accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

538 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900, 
größten Teil werden die Mittelwerte überschritten, Zwischen 35° und 120° dauern 
die SW-Stürme länger als alle anderen; in der Mitte des Ozeans erreichen sie 
44%. Die SO-Kurve zeigt außer den beiden Maxima der Durchschnittskurve noch 
eines im Süden von Australien, das schon an früherer Stelle erwähnt wurde; 
unter 43° Breite steigt sie bis zu 47% an. Die NO-Stürme bleiben fast überall 
unter dem Durchschnitt; ihren höchsten Wert erreichen sie zwischen 50° und 60°, 
also in der Gegend, wo die auslaufenden tropischen ÖOrkane, die in der Regel 
aus NO beginnen, die hohe Breite von 43° 3 erreichen, 
Die Winddrehung in den Stürmen. (Tafel 39%, Karte 2.} 
Die Winddrehung in den Stürmen mußte nach zwei Seiten hin untersucht 
werden, einmal nach dem Sinn der Drehung, zweitens nach ihrem zahlenmäßigen 
Beitrag. Da wir uns auf der südlichen Halbkugel bewegen, so ist das Links- 
drehen. des Windes das gesetzmäßige und soll daher mit »Ausschießen« bezeichnet 
werden, während »Krimpen« ein Rechtsdrehen des Windes bedeutet!) Als Ein- 
heit für den Drehungsbetrag wird ein Kompaßstrieh (11° 15} zugrunde gelegt, 
Ein Sturm, der aus NW beginnt und mit SSW aufhört, hat demnach. eine Drehung 
ron 10 Strich Knks herum, er schießt 10 Strich aus, 
Beide Eigenschaften, der Sinn und der Drehungswinkel, ermöglichen &s 
dem Seemann, die Bewegungsrichtung des Minimums, das den Sturm hervor- 
gerufen. hat, zu. bestimmen, 
Bei der Berechnung des durchsechnittlichen. Drehungsbetrages, die karto- 
graphisch dargestellt ist (Tafel 39, Karte 2) wurde außer acht gelassen, ob die 
Drehung links oder rechts herum sieh ereignete, vielmehr wurde nur der absolute 
Betrag im Durchschnitt aller Stürme berechnet, und Orte gleicher Drehung 
wurden durch Kurven verbunden, Die Anordnung dieser Kurven zeigt im 
allgemeinen eine Zunahme der Drehung‘ mit der Breite und nach der Mitte des 
Ozeans hin. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden die östlichen Gebiete des 
Meeres, Überschreitet man zwischen 80° und 120° O-Lg. den 46., oder zwischen 
120% und 150° den 483. Breitenkreis polwärts, so kommt man in Gebiete, in denen 
die Drehung mit zunehmender Breite wieder abnimmt. Bewegt man sich in den 
südaustralischen Gewässern vom Meridian von Freemantle nach Östen, so erfährt 
die durchschnittliche Drehung, die von der Mitte des Ozeans än im Abnehmen 
begriffen war, wieder eine Zunahme um zwei Strich, Die Stürme des oft ge- 
nannten Ausnahmegebietes zwischen Java und Australien drehen den Wind 
ebenfalls weiter herum als die der westlich angrenzenden Megresteile, Die 
größte Drehung, die im Mittel 6 Strich übersteigt, findet in einem Gebiet statt, 
das sich fingerartig derart von WSW nach ONO in den Ozean einschiebt, daß 
e8 die Prince Edward- und Crozet-Inseln im SW umfaßt und die Spitze des 
Fingers bis über die Inseln St, Paul und Neu-Amsterdam hinausschiekt. In den 
Tropen ist die Drehung verschwindend klein; die 1-Strich-Kurye verläuft mit 
nach Norden olfenem Bogen von Sansibar nach Sumatra. Daß die Kurven in 
der Mitte des Meeres zwischen 20° und 80° S-Br. dem Äquator bedeutend näher 
gerückt sind als in der Nähe der Festländer, ist der Eigenart der tropischen 
ÖOrkane zuzuschreiben; da sie den Wind häufig um 12 bis 16 Strich drehen, also 
die Windrichtung in den gegenüberliegenden Quadranten versetzen, so genügen 
schon wenige solcher Stürme, um den Mittelwert der Drehung, die bei den kleinen 
Passatstürmen überdies nur selten in die Erscheinung tritt, um mehrere Kin- 
heiten zu erhöhen, 
Die Größe der Drehung ist abhängig von der Anfangsrichtung, aus welcher 
der Sturm weht. Wenn man die Gesamtheit der Stürme wieder in die vier 
Windquadranten zerlegt, so ist das Ergebnis, daß die NO-Stürme in der Regel 
den größten Drehungswinkel aufweisen, der besonders in den höheren Breiten 
5 Die Worte »Ausschießen« und. »Krimpen« haben in der Seemannssprache eine Ongere 
Bedeutung als ihnen hier beigemessen wird. Ta dieser Bearbeitung soll jedock mit Kaipping 
‚Atlas vom Ätlantischen Ozean, 5. 6) jede gesetzmäßige Drehung mit »Ausschießen« und jedes Cegen- 
drehen mit »Krimpen« bezeichnet werden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.