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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1917.
gewählten Beispiele sind beliebig herausgegriffene Fälle, die Zahl der Kombinationen
für kleine und große Abweichungen bei einem Fehler von 10° ist damit nicht erschöpft.
Es sei hierbei erwähnt, daß ich zur gleichen Zeit, wie Nansen oben bei Spitz-
bergen seine Messungen machte, nach der gleichen Methode. während der Trift der
„Deutschland“ in der Weddell-See gearbeitet habe, ohne allerdings die Vorarbeiten
Nansens im Gedächtnis zu haben. Meine Arbeit war aber dadurch erschwert, daß
ich nur einen Strommesser zur Verfügung hatte; ich half mir damit, daß ich eine
Strommessung zwischen zwei Bestimmungen der Trift zwischenschaltete. Auch
bei meinen Messungen in der Weddell-See hat sich die Methode gut bewährt.
Nansen hat noch nach einer anderen Methode Bestimmungen der Ober-
flächentrift ausgeführt, die als Kontroll-Methode dienen kann, aber in praxi weniger
Anspruch auf Genauigkeit erheben kann. Bei dieser Methode wurde ein Lot mög-
lichst schnell in die Tiefe gelassen, der Lotdraht wurde nach Erreichen des Grundes
möglichst straff gehalten — ohne jedoch Gefahr zu laufen, das Lot längs des Bodens
zu schleifen — und sodann soviel Draht nachgesteckt, wie die Bewegung des Schiffs
notwendig machte. Die Zahl der ausgegebenen Meter während 10 Minuten wurde
notiert, ebenso die Richtung, nach der der Draht ausstand, um so Richtung und
Geschwindigkeit der Trift zu ermitteln. Aber infolge des Gewichts des Lotdrahts
hängt dieser in einer Kurve, die um so größer wird, je größer der Drahtwinkel wird,
so daß zu viel Draht ausgegeben werden muß und die Werte für die Trift zu groß
erhalten werden. Noch eine Reihe anderer Übelstände ergaben sich, so daß die
Methode nur als Kontroll-Methode für die Beobachtungen mit zwei Strommessern
gebraucht werden kann. Als solche gebraucht bestätigte sie in einigen Fällen die
Beobachtungen mittels der anderen Methode, gab aber auch einmal, als die Beob-
achtungen mit zwei Strommessern in allen Schichten keinen Strom anzeigten, Auf-
schluß, daß die gesamte Wassermasse von der Oberfläche -bis zum Boden gleich-
förmig sich in einer bestimmten Richtung fortbewegt hatte, was mittels der andern
Methode nicht zu erkennen gewesen war.
Die Ergebnisse der Strommessungen. Zur Ausführung der Strommessungen
wurde die ‚,Veslemöy‘“ im Treibeis nördlich von Spitzbergen an der größten Kis-
scholle, die gefunden werden konnte, festgelegt. Die erste Reihe von Messungen
wurde auf Station 19 in der Zeit vom 4.—6. August (Tiefe 626 m — 572 m), die
zweite Reihe auf Station 41 am 18. und 19. August (Tiefe 540 m — 340 m) gewonnen,
beide Stationen liegen in etwa 80!/;° N-Br. und 11—12° O-Lg. Am zahlreichsten
sind die Messungen auf Station 41, so daß ihre Ergebnisse auch die ausführlichste
Erörterung finden. Die Beobachtungen werden auf verschiedene Art graphisch
wiedergegeben. Die Darstellung der zeitlichen Veränderung der Bewegungen in
Richtung und Geschwindigkeit (Zeit als Abszisse, Richtung und Geschwindigkeit
als Ordinate) zeigt .eine Periode von etwa 12 Stunden für die Beobachtungen in
20m, 50m, 100m und in der Bodenschicht.. Die Geschwindigkeiten wechseln
zwischen über 40 cm/sek. und 0 cm/sek., die Richtungen drehen nach rechts, im
allgemeinen um 360°, Die Periode von etwa 12 Stunden ist wahrscheinlich verur-
sacht durch die Gezeitenwelle vom Atlantischen Ozean, hinzu tritt eine lokale Gezeit
vom Polarbecken; ferner sind Störungen in der Periodizität durch Wirbelbewegungen
in den einzelnen Schichten und durch interne Wellen zu erwarten.
Bei der Darstellung der relativen Bewegungen, die sowohl in zentralen
wie auch in progressiven Vektordiagrammen wiedergegeben werden, ergibt sich
aus letzteren konstruktiv die Richtung und Distanz der wirklichen Bewegung
der Schichten vom Anfangspunkt bis zu einem beliebig gewählten Endpunkt. So
erhält Nansen für die Zeit vom 18. August 2b Vm bis zum 19. August mittags folgende
Mittelwerte für die einzelnen Schichten:
0m 12.7 cm/sek. nach S 66° W °
20m 77.8 cm/sek. nach N 6° W | % Han TOChES
50m 3.6 cm/sek. nach N55°O0 0
100m 3.4 em/sek. nach N38°O0 } X 17° links.
Bemerkenswert ist vor allem die schnelle Abnahme der Stromgeschwindig-
keit mit der Tiefe, so daß die Geschwindigkeit schon in 50 m weniger als 1/, der
Oberflächengeschwindigkeit beträgt, und der große Winkelunterschied zwischen