5a Annalen der Hydrographie und Mariimen Meteorologie, Februar 1900,
{00-Fadengrenze nicht, vorhanden war, Im Gegenteil machte sich hier ein
schwacher Südestrom bemerkbar. Die englischen Karten iragen dieser Bech-
achtung insofern Rechnung, als hier die Nord-Strompfeile nur innerhalb der
100-Fadenlinie eingezeichnet sind.
Die Zugänge zur Moreton-Bai sowie die Fahrrinne im Brisbane-Fluß sind
häufigen Änderungen unterworfen, mit welchen die Kartenverbesserung nicht
Schritt halten kann und welche daher meist nur den Lotsen bekannt sind,
Die Segelanweisung macht hierauf besonders aufmerksam.
b) Reise Brisbane—BSinpsonhafen. Der Wind war am 24, und 26, Juni
SSW-lich, drehte zum 286, Juni Knks nach SO, wehte vom 26, Juni bis 3 Juli aus
dem SO-Quadranten, schwankend zwisehen SSO und Ost; am 3, Juli linksdrehend
bis NO und NW, Am 4 Juli sprang nach mehrstündiger Windstille der Wind
nach Süden um und drehte am 5, Juli auf SSO und SQ,
Im allgemeinen wurde also ausgeprägter SO-Monsun, und zwar von der
durchschnittlichen Stärke 4—5 angetroffen, Nur in der Nacht vom 5. zum 6, Juli
herrschte Windstärke 6 mit heftigen Regenbüen,
Der Strom setzte im allgemeinen in der Richtung des SO-Monsuns 0,5 bis
1.0 Sm p. Stunde,
Abweichungen wurden festgestellt. etwa in der Breite des Frederick -Riffs
(21° Süd). Hier scheint eine ausgesprochene Stromscheide zu bestehen, indem
südlich des Riffs der Strom nach Osten setzte, also gegen die Windrichtung,
während weiter nördlich der Strom in der Windrichtung setzte.
Am 26, Juni wurde während der Ausführung einer Loötung von 12% 45m
bis 44 199 auf 22° 38,5’ S-Br, und 154° 12,5’ O-Le, eine starke Stromkabhelung
beobachtet, die sich etwa in der Richtung 080— WXNW mehrere Seemeilen weit
erstreckte. Bei der Ansteuerung des St, Georgs-Kanals wurde etwa von 7° Süd
an ein starker nach Nord setzender Strom (bis zu % Sm p. Stunde} festgestellt,
der zwischen Bougainville und Neu-Mecklenburg hindurchführte
Schließlich wurde noch eine starke Stromkabbelung im St, Georgs-Kanal
beobachtet, genau von Kap Gazelle quer herübersetzend nach Neu-Mecklenburg.
Am schärfsten ausgeprägt war diese Stromkabbelung in der Nähe des Kaps; hier
war auf etwa 2 Sm Ausdehnung eine regelrechte Brandung vorhanden, so daß
man an das Vorhandensein eines Barriere-Riffs hätte glauben können.
c) St.. Georgs-Kanal. Die zwischen Rügenhafen und Kap Gazelle am 8, Sep-
tember 1908 ausgeführten Krgänzunegslotungen bestätigten das Vorhandensein
eines nach Norden setzenden Stroms, Die Stromrichtung paßt sich dem Küsten-
verlauf an,
Wind. zur Zeit der Beobachtung SSO Stärke 3, Versetzung (durch Winkel-
messung festgestellt) durch Wind und Strom: 1,6 Sm p, Stunde nach. NzO, Strom-
geschwindigkeit schätzungsweise etwa 1.0 5m p. Stunde.
Die oben erwähnte Stromkabbelung bei Kap Gazelle wurde auch diesmal
wieder in ausgeprägter Weise festgestellt.
Auch die übrigen Angaben über die Stromverhältnisse im südlichen Teile
der St. Georgs-Kanals wurden bestätigt gefunden} so trieb auch bei der Lotung 2108 m
das Schiff trotz Windstärke 4 breitseits gegen den Wind nach Süden, während
ferner die auffallend kurze und kabbelige Sees deutlich zeigte, wie Wind und
Strom einander entgegenwirkten. |
Die Verhältnisse scheinen nunmehr so zu liegen, daß die SO-Monsundrift
die Ostküste Neu-Pommerns trifft und sich der Küstenform änpassend nach Nord
abfließt, während In der Kanalmitte ein Gegenstrom hervorgerufen wird, so
daß also allem Anschein nach im südlichen Teile des St, Georg-Kanals ein Kreis-
Jauf stattfindet.
Diese Annahme müßte allerdings noch durch eingehendere Strombeob-
achtungen, die längere Zeit fortzusetzen wären, erhärtet werden,
Schon jetzt könnte indessen der lokalen Schiffahrt, besonders den Schoonern
und Motorbooten, empfohlen werden: in der SO-Monsunzeit auf der Fahrt nach
Süden Kanalmitte zu halten, auf der Fahrt nach Norden aber den Kurs in der
Nähe der Küste Neu-Pommerns zu wählen.