accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Allmähliche Senkung des Bodens der Niederlande. 
Allmähliche Senkung des Bodens der Niederlande. 
Die Frage, ob die Niederlande sich langsam, aber sicher senken, ist oft 
gestellt und sowohl bejahend wie verneinend beantwortet worden, In der Ver- 
sammlung des Königlichen Instituts der Ingenieure am 9, November 1907 ist von 
J. C. Ramaer durch umfassende Berechnungen auf Grund der Beobachtungen 
an gewöhnlichen und selbstregistrierenden Pegeln von der Wester-Schelde bis 
zur Ems von 1854 bis 1906 die Senkung des Bodens in bezug auf den mittleren 
Seespiegel in bejahendem Sinne nachgewiesen. Bei der Wichtigkeit auch für die 
ganze Nordsee- und Ostseeküste erscheint e& von Aallgemeinem Interesse, den 
wesentlichen Inhalt der Untersuchungen und das Ergebnis nach der Tydschrift 
vy, h. Koninklyk Instituut v. Ingenieurs 1907/08 hier mitzuteilen, Auch in anderen 
Ländern hat diese Frage seit längerer Zeit schon den Gegenstand won Unter- 
suchungen gebildet. So hat der schwedische Gelehrte Celsius (1701 bis 1744} 
im Jahre 1731 aus einer Anzahl Beobachtungen an Felsen gefolgert, daß der 
Wasserspiegel der Ostsee sinkt, und zwar um 4*/„ schwedische Fuß (1.4 m) in 
sinem Jahrhundert, Dagegen hält Dr, R, Sieger’) eine Senkung von 41 bis 45 em 
in einem Jahrhundert für Stockholm am wahrscheinlichsten. 
Professor Dr. E, Brückner hat dureh Vergleichung der Wasserstände an 
Pegeln während eines langen Zeitraumes (8 Pegel an der deutschen Ostseeküste 
von 1811 bis 1889, 1 Pegel in Stockholm von 1826 bis 1875 und 2 Pegel in 
Finnland von 1856 bis 1887) gefunden, daß die ‘mittleren Wasserstände der 
8 deutschen Pegel nur einigermaßen mit dem Regenfall steigen und fallen, und 
zwar mit einer Amplitude von 4 cm in 15 Jahren, daß dagegen die 3 anderen 
Pegel wesentliche Hebungen der Küste anzeigen, und zwar in Stockholm um 
{3 em in 45 Jahren, in Finnland um 19 em in 25 Jahren, also in einem Jahr- 
hundert 29 bzw. 77 em. Nach den Untersuchungen von H,. Schütte sind Beweise 
vorhanden, daß die Küste von Oldenburg in den letzten Jahrhunderten sich 
angefähr um 75 em in einem Jahrhundert gesenkt hat. 
Was nun die Niederlande anbetrifft, so war einer der ersten, die darüber 
ihre Änsichten veröffentlichten, Nicolas Hartsoeker (1656 bis 1725), Nach 
Ihm beträgt die Senkung in einem Jahrhundert 30 cm. J, Lulolfs (1711 bis 1768) 
berechnet nach den Pegelbeobachtungen eine Senkung in der Umgegend von 
Kattwyk von 24 em in einem Jahrhundert, In der zweiten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts erklärt Dr. H, Staring, der Gründer der niederländischen Geologie, 
1Jaß der Boden der Niederlande nicht sinkt, weil nirgends tief unter dem See- 
spiegel liegende Strandbildungen nach der Tertiärzeit zu finden sind. Dagegen 
glaubt A. A. Beekmann an eine Senkung, weil sonst schwer zu erklärende Er- 
scheinungen auf hydrographischem Gebiet aufzuklären sind. Auch Dr, H. Blink 
gelangt zu dem Schluß, daß in Rücksicht auf verschiedene Tatsachen in der Ge- 
zchiehte des Bodens das Ansteigen der Außenwasserstände nicht nur der Zu- 
sammenziehung des Bodens zuzuschreiben und dies nicht der Hauptfaktor sei, 
Tatsachen weisen auf eine allgemeine Hebung des Seespiegels in bezug auf die 
Küste, wober es noch unentschieden sei, ob man es mit einer allgemeinen Senkung 
des Landes oder mit einer allgemeinen Hebung: des Wasserspiegels zu tun habe, 
Die von der Königlichen Akademie der Wissenschaften angestellten Unter- 
suchungen haben bis jetzt noch zu keinem Ergebnis geführt, weil die betreffen- 
den Arbeiten erst im Jahre 1875 begonnen worden sind. Aus den Beobachtungen 
an dem Pegel in Amsterdam leitet Dr. G. van Diesen ab, daß die mittlere 
Halbtide in bezug auf den Amsterdamer Boden gestiegen sei, und zwar: 
von 1708 bis 1804 um 5.69 em oder 5.92 cm in einem Jahrhundert. 
* 1804 « 1851 + 434 * .« 9,23 « x * 
Die Flutgröße in Amsterdam betrug: 
von 1700 bis 1717 ....-. 81.88 om. 
« 1796 «© 1818 22... 891.77 & 
x 1843 « 1860 ...,,. 3163 + 
+4 Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Band XXWIIL (1893) ®&. 1 u. fl 
and 393 u. IE, 
Ans, d, Hydır. usw... 1902, Heft IL
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.