Versuch mit Wetter-Funkentelezrgammen vom Nordatlanfischen Ozeart, 51
Die deutschen Beobachtungsdampfer sind mit einem »Telegrammheft
für die Versuche mit Wetter-Funkentelegrammen vom Nordatlantischen
Ozean« (und einem zweiten Exemplar zur Reserve) versehen worden, das die
nötigen. Bestimmungen nebst einer Reduktionstabelle für das Barometer, zum Ab-
reißen bestimmte Formulare zur Niederschrift der Telegramme, Blaupapier zur
Herstellung von Kopien der Telegramme bei ihrer Niederschrift und je eine
bedruckte Celluloidplatte enthält; diese Platte zeigt das Beobachtungsgebiet
mit seinen Eingradquadratfeldern, in welche die der Morgenbeobachtung enf-
sprechenden Chiffren PPP eingedruckt sind, und ist so eingerichtet, daß sie auf
die von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Monatskarten für den Nordatlan-
tischen. Ozean aufgelegt werden soll, um alsbald die Chiffre PPP für den Schiftsort
aus dem in die Karte eingetragenen Weg des Dampfers entnehmen zu lassen.
Yon den verschiedenen zZweckdienlichen Bestimmungen möge noch die-
jenige Erwähnung finden, daß die Blaudruckkopien tunlichet bald und auf
schnellstem Wege der Deutschen Seewarte zur Kontrolle der abgegebenen Funken-
telegramme zuzustellen sind,
Von seiten der Deutschen Seewarte haben dank dem sehr hoch zu ver-
anschlagenden Entgegenkommen der Schiffsgesellschaften Maßnahmen getroffen
werden können, die eine dauernde Kontrolle der Barometer an Bord der Beob-
schtungsdampfer während der Versuchszeit durch Ablesungen der Barometer zur
Zeit ihres Verweilens in Bremerhaven und auf der Elbe ermöglichen, so daß auch
nach dieser Kichtung hin eine zuverlässige Beurteilung des Nutzens der Wetter-
Funkentelegramme gewährleistet erscheint,
Über das Ergebnis des Versuchs soll später auch an dieser Stelle berichtet
werden, Die bereits für einen über 20 jährigen Zeitraum von dem Dänischen
Meteorologischen Institut und der Deutschen Seewarte herausgegebenen »Täglichen
Syuoptischen Wetterkarten für den Nordatlantisehen Ozean und die anliegenden
Kontinente«, die zehn Jahrgänge der »Vierteljahrs-Wetter-Rundschau« und die
als Beilage zu dem »Täglichen Weiterbericht« der Deutschen Seewarte heraus-
gegebenen «Internationalen Dekadenberichte« u. a enthalten ein reichhaltiges
Material für die Beurteilung der meteorologischen Vorgänge zuf dem durch die
Funkentelegramme zu erweiternden Gebiete des täglichen europäischen Wetter-
dienstes, Möge dann das Ergebnis des Versuches in dem erhofften Sinne zu dem
Nachweis einer Förderung unserer Wettervorhersage durch Wetter-Funken-
telegramme vom Ozean führen oder aber zu erkennen geben, daß bis zu einem
solchen Zeitpunkt insbesondere auch technische Schwierigkeiten in erheblichem
Grade noch zu überwinden sein werden — in jedem Falle ist es von großer
Wichtigkeit für den Gesamterfolg umd darum mit großer Freude zu begrüßen,
daß sich England zu einem gemeinschaftlichen Versuch mit Deutschland bereit.
gefunden hat, und daß die Geldmittel für diesen Zweck zur Verfügung gestellt
worden sind; einen nicht geringeren Dank aber schulden wir jenen Schiffs-
gesellschaften, die sich. ausnahmslos zur Übernahme der in erster Linie erforder-
lichen Beobachtungen bereit erklärt haben,
Die Deutsche Seawartie
Wind- und Sfromverhältnisse auf der Fahrt S. M. S. „Planet“ von Sydney
über Brisbane nach Simpsonhafen und im St. Georgs-Kanal (Bismarck-
Archipel) im Juni und September 1908.
Nach dem Bericht des Kommandes SMS. »Planete, Kommandant Kaptlt. Nippe.
a) Reise Sydney — Brisbane, Der Wind war am 16, 17. und 18, Juni 1908
Östlich, zwischen NO und Ost, wehte durchschnittlich mit Stärke 4, drehte am
19, Juni links über Nord bis SW, am 20, Juni wieder zurück über West bis NW
und blieb dann NW-HKch. Am Nachmittag des 19, Juni frischte der Wind bis
Stärke 7 auf, um damn wieder im Laufe des 20, Juni auf Stärke 2=3 abzuflauen,
Der beobachtete Strom war den Stromkarten und Segelanweisungen ent-
sprechend. Bemerkenswert war, daß der Nord. Küstenstrom außerhalb der