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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

564 Annalen der Hydrographie and Maritimen Meteorologie, Dezember 1909. 
Der Verfasser hat Tag für Tag während ganzer Reisen Venus zur Längen- 
bestimmung beobachtet, während gleichzeitig die Sonne zur Breitenbestimmung 
beobachtet wurde; und ebenso ist es einigen der unter ihm dienenden Ölffiziere 
nach geduldiger, aber nur kurzer Übung gelungen, 
Die folgenden Einzelheiten aus meinem Beobachtungs-Tagebuch werden, 
so hoffe ich, beweisen, daß Venus-Beobachtungen in hellem Tageslicht sowohl ver- 
hältnismäßig leicht als auch von großem Wert und Nutzen für die praktische 
Navigation sind. Zuror mag aber noch jedem an der Sache interessierten Leser, 
der keine Erfahrungen in dieser Art von Beobachtungen besitzt, bestimmt ver- 
sichert werden, daß sie weder ungewöhnliche Geschicklichkeit und Gewiegtheit 
verlangen, noch kostspielige Instrumente, noch außergewöhnlich günstige atıno- 
sphärische Bedingungen, Geduld, normales Sehen, und ein Sextant durehschnitt- 
licher Güte sind. die Haupterfordernisse, um Venus erfolgreich bei Tage zu be- 
obachten. 
Auf der Reise von New York nach Brasilien konnten Mittagsbeobschtungen 
der Yenus zur Bestimmung der Länge gleichzeitig mit Sonnenbeobachtungen zur 
Breitenbestimmung an 14 Tagen zwischen dem 21, September und dem 8, Okto- 
ber 1906 genommen werden. Bei einer anderen Gelegenheit gelangen derartige 
Beobachtungen auf einer Reise von Rio nach New York an 16 Tagen zwischen 
dem 8 und 26. Febrnar 1907 ; 
Während derselben Reise wurden an sieben aufeinanderfolgenden Tagen 
(19, bis 25, Februar 1907) gleichzeitige Beobachtungen von Venus im SW und 
der Sonne im SO (etwa 10% 30° V.) gemacht und nach Johnsons »double chrono- 
neter«- Methode berechnet, Diese Beobachtungen ergaben nach gehöriger Be- 
rücksichtigung der Versegelung beim Vergleich mit anderen Positionen (&. um 
90 V, Länge aus der Sonne, Breite aus der Venus, b, mittags Breite aus der Sonne, 
Länge aus der Venus) eine solche Übereinstimmung, daß sie direkt als Schul 
beispiele bezeichnet werden können. 
Ferner wurden in Pernambuco, innerhalb des Riffs, Beobachtungen der 
Venus im Osten am 4, 5. und 6. Oktober 1906 ungefähr um 11% 50 V. (zur 
Bestimmung des Chronometer-Standes) gemacht, während die Sonne Iast genau 
im Zenit stand, Die Resultate waren vorzüglich und in bezug auf Gleichförmig- 
keit sogar denen, die an denselben Tagen aus Sonnenbeobachtungen abgeleitet 
waren, überlegen, während die Mittelwerte der beiden Reihen einander gleich waren. 
Bei einer anderen Gelegenheit, als ich in Barbados kohlte, konnte die 
Sonne nicht beobachtet werden, weil das Östliche Ufer der Carlisle Bay den 
Horizont verdeckte, und da ich den Chronometer-Stand und -Gang kontrollieren 
wollte, war allein Venus imstande, mir aus der Klemme zu helfen. Die von ihr 
um 1% nachmittags im Westen genonunenen Höhen gaben bildschöne Kesultate 
in bezug auf Gleichförmigkeit usw. 
Um zu neueren Daten zu kommen, wurde Venus während unserer Reise 
längs der brasilianischen Küste fast täglich zur Breitenbestimmung beobachtet 
bis zu unserer Änkunft in Montevideo am 10, Februar, als sie um 226 589%" mitt-« 
lerer Ortszeit oder nur 1b 16% von der Sonne entfernt kulminierte. Tatsache 
ist. es, daß der Verfasser den Planeten zur Breitenbestimmung sogar beobachtet 
hat, als er nur 517 Abstand von der Sonne hatte 
Mittagsbeobachtungen der Venus zur Länge gelangen während unserer 
jüngsten Reise an den meisten Tagen ebenso gut, wie die Breitenbestimmungen, 
von. denen soeben die Rede war. 
Die letzte Längenbestimmung, zu der sie Gelegenheit bot, wurde unter 
folgenden Umständen ausgeführt: Am 4. Februar 1909 wurde Venus 10% 30mik V, 
nahezu im Osten beobachtet, als sie einen Stundenwinkel von nur 0& 7@ip 10% 
hätte, während ihre wahre Höhe 87° 21’ betrug, Die Sonne wurde ebenfalls zur 
selben Zeit beobachtet, ihre wahre Höhe war 68° 31’, ihr Azimut N84°0, Sieben 
Minuten später wurde Venus wiederum beobachtet und zwar im Meridian zur 
Breitenbestimmung. Mit der erhaltenen (verbesserten) Breite wurden. die Beob- 
achtungen. der Sonne und der Vemus berechnet; die Ergebnisse beider Beob- 
achtungen waren identisch, nämlich Breite 19“ 28° 5. Länge 38° 18’ W. Eine ein-
	        
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