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Annalen der Hradrographie und Mariimen Meteoroloyie, Februar 1900,
Wenn als Grund für die Hebung des mittleren. Wasserstandes die Er-
weiterung der Seegaten angeführt wird, so erscheint dies nicht zutreffend, da
die Flutgröße köchstwahrscheinlich infolge der langsamen Aufsandung und Äuf-
schlickung der Zuiderzee kleiner geworden ist und nach allgemeinen Erfahrungen
das Gegenteil hätte eintreten müssen, weil mit dem Höherauflaufen der Sturm-
fluten. auch die Flutgröße zunimmt.
Während allgemein in früheren Jahrhunderten das Land als fest und der
Seespiegel als beweglich betrachtet wurde, änderte sich zu Anfang des 19, Jahr-
hunderts diese Ansicht unter dem Einfluß der plutonistischen Schule und be-
sonders Leopold von Buchs, infolgedessen der Seespiegel als konstant erklärt
wurde, Daß nach Dr, HM, Blink die Verbreiterung des Englischen Kanals auf die
Höhe der mittleren Wasserlinie Einfluß ausgeübt hat, ist nur in geringem Maße
möglich. Die Flutgröße muß durch diese Katastrophe längs der Niederländischen
Küste größer geworden sein, doch ist der mittlere Wasserstand nicht vom der
Flutgröße abhängig und kann nur durch den Wind einige Zentimeter höher ge-
worden sein als vor dem Durchbruch, Außerdem wird der Beginn des Durch-
bruchs auf mindestens vor 60000 Jahren gestellt und als sicher zu betrachten
sein, daß der Portus Itius, von wo Caesar nach Britannien zog; das jetzige
Boulogne ist, In den seitdem verflossenen 2000 Jahren kann die Küste daselbst
im horizontalem Siune nicht viel mehr als 1000 m zurückgegangen sein.
Die See steigt jährlich durch die Mengen fester Stoffe, die die Flüsse
bineinführen, Nach den neuesten Berechnungen von Dr, ©, Krümmel (s. Hand-
buch der Ozeanographie, 1, Teil, 5, 144) ist der Inhalt sämtlicher Meere der
Erde 1380 Mill, ebkm, nach Dr, R. Fritsche (s. Niederschlag, Abfluß und Ver-
dunstung 3. 34) die jährlich in die Meere aus den Strömen fließende Wasser-
menge 30 640 cbkm. Der jährliche Abfluß fester Stoffe beiträgt für den Rhein
und die Maas zusammen 0.000065 des ganzen Wasserabflusses, d.i, 3 235 000 cbm
auf 86900 Mill, ebm Wasser, also der Schlickgehalt 0.000037. Nach Sir John
Murray ist der Gesamtabfluß von festen Stoffen aller Flüsse der Erde == 0.000838
des ganzen Wasserabflusses, ist also Gmal größer als der des Rheins und der
Maas, Legt man diese Ziffer zugrunde, dann ist der Abfluß fester Stoffe in alle
Meere der Erde jährlich im Mittel = (00038 % 80 640 = 116 ebhkm oder in
einem Jahrhundert 11600 ebkm, d, bh. nur 11 A766 des Wasserinhalts der Meere.
Bei einer mittleren Tiefe der Meere von 3681 (Dr. Krümmel, Handbuch der
Ozeanographie, 1. Teil, S, 144) würde der Meeresspiegel dadurch in einem Jahr-
hundert 3,2 mm steigen. Rechnet man noch hinza die jährlich aus den Flüssen
in die Meere fließenden aufgelösten Stoffe, deren Menge nach Murray 4,92 cbkm
beträgt, und. die teils aufgelöst bleiben, teils durch kalkbildende Tiere in feste
Stoffe umgefornmt werden, so wird die Erhöhung des Seespiegels durch diese
Ursachen sicherlich nicht 4 mm in einem Jahrhundert übersteigen,
Um über die Bewegung des Bodens der Niederlande in bezug‘ auf den
Seespiegel, also über Hebung oder Senkung des Bodens Anhaltspunkte zu ge-
winnen, legt es nahe, die langjährigen regelmäßigen Beobachtungen an den zahl-
reichen Pegeln, die teils gewöhnlicher Art und feils seit 1874 auch registrierend
sind, heranzuziehen, Wenn auch die Angaben mit Fehlern behaftet sind, die
schwerlich zu vermeiden sind, so liegt der Vorteil der registrierenden Pegel
darin, daß sie die mittlere Flutgröße und deren Abweichungen allein genau an-
zeigen. Die längs der niederländischen Küste und in den Mündungen der Haupt-
Nüsse auftretenden Erscheinungen, die ziemlich genau bekannt sind, lassen Schluß-
folgerungen zu, die das nötige Licht über die Frage der Senkung des Bodens
verbreiten können. Wenn auch allerlei Einflüsse von Monddeklination, Abstand
der Erde von Some und Mond und Wind aus verschiedenen Richtungen darauf
einwirken, so verschwinden diese Einflüsse aus den Jahresmitteln zum großen
Teil und aus einem Mittel über eine große Anzahl Jahre, z.B. ungefähr 10 Jahre,
so gut wie vollständig.
| Die beobachteten Höhen von Hochwasser und Niedrigwasser werden von
dem »Allgemeinen Dienst des Waterstaats« in zweifacher Weise besonders
Fevistriert, und zwar: