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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Annalen der Hydrographie und Marktinen Meteorologie, Februar 1909, 
An der südwestafrikanischen Küste bilden ebenfalls auflandige Winde 
die Regel’), Nach Untersuchungen von Gülland“”) entfällt sogar über die Hälfte 
aller Windrichtungen eines jeden Monats auf S, SW und W. Gleichwohl ist das 
Auftriebgebiet noch stärker ausgebildet als an der Küste von Nordwestafrika. 
Diese Tatsache erklärt Schott!) damit, daß unter dem Einfluß des Passats die 
Benguelaströmung vom Lande abbiegt und das Aufsteigen von Tiefenwasser zum 
Ersatz zur Folge hat. Auch dieser Grund kann für uns nicht in Betracht 
kommen, denn einmal ist unserAuftriebgebiet bedeutend weiter vom Aquatorial- 
strom entfernt, und dann entwickelt sich dieser am kräftigsten gerade während 
der Wintermonate, in denen. die Auftriebserscheinung im Rückgange begriffen ist, 
Beide Erklärungen versagen also, und auch andere Auftriebgebiete liefern 
kaum Anhaltspunkte für uns; in der Tat ist auch das Auftreten des kalten 
Küstenwassers in unserem Gebiete bis jetzt unerklärt geblieben, Dies ist an- 
scheinend darauf zurückzuführen, daß es erst in neuerer Zeit gelungen ist, die 
Wirkung der Erdrotation auf die Meeresströmungen zu berechnen, Zwar 
hat schon Maury auf ihre Bedeutung hingewiesen), und Hoffmann hat ver- 
sucht, sie rechnerisch einzuführen‘); er findet in den Auftriebgebieten die Wind- 
wirkung unterstützt durch das Bestreben des Wassers, infolge der Erdrotation 
ron der geraden Bahn abzuweichen‘), Aber erst später fand Nansen eine 
wirkliche dauernde Ablenkung der Strömung won der Windrichtung“), Be- 
sbachtungen, wie sie ebenfalls auf Feuerschiff »Adlergrund« gemacht wurden‘). 
Diese Tatsachen finden ihre Erklärung in V, Walfrid Ekmans Theorie der 
Meeresströmungen *). 
b. Die Ekmansche Theorie, 
Die Ekmansche Theorie — soweit sie hier in Betracht kommt — beschäftigt 
zich mit der Bewegung des Wassers unter Einwirkung von Wind, innerer Reibung 
md Erdrotation, nachdem sie stationär geworden ist; von Dichte- und Wärme- 
unterschieden wird einstweilen abgesehen, Die Erdrotation erteilt der Einheit 
der Masse die zur jeweiligen Bewegung senkrechte Beschleunigung 2 v @ sin &, 
wenn v die Geschwindigkeit der Masse, @ die Winkelgeschwindigkeit der Erde 
and @ die geographische Breite ist*). Die Reibungskraft, die ein Wasserteilchen 
anf ein benachbartes ausübt, wird proportional dem Geschwindigkeitsunterschiede 
angenommen. Vertikale Bewegungen bleiben außer Betracht. Allein auch wenn 
diese Voraussetzungen nicht streng erfüllt sind, ändern sich die Resultate nicht 
wesentlich; ausgenommen von der Theorie ist nur ein Streifen zu beiden Seiten 
jes Äquators, Ekman löst die Frage nach dem Entstehen der Strömungen da- 
Aurch, daß er die Erscheinungen in Teile zerlegt, denen lösbare mathematische 
Aufgaben entsprechen, Aus ihren Lösungen läßt sich die Erklärung der ver- 
wickelteren Fälle wieder zusammensetzen. Wir benutzen folgende Ergebnisse 
Ekmans: 
1. Wenn über einem unendlich großen und tiefen Ozean ein Wind von 
überall gleicher Richtung und Stärke weht, so ergibt sich: 
I. Der Oberflächenstrom ist auf der nördlichen Halbkugel um 
45° von der Windrichtung nach rechts abgelenkt 
Die Ablenkung nimmt proportional der Tiefe zu, während die Geschwindig- 
keiten in geometrischer Reihe abnehmen, Daher läuft in einer gewissen Tiefe D, 
\Wissensch, Ersechn, d. deutschen Tiefsee-Expedition, Ball, TI, 8, AZTE 
sJitt, aus den deutschen Schnutzgebieten 1907, 3, S, 160, 
Taury, Die physische Geographie des Meeres, deutsch von Boet(ver, Leipzig 1856, &, 29. 
/offmann, Zur Mechanik der Meerecsströmungen, Berlin 1554, & ff 
Toffmann, Zur Theorie der Küstensträmungen, Ann. «. Hydr, «, Mar, Met, 1857, 8. 26. 
he Norwegian Pokır Expedition, Seient. Resulte, Ed, by F, Nansen, Bd, HILL London 
‘ff, Vgl. auch Nansen, Die Ursachen der Meeresströmumgen, in Peterm, Geogr. Mitt, 
1 
4 Schott, Physische Mecreskunde, Leipzig 19008, & LT. 
#4 V. W. Ekman, On the influence of the earth’s roration or oeccan Currents in: Arkiv för 
\atematik öch freik, Bd. 2, 11, Utzifyet at K, Svenska Vetenskapsakademien { Stockholm, und Referat 
n Ann. d. Hrdr. u, Mar, Met. 1906, Heft 94. . 
5 Vel. Wagner, Lehrbuch der Geoeraphie I, Hannover wi Leipzig 1903, &. 144, 
) 
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