Mecking, L.: Petterssons Stromstudien an der Pforte der Ostsee, 555
Wasserstandes der Östsee, Auch das ließe sich nur mit der atlantischen An-
schwellungsperiode in Einklang bringen.
Auf dieselbe führt er dann auch die oben erwähnten einzelnen Kreisströme
und somit die ganze Zirkulation zurück.
Den Schlüssel hierzu gab ihm eine Stromuntersuchung, die er am 283. Juli
1907 im Großen Belt ausgeführt hat, und zwar am Nordausgang der tiefen, den
Belt durchziehenden Rinne in ungefähr 56° N-Br., 11° O-Le. Die Wassertiefe betrug
837 m. Hier hat das Schiff während 24 Stunden Strommessungen sowie vier
hydrographische Serienmessungen, die je 8 Stunden auseinanderlagen, YOr-
genommen. Ein Vergleich derselben läßt nun erkennen, daß zur Zeit der dritten
Lotung am Boden (35 m) eine ganz andere Wasserart lag als während der
übrigen Zeitz der Salzgehalt war von 32 auf 31.74 %,g4 gesunken und die Tempe-
ratur von 6.9 auf 7.21° gestiegen, mit andern Worten: der Keil salzigeren und
kälteren Nordseewassers, der hier am Boden ausläuft, hatte sich zur Zeit der
dritten Messung zurückgezogen, Eine gleichsinnige Veränderung war in den
darüber liegenden Schichten von 30, 25 und 20 m erkennbar, Da der Wechsel
sieh zwischen zwei Messungsterminen, die ungefähr 1/, Tag voneinanderlagen,
vollzog, so deutet er auf einen Zusammenhang der Erscheinung mit Ebbe
und Flut.
Pettersson stellt nun die Frage: »Befördern Ebbe und Flut die Bewegung
des Öber- oder Unterstroms? Oder wirken sie im selben Grade auf beide ein?«
Er setzt dabei. die Grenze beider Ströme in der Tiefe von 15 m an und vergleicht
deshalb die Erscheinungen in 10 und 20 m Tiefe; und als Anhalt für den zeit-
Kehen Verlauf der Flutwelle im Kattegat und Sund benutzt er die Hafenzeiten
der umliegenden Küstenorte, Der Vergleich zeigt dann in der Tat, daß bei stei-
gender Tide der südwärts!} gerichtete Unterstrom seine größte, der entgegen-
gesetzte Oberstrom seine geringste Stärke hat, und daß bei fallender Tide das
umgekehrte Verhältnis eintritt. Dabei kann der Unterstrom seine Richtung völlig
umkehren. (und tut es meist), während der ÖOberstrom (stets) auswärts gerichtet
bleibt und nur in seiner Geschwindigkeit periodisch schwankt,
Der Vorgang bringt besonders große Veränderungen für die zwischen Ober-
und Unterstrom befindliche Zwischenschicht mit sich, die Pettersson durch die
Kchalinen von 80 und 260/. begrenzt. Diese Änderungen der Zwischenschicht,
die sich auf Lage und Dicke beziehen, stellt er in Parallele mit denjenigen, welche
Nansen im Polarmeer an der Grenzschicht zwischen dem atlantischen und dem
aufliegenden Polarwasser und ähnlich Helland-Hansen im Nordmeer gefunden
habe. Der Erklärung beider Autoren, daß diese Erscheinungen auf unterseei-
schen Wellenbewegungen beruhen, stimmt Pettersson zu, Seine weitere Annahme
aber, daß diese wiederum »in erster Linie von Flut und Ebbe hervorgerufen
sein dürften«, will mir weniger gerechtfertigt erscheinen, Selbst im vorliegenden
Falle (des Beltes) erscheint mir das unabhängig von Gezeiten vorhandene Strom-
system für sich allein hinreichend zur Erzeugung der sogenannten »Hlelmholtz-
schen Wogen«} nur mögen sie durch die binzutretenden Gezeitenbewegungen
modifiziert und kompliziert werden,
Yon dieser zwischen Ober- und Unterstrom liegenden Grenzschicht nun
werden die unteren Teile durch den anschwellenden Flutstrom mitgerissen und
über die Machen Schwellen südlich des Kattegat in die südlichen Teile der Meer-
enge befördert, während eine entsprechende Menge der oberen Teile dieses »Misch-
wassers« mit dem Oberstrom hinausgetrieben wird, »Mit dem unteren Keil werden
der Ostsee. Wasserpartikel zugeführt, von denen viele, mit anderem Wasser ver-
mischt. mit dem oberen. Keil wieder hinausgeführt werden,«
Auf diese Weise nun erklärt sich Pettersson auch alle die (oben erwähnten)
Zirkelströmungen in der Ostsee, »In den Grenzschichten des Großen Belt kann
man den Mechanismus dieser Zirkulation verfolgen und seine Treibkraft erkennen.
4 Wichtig ist zu beachten, daß Pettersson, unsern. Brauch entgegen, die Strömungen dürch-
wer nach der Richtung bezeichnet, aus der sie. kommen.