330 Anaalen der Aydrographie und Maritimnen Meteorologie, Dezember 1909,
tabellarisch nach Ort und Zeit geordnet, Zu diesem Zweck wurde die Fläche
des Ozeans in 80 Felder zerlegt, die zwischen der Linie und 20° S-Br. eine
Flächenausdehnumg von je 10°, äquatorial wie meridional, südlich von 20° S-Br.
jedoch, wegen der mit zunehmender Breite sich rasch ändernden Sturmhäufigkeit,
eine meridionale Ausdehnung von 5° Breite besitzen, Indem nun einmal sämt-
liche Windstärkebeobachtungen, dann davon gesondert die Sturmbeobachtungen
— mit einer Windstärke von 8 Beaufort und darüber — in jedem Feld auf die
ihnen zukommenden Monatsrubriken abgezählt wurden, erhielt man für jedes
Gebiet in jedem Monat das Verhältnis der Sturmbeobachtungen zu den überhaupt
angestellten. Windbeohachtungen, Für jede Jahreszeit wurde dieses Verhältnis
prozentisch ausgedrückt und die Prozentzahl auf Mercatorkarten in die den
einzelnen Gebieten zukommenden. Beobachtungsschwerpunkte eingetragen; Orte
mit gleicher prozentischer Häufigkeit wurden durch Kurven miteinander verbunden.
Wie bei allen ozeanographisch-metcorolagischen Untersuchungen ist auch
bei der Berechnung der prozentischen Häufigkeit der Stürme die Bezugnahme
auf die Beobachtungsdichte ein nicht zu umgehender Faktor; denn je mehr An-
gaben von einem bestimmten Punkte oder Beobachtungsfielde vorliegen, mit um
50 größerer Wahrscheinlichkeit kann man für diese Stelle die prozentische
Häufigkeit angeben. Um deshalb auch in dieser Darstellung über die Sicherheit
der Kuryvenzeichnung einen Anbalt zu bekommen, wurden für die extremen
Jahreszeiten Dichtekarten entworfen, die die Verteilung der Windstärkebeob«
achtungen graphisch darstellen. Man erkennt aus der Lage der Kurven deutlich
die Hauptschiffswege der Segler, auf deren. Beobachtungen die Karten aufgebaut
wurden. (Tafel 39, Karte 3 und 4}
Die Untersuchung über die Häufigkeit der Stürme im Indischen Ozean
ergab gewisse Gesetzmäßigkeiten, die teilweise mit den analogen Verhältnissen
Im .Atlantischen Ozean übereinstimmen, Die Häufigkeit nimmt zu aller Jahres-
zeiten mit der geographischen Breite zu; sie ist im Osten meistens kleiner als
im Westen and in gemäßigten Breiten im Sommer geringer als im Winter, Da-
mit ist schon. angedeutet, daß sie im Verlauf der Jahreszeiten einer periodischen
Änderung unterworfen. ist,
Betrachten wir zunächst die winterlichen Verhältnisse,
Die Sturmhäufigkeit in den Monaten Juni bis August. (Tafel. 38, Karte 1,}
Der südhemisphärische Winter ist für den Indischen Ozean die eigentliche
Jahreszeit der Stürme. Zwar sind die tropischen Meeresteile im allgemeinen arın
an Sturmbeobachtungen; die wenigen Fälle, die hier auftreten, stellen sich ge-
wöhnlich in einer Verstärkung des SO-Passats dar; ihre Seltenheit drückt sich
in. dem gewundenen Lauf der 1°%/.-Kurre aus, die teilweise mit Beobachtungen
nur dünn besäte Gebiete durchzieht, Wenn aus diesen Gegenden zufällig einmal
Sturmangaben yorliegen, dann erhöhen sie das Prozentverhältnis schon bedeutend,
weil die Beobachtungsdichte nur gering ist, Immerhin ist das von der 1%,-Kurve
eingeschlossene Gebiet mit einer Häufigkeit von fast 3%, im nordöstlichen Teile
des Ozeans bemerkenswert, da es in allen Jahreszeiten in die Erscheinung tritt,
Südlich von 30° 8-Br.. wird der Verlauf der Kurven sehr viel regelmäßiger; die
Häufigkeit nimmt rasch mit der Breite zu, Auf dem 60° O-Lg. ist die Zunahme
am stärksten, indem auf 82° S-Br. nur 5%, unter 37° S-Br. schon 25%, aller
Schilfewachen mit stürmischen Winden ausgefüllt sind, Zwischen 80° und 90° O-Le,
erreicht die Häufigkeit ihren höchsten. Wert mit über 30°/,. Ganz charakteristisch
ist für die kalte Jahreszeit die Ausbildung zweier getrennter Häufigkeitsmaxima;
sie liegen beide in der Breite der Hauptsegelroute des südlichen Ozeans, ein
Umstand, der erklärt, daß kein Segler diese Strecke abläuft, ohne nicht unter
der Wirkung heftiger Stürme gelitten zu hkaben. Das Maximum südlich vom
Kap steht in Beziehung zu den bedeutenden Temperaturgegensätzen, die hier
dadurch hervorgerufen werden, daß die warme Agulhasströmung, die von Norden
her an der Südostküste Afrikas entlangfließt, mit der kalten Westwindtrilt zu-
sammientrifft, Die intensive Mischung des warmen und kalten Wassers verursacht
auf kurze Strecken im Wasser starke Temveraturdifferenzen, die sich naturgemäß