558 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1909,
Annahmen, daß die Gezeit nur in den Tiefen eine Rolle spielt, daß die Grenz-
schichten (in der Mitte) »zusammengepreßt« werden und. daß die darüberliegende
Wassermasse des sogenannten baltischen Stromes »durch ihre Schwere ab-
schwächend auf die eigentliche Flutbewegung« wirke und daher der an der
Oberfläche wahrzunehmende Niveauunterschied »nur eine vom Unterstrom dem
Oberstrom mitgeteilte sekundäre Bewegung« sel,
Lotungen an der Küste von Brasilien zwischen Kap Blanco und Kap Frio
und bei der Insel Fernando Noronha. 1902 bis 1908.
Aysgeführt und bearbeitet von Kapt. A. Simonsen,
als Führer von. Dampfern der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft,
(Hierzu Tafeln 40, 41 und 42,}
Die Lotungen sind mit der Thompsonschen Lotmaschine und bei lang-
samer Fahrt mit dem Handiot unter Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln zur
Erreichung eines möglichst einwandfreien Ergebnisses gemacht worden. Wenn
die Lotungen eine von den Kartenangaben stark abweichende Tiefe ergaben,
sind sie häufig wiederholt worden; ebenso wurden vielfach zwei Lotröhren gleich-
zeitig verwendet, Die geographische Lage des Lotungsortes wurde stets mit
allen verfügbaren Mitteln und unter Berücksichtigung der beobachteten Strömung
gewissenhaft festgestellt.
Von den 625 aufgeführten Lotungen ergaben etwa 240 (d. ji. 38.5°%,) eine
Tiefe, die um 10%, oder mehr von der in der Karte (brit. Adm.-Karten 529,
530 und 388) angegebenen abweicht, wobei Unterschiede von 3 m oder weniger
nicht berücksichtig sind. In 103 Fällen (etwa 16,5%) enthält die Karte keine
Tiefenangabe für den Lotungsort, Man kann also sagen, daß die Karten in etwa
55%, aller Fälle ein unrichtiges Bild der Tiefenverhältnisse geben,
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen Lotung und Tiefen-
angabe der Karte in einem Gebiet zwischen Espiritu Santo und Kap St, Thom,
20° bis 22° S-Br. und 39,8° bis 40.5° W-Lg. (Auf Tafel 41 schraffiert.) Hier sind
durchweg erheblich größere Tiefen gefunden, so daß man fast an eine Senkung des
Meeresbodens glauben könnte. Auch querab von Rio Doce wurden wesentlich
größere Tiefen festgestellt.
Der Verlauf der 100 Faden- (183 m-) Grenze ist nach den vorliegenden
Lotungen zum Teil anders als in den brit, Adm.-Karten gezeichnet, während an
anderen Stellen die lückenhaften Angaben ergänzt werden,
Die mit »David Scott« (1810) bezeichnete flache Stelle von 35 m (19 Faden)
scheint nicht vorhanden zu sein, wie das Kärtchen auf Tafel 40 zeigt. (Das
Kärtchen ist schon früher veröffentlicht worden, »Ann, d. Hydr, usw.« 1903,
S, 514, und jetzt nur der Vollständigkeit halber wieder mitgegeben, Die 37 hierbei
zugrunde gelegten Lotungen sind in den beifolgenden Listen nicht noch einmal
aufgeführt.)
Für die Ostseite von Fernando Noronha, Lotungen Nr. 28 bis 72, gibt die
brit. Adm,.-Karte Nr. 388, gar keine Tiefenangaben.
Die den brit. Adm.-Karten zugrunde liegenden Aufnahmen sind schon vor
ungefähr 50 Jahren und noch früher gemacht worden und darf daher eine gründ-
liche Neubearbeitung wohl als sehr wünschenswert bezeichnet werden. Die auf.
strebende Kriegsmarine Brasiliens könnte hier ein fruchtbares Feld für ihre
Friedenstätigkeit finden.
Die Tafeln 40 und 41 sind im Maßstabe der brit. Adm.-Karte Nr. 529,
bzw. Nr, 530 gezeichnet,
Wo notwendig, sind die Lotungen auf Niedrigwasser reduziert.