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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

538 Annalen der Hydrographie und Maritimen. Meteorologie, Dezember 1909, 
reicht außerdem der mittlere Teil des Ozeans, in 85° O.Leg. bis zu einer Breite 
ron. 35° 
Daß auch im Indischen Ozean Stürme von größerer Dauer häufig vor 
kommen, jst selbstverständlich; nur ist ihre verhältnismäßig geringe Zahl nicht 
imstande, die Durchschnittswerte zu erhöhen. In den höheren Breiten sind 
Stürme von 60 bis 80 Stunden Dauer durchaus nicht selten, Unter den für die 
Tabellen verwendeten Beobachtungen finden sich 123, die eine Sturmdauer von 
mehr als 80 Stunden angeben; in 43 Fällen wird sogar die Zeit von 80 Stunden 
überschritten. Neunmal steht ein Segelschiff Jänger als fünf Tage unter dem 
Einfluß orkanartiger Winde; davon entfallen zwei Fälle in das Gebiet der 35h. 
Kurve südlich vom Kap; die anderen sieben. Stürme ereignen sich zwischen 40° 
und 45° S-Br., 70° und 110° O-Lg.; in dem letzten Gebiet wird sogar einmal eine 
Sturmdauer von 200 Stunden registriert; die stürmischen Winde haben in diesem 
Fall also länger als acht Tage mif einer Stärke von mindestens 8 Beaufort ge- 
weht. — Jedoch nur in den wenigsten Fällen unterbrechen die lange dauernden 
Weststürme die schnelle Fahrt der ausreisenden Segler; solange sie nicht gerade 
orkanartig wehen, erleichtern diese »braven Westwinde« die Segelschiffahrt in 
westöstlicher Richtung, und die Seeleute suchen die Gelegenheit gern auf, die 
130 Längengrade vom Kap nach Tasmanien mit den ostwärts ziehenden Zyklonen 
zusammen zurücklegen zu können, Weit gefährlicher sind die Weststürme für 
die heimfahrenden Segler, besonders vor dem Kap, Wollen die Steuerleute die 
Agulhasströmung" zur raschen Weiterfahrt ausnutzen, so kommen ihnen in der 
Regel die Stürme entgegen; das Schiff liegt dann nicht selten tagelang bei- 
gedreht, ohnmächtig gegenüber der furchtbaren Gewalt des Orkans, der sich 
nicht nur in der großen Windstärke, sondern auch in der gewaltig hohen See 
zeigt, denn. hier zieht die SW-Trift den SW-Stürmen entgegen, die dann enorme 
Sturzseen erzeugen, 
Es wurde schon erwähnt, daß die Werte der Sturmdauer nur eine relatire 
Bedeutung haben, da das beobachtende Schiff sich stets in Bewegung befindet, 
Ein Vergleich dieser berechneten Durchschnittswerte mit den Beobachtungen 
einer festen Station im Ozean soll zeigen, wie weit diese relativen Werte von 
der Dauer für einen festliegenden Ort abweiehen. — Die deutsche Südpolar- 
expedition hat in den Jahren 1902 und 1903 auf der Kerguelenstation!} 
(49° 25’ S-Br., 69° 538’ O-Lg.) im südlichen Indischen Ozean ständige Beobachtungen 
der Windstärke registriert, Nimmt man aus diesen Werten die schweren Stürme 
heraus, so ergibt sich aus ihnen eine durchschnittliche Sturmdauer, die bedeutend 
unter dem Mittel der Schiffsbeobachtungen liegt. In. dem angegebenen Zeit- 
Intervall wurden im ganzen sechs Stürme beobachtet, und zwar betrug die 
Durchschnittsdauer 18.2 Stunden, d. h. ungefähr die Hälfte der aus den Schiffs- 
beobachtungen berechneten Dauer dieser Gegend, die zwischen 36 und 37 Stunden 
liegt. Mag dieser große Gegensatz daher kommen, daß die Beobachtungen auf 
Kerguelen nur ein. Jahr umfassen, während die der Schiffe ein Mittel. aus 
18 Jahren sind, oder daher, daß von Kerguelen nur immer der stündliche 
Mittelwert der Windstärke zur Verfügung stand, und deshalb die Durchschnitts- 
sturmdauer in der Berechnung zu kurz ausfiel; jedenfalls steht fest, daß die 
wahre Sturmdauer, d.h. die eines festen Punktes, im Durchschnitt kleiner zu 
yeranschlagen ist als die durch Schiffsbeobachtungen ermittelte, die nur auf ge- 
schätzten Windstärkebeobachtungen sich aufbaut, und die besonders im süd- 
lichen Indischen Ozean viel zu groß erscheint, weil das Schliff mit der Zyklone 
läuft, Für den Seemann wird jedoch der Durchschnitt der Schiffsbeobachtungen 
allein maßgebend sein. . 
Die bisher betrachteten. Gesamtdurchschnittswerte der Dauer weichen er- 
heblich ab von den Mittelwerten, die sich ergeben, wenn man die Stürme nach 
ihren. Anfangsrichtungen unterscheidet. Vergleichen wir unter diesen Gesichts- 
| % Die Beobachtungen der deutschen Bon auf Kerguelen wurden mir in Lebens- 
würdiger Weise von Herm Prof, Dr. Meinardus in Münster zur Verfügung teilt, Das Material 
enthält die stündlichen Mittelwerte der von Mitte Februar 1902 bis Mitte Srecbruar 1908 mit einem 
Schalenkreuz-Anemoneter rezietrierten Winderschwindiekeit,
	        
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