus verschiedenen Richtungen darauf 
einwirken, so verschwinden diese Einflüsse aus den Jahresmitteln zum großen 
Teil und aus einem Mittel über eine große Anzahl Jahre, z.B. ungefähr 10 Jahre, 
so gut wie vollständig. 
| Die beobachteten Höhen von Hochwasser und Niedrigwasser werden von 
dem »Allgemeinen Dienst des Waterstaats« in zweifacher Weise besonders 
Fevistriert, und zwar:
	        
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