518 Annalen der Hydrographie und. Mazitunen Meteorologie, November 1909,
Störung stattgefunden hatte. Es wehle zur Zeit eine steife westliche Brise
Barometerstand 746 mm.«
Auf eine Anfrage, ob es völlig ausgeschlossen sei, daß die Kompaßablenkung
dureh Bordeinflüsse veranlaßt sein kann, hat Herr Jürgensen am 25. September
aus Rotterdam geschrieben:
»Es ist völlig ausgeschlossen, daß die zeitweilige Kompaßablenkung durch
andere Lagerung von Eisenteilen oder durch elektrische Leitungen veranlaßt
worden ist, da ich alles beobachtet habe, ob irgend etwas an. Bord die Ablenkung
verursachen konnte. .
Die genommenen Peilungen in Berechnung der Deviation sind von meinen
beiden Offizieren. nachgerechnet worden, damit sich kein Fehler einschleichen
konnte.«
6. Nordlicht auf dem Atlantischen Ozean am 25, September 1909,
Der 2. Offizier R, Warner, D. »President Lincoln« II-A.L., berichtet: »Am 25. Sep-
tember abends 7!/, Uhr beobachteten wir auf 44° 50° N-Br. und 51° 17’ W-Lg, bei
hellem Mondschein und sternklarem Himmel das Aufleuchten von starkem
Nordlicht.
Zuerst bildete sich ein schwacher, flacher Bogen, Scheitelpunktshöhe etwa
15% rw, NzW, etwa. 4 Strich nach jeder Seite abfallend, jedoch nicht ganz bis
zur Kimm reichend. Der Bogen wurde dann schnell schärfer; scharf begrenzte,
leicht divergierende Strahlen schossen aus verschiedenen Punkten desselben
vertikal und zentrifugal bis zu einer Höhe von eiwa 45°. Diese Erscheinung
währte etwa 8 Minuten und verschwand dann plötzlich,
Im Verlaufe der nächsten Stunde kam der Bogen in derselben Richtung,
Gestalt und Höhe noch dreimal schwach zum Vorschein, einmal auch einzelne
vertikale Strahlenbildungen am Westende des Bogens,
Um 10%, Uhr bildete sich noch zweimal ein einzelner, senkrecht etwa 40°
im NzW rw. hochyehender Strahl, darauf wurde nichts weiteres beobachtet.
7, Außergewöhnlich starkes Meerleuchten wurde von Herrn H, Leithner,
zweitem Offizier des deutschen D. »Ambria«, Kapt. E. Deinat, beobachtet und
in. dem folgenden Bericht der Seewarte übermittelt;
‚In der Nacht vom 11. zum 12. August 1909 zwischen 3 und 4% morgens
auf ungefähr 7° 17’ N-Br. und 78° 57' O-Lg. trafen wir ein ganz außergewöhnliches
Meeresleuchten an. Wir steuerten auf östlichen Kursen das Leuchtfeuer von
Colombo an, das wir etwa um 54V in Sicht laufen sollten, Um 3% V lichtete
sich der Himmel in-südöstlicher Richtung im ähnlicher Weise, wie man es häufig
in klarer, dunkler Nacht bei festen Feuern mit großer Tragweite beobachten kann,
Da wir in den vorhergehenden Tagen bereits östliche Versetzungen gehabt
hatten, so lag im ersten Augenblick die Vermutung nahe, daß wir unserem Besteck
wiederum voraus wären und die Stadt- und Hafenbeleuchtung von Colombo vor
uns hätten. Dazu sah der Feuerschein jedoch zu langgestreckt aus und mußte
die Erscheinung infolgedessen. auf eine andere Ursache zurückgeführt werden,
Nach weiteren 10 Minuten ungefähr vermehrte sich die Lichtfülle ganz ungeheuer
und zugleich trat auf der Wasserfläche ein langer, hellschimmernder
Streifen hervor, der in der Richtung von NO nach SW verlief, Während-
dessen hatte sich auch das Leuchten des Meeres in unmittelbarer Nähe des
Schiffes sowohl nach diesem Streifen hin als auch in nördlicher Richtung ganz
£norm gesteigert,
Diese eigenartige, zeitweise sorar unheimlich wirkende Natur-
erscheinung erregte das Gefühl, als ob das Schiff zwischen unzähligen Riffen
hindurchdampfte, und dieser Eindruck wurde noch bedeutend täuschender durch
das Rauschen der brechenden Wellenkämme längsseit des Dampfers und durch
mehrmaliges Auftreten von Stromkabbelungen, Der Himmel überzoög sich mit
tiefschwarzen Nimbus-Wolken, die allmählich von Osten heranrückten, und in
grellem Gegensatz dazu stand das vom Widerschein des Meeres beinahe ganz
hell erlauchtete Deck.