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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Kohlschütter, E.: Beobachtungen von Sternen bei Tage. 
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gehende Prüfung des Vorstehenden wird zeigen, welch gute Positionen aus 
Tagesbeobachtungen der Venus gewonnen werden können, 
Um noch weiterhin die Möglichkeit der Benutzung von Venus bei Tage zu 
illustrieren, sei nur folgendes angeführt: 
Am 23, Juni 1906, als ich beim Verlassen des La Plata einige Zeit außer- 
halb des Hafens auf die Schiffspapiere zu warten hatte, wurde beschlossen das 
Schiff zu schwojen, um die Deviation zu bestimmen, anstatt zu Aankern, Eine 
dieke Wolkenbank am westlichen Horizont verdunkelte die Sonne gerade in dem 
Augenblick, als das Schiff in eine Position kam, wo es geschwojt werden konnte, 
Dagegen war Venus zu der Zeit am westlichen Himmel in einem Stunden- 
winkel von ungefähr drei Stunden sichtbar, so daß sie während des ganzen 
Schwojens ausschließlich benutzt werden konnte und dies eine volle halbe Stunde 
vor Sonnenuntergang, Die Beobachtungen wurden mit Lord Kelyins Peilvor- 
richtung gemacht und ergaben sehr zufriedenstellende Resultate, In der Tat 
bot der Planet ein sehr viel besseres Objekt zur genauen Ablesung seiner Kompaß- 
peilung dar, als es die Sonne je tun kann, Die Peilung hätte mit Leichtigkeit 
bis auf ein Viertel Grad oder noch genauer abgelesen werden können, wenn je- 
mand nach einer solchen (Jenauigkeit gestrebt hätte, 
Das Vorhergehende beweist meines Erachtens die Tatsache, daß Beob- 
achtungen der Venus bei Tageslicht sehr wohl in das Bereich der praktischen 
Navigation gehören, 
Wenn man bedenkt, daß man kaum jemals in der Lage ist, allein aus 
Sonnenbeobachtungen eine von Stromversetzung und anderen Fehlern freie Po- 
sition abzuleiten, sa wird die Nützlichkeit von Venus und Jupiter sofort ein- 
leuchten, 
Während einer Reise von Kap San Roque nach Barbados gelang es dem 
Verfasser in einem Strom, der nach Richtung und Stärke beständig wechselte, 
durch die Benutzung von Venus und Jupiter in Verbindung mit der Sonne 
während einer Reihe von Tagen täglich vier absolut richtige Positionen bei 
aellem Tageslicht zu erlangen, und zwar in folgender Weise: Etwa um 9b V, 
Länge aus der Sonne, Breite aus der Venus; etwa 10b 30h V_ Breite und Länge 
aus der Venus im Südwesten, der Sonne im Südosten und Berechnung der 
Beobachtungen nach Johnsons »double chronometer«-Methode; Mittags Breite 
aus der Sonne, Länge aus der Venus im Westen und ungefähr um 4b N, Breite 
aus Jupiter, Länge aus der Sonne, An diesen Tagen wäre die allein aus der 
Sonne abgeleitete Mittagslänge beträchtlich fehlerhaft gewesen, 
Zum Schluß möchte ich noch hinzufügen, daß auch Jupiter als ein bei 
Tage beobachtbares Objekt Beachtung verdient, wenn er auch nicht so leicht zu 
sehen ist, wie Venus. Er wird indessen die Geduld und die Übung, die zu seiner 
srfolgreichen Beobachtung erforderlich sind, durch zuverlässige Bestecke belohnen«, 
Die vorstehenden Bemerkungen des Herrn Kapitän Thomas verdienen 
meiner Meinung nach volle Beachtung, Denn wenn es richtig ist, daß die Beob- 
ıchtung von Venus und Jupiter bei Tage so leicht ist, wie er es hinstellt, dann 
wäre in vielen Fällen damit ein Mittel gegeben, den Schiffsort a@uch am Tage 
anabhängig von der Versegelung und den Stromversetzungen durch gleichzeitige 
Beobachtungen zu bestimmen. Man würde dadurch die Vorteile der Nacht- 
beobachtungen (zwei sich kreuzende gleichzeitige Standlinien) gewinnen, olme ihre 
Nachteile (Unsicherheit wegen undeutlicher Kimm) in Kauf nehmen zu müssen. 
Deshalb würde ich es für sehr erwünscht halten, daß auch deutsche Seeleute 
ainmal den Versuch machten, Venus und Jupiter am Tage zu beobachten. Gerade 
der Monat Dezember dieses Jahres (und für die Venus atıch noch der Januar 
des nächsten) bietet dazu gute Gelegenheit, indem Jupiter vier bis sechs Stunden 
westlich der Sonne steht und daher in den Vormittagsstunden sichtbar ist, 
während sich Venus drei Stunden östlich der Sonne befindet und somit von Vor- 
mittag bis zum Abend beobachtet werden kann. 
Leider hat Herr Kapitän Thomas nicht angegeben, wie er diese Gestirne 
am Tageshimmel auffindet, Ich vermute, daß er mit dem gegißten Besteck Höhe 
and Azimu£ vorausberechnet und dann entweder mit einem Fernrohr oder auch
	        
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