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Annalen der Hydrographie und Markimen Meteorologie, Desember 190%
Petterssons Stromstudien an der Pforte der Ostsee.
Yon Dr. Ladwig Mecking in Göttingen,
Der in schwedischer Sprache verfaßten Abhandlung!) ist ein gleich aus-
führlicher deutscher Text angehängt. Der durch seine vielfältigen hydrographi-
schen Forschungen bekannte Verfasser beschreibt darin zunächst ein (auch aD-
gebildetes) von ihm koönstrulertes »Universalinstrument«, welches Temperatur,
Salz- und Gasgehalt des Wassers sowie die Strömung nach Richtung und Stärke
zu messen gestattet und zugleich Plankton aufholt, und er geht dann noch kurz
auf die Technik der Strommessung; die Handhabung der Instrumente und Ge-
nauigkeit ihrer Resultate ein,
Den Hauptgegenstand der Darstellung aber bildet die Wasserzirkulation
der Ostsee, insbesondere im Großen Belt,
Aus einer Messung F, L., Ekmans vom Jahre 1877 war bereits bekannt,
daß im Großen Belt salziges Nordseewasser und weniger salziges Östseewasser in
zwei keilförmigen Schichten übereinander liegen, Hierin sah man hisher mit
Ekman ein System von Reasktionsströmungen, dessen treibende Kraft also
letzten Endes in dem. höheren Niveau oder dem Überdruck des Ostscewassers zu
suchen wäre, Gegen diese auch von 0. Krümmel in der Neuauflage des Hand-
buchs der Ozeanographie vertretene Auffassung macht nun Fetterssoh von vorn
herein Front, Daß eine kontinuierliche Strömung dieser Art nicht existiere,
hat, wie Pettersson anführt, schon Cronander bestimmt ausgesprochen. Und
daß das Oberflächenwasser an verschiedenen getrennten Stellen der Östsee
in die Tiefe geführt wird, hat Petiersson selbst erkannt, und zwar. daran, daß
das Tiefenwasser der inneren nördlichen Becken einen weit besseren Luftwechsel
aufwies als das der südlicheren Mulden, Er nimmt danach eine Reihe von ein-
zelnen Wirbeln und Kreisströmungen an, die in der südlichen Ostsee länger ge-
zogene Bahnen haben als in den nördlichen Teilen, Diese Zerlegung der die
ganze Ostsee beherrschenden keilförmigen Sehichtung in getrennte Vertikalzirkel
ist neu, während die keilförmige Lagerung (die nach ihrem Salzgehalt verschie-
denen Schichten keilen an der Wasseroberfläche aus und zwar in der Richtung
auf die Ausgänge der Ostsee) von Krümmel bereits als »normales Bild für
Beltsee und Ostsee« beschrieben ist,
Daß die Zufuhr von Fluß- und Regenwasser innerhalb der Östsee einen
Überdruck erzeuge, räumt Pettersson ein. Daß aber die hiermit verbundene
Öberflächenbewegung auf die tieferen Schichten zurückwirke und so die »Treib-
kraft jener ganzen Zirkulation« abgebe, bestreitet er; statt dessen nimmt er an,
‚daß die Niveauveränderungen und die ganze Wasserzirkulation der Ostsee nicht
von innen, das heißt nicht von der Ostsee selbst, sondern von außen her bestimmt
sei«, Als ersten direkten Grund hierfür gibt er an, daß das Niveau und die
Abflußstärke des Ostseewassers nicht in derjenigen Jahreszeit ihr Maximum er-
reicht, wo die Flüsse ihre größte Wassermenge führen (Frühjahr und Frühsommer),
sondern im Herbst, wo die atlantische Wassermasse an der ganzen europäischen
Küste des Atlantischen Ozeans anschwilltk Auch erweise sich die Fortpflanzungs-
geschwindigkeit dieser großen periodischen Variationen als sehr groß, so daß z. B,
der Wasserspiegel bei Varberg, in Karlskröna und beim Feuerschiff »Store Björtie
sich fast gleichzeitig hebe und senke, Ferner habe der OÖberflächenstrom im
Sund seine größte Geschwindigkeit im Frühjahr, also zur Zeit gerade des tiefsten
3 0. Pettersson, Steömstudier vid. Östersöns Porter, Göteborg 1908. (Svenska Hydrografisk
Biologieka. Kommissionens Skrifter H. III. Dieses Heit. enthält außer der besprochenen Abhandlung
rom Pettersson die Berichte der Kommission für die Jahre 1905—1906, 1906— 1907, 1907-1908
und Abhandlungen über Fischerei uud Entwicklung der Fische. Die Auslieferung dieses Werkes kt
der Firma Julius Springer, Berlin, übertragen. Preis von Heft III 12... D. Red)