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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Nr. 2.
Archiv 1900, Nr. 5, S. 27 und 30.
2. Die beträchtlichen Abnahmen und Zunahmen gesondert.
Mit Ausnahme von Borkum 8 a. m., wo im August die Zunahmen, im September die Abnahmen
während der ganzen 25 Jahre unter 5.0° geblieben sind, haben alle Stationen und Termine in allen
Monaten sowohl positive wie negative „beträchtliche“ Temperaturänderungen aufzuweisen. — Oroß
mann 5 *) zeigt für die Änderungen bis zur Größenordnung von einschließlich 6°, die er als „kleine und
mittlere“ zusammenfaßt, den Einfluß des Sonnenstandes auf die jahreszeitliche Verteilung der Über
schüsse der Zunahmen bezw. Abnahmen. (Überschuß der Zunahmen vom Frühlingsäquinoktium bis
zum Sommersolstitium, Überschuß der Abnahmen vom Herbstäquinoktium bis zum Wintersolstitium,
wobei den Solstitien jedesmal eine Zeit weniger einheitlicher und ausgeprägter Verhältnisse folgt).
Die „großen“ Änderungen 7° zeigen nach Großmann durch ihr abweichendes Verhalten (vor
wiegend Überschuß der Abnahmen von März bis Juni, der Zunahmen von Oktober bis Januar), daß
sie „wesentlich anderen Ursprungs als die kleineren sein müssen und erst in zweiter Linie von der Aus
strahlung und Einstrahlung herrähren können. Dies Ergebnis stimmt völlig mit der theoretischen
Erwägung, daß die größten Schwankungen wesentlich die Temperaturänderungen darstellen müssen,
die im Gefolge von Wetterumsehlügen durch mehr gewaltsamen Lufttransport herbeigeführt werden.
Hierbei handelt es sich für unsere Küste wesentlich im Sommer um kalte und im Winter um warme
Luftströmungen, und es werden die größten interdiurnen Temperaturänderungen besonders zu der
Tageszeit auftreten müssen, wo die Erwärmung in die Zeit der größten Wirkung der Ausstrahlung und
die Erkaltung in die Zeit der größten Wirkung der Einstrahlung fällt. Daher erscheinen .... die Morgen
des Winters besonders stark durch große Erwärmungen und die Nachmittage des Sommers besonders
durch Erkaltungen begünstigt“.
Tabelle II.
Überschuß der „beträchtlichen“ Zunahmen Uber die „beträchtlichen“ Abnahmen in Prozent der sämt
lichen Änderungen.
8a
Dez.
Jan.
Febr.
1
März
April
Mai
Juni
Juli
II
Aug. |j Sept.
Olvt
Nov.
Borkum
O.l
+0.9
+1.3
+0.6
„
-1.2
-1.1
-1.0
-0.3
+0.3
+0.1
+0.5
Wilhelmshaven ..
+2.1
+1.8
+1.7
+ 1.7
+0.3
—
-1.9
-0.9
-0.5
-0.9
+0.1
+1.2
Hamburg
+0.5
+1.4
+3.3
+1.8
+0.7
-0.1
-1.1
-1.0
-0.4
-0.5
-1-0.4
+0.5
2 p
Borkum
-0.3
+0.8
+0.7
1 -0.3
-1.2
+1.2
-0.5
-0.8
-0.8
-1.6
-0.8
-0.1
Wilhelmshaven . .
1-0.6
+2.6
+1.3
:-o.3
-0.1
+0.4
-0.1
-0.8
-1.5
-1.9
-1.9
Hamburg
+0.3
+0.4
+1.6
r0.8
-2.4
-0.8
-2.5
-1.4
2.7
-2.0
-2.7
—
8p
Borkum
+0.1
+1.4
+0.6
rO.l
-1-0.1
+1.3
-1.1
-0.4
-0.9
-0.8
+0.6
-0.1
Wilhelmshaven . .
+0.3
-0.1
+0.9
+0.3
—
-0.1
-0.3
-0.6
-0.9
-2.0
-1.0
-1-0.7
Hamburg
+0.1
+1.3
-0.3
1-0.5
-2.0
-1.9
-1.7
-1.0
-2.7
3.3
-1.9
+2.0
Bei der hier gewählten unteren Begrenzung der „beträchtlichen“ Änderungen ist ebenfalls das
Übergewicht der Zunahmen in der kalten Jahreszeit allgemein. (Tabelle II.) (Um den Monaten gleiches
Gewicht zu geben, sind die Überschüsse in Prozent der gesamten Änderungen pro Monat ausgedrückt).
In den wärmeren Monaten ist die Scheidung nicht so einheitlich, besonders nicht im Frühjahr (Mai!),
allerdings überwiegen in der Gesamtheit der Monate März—Juni die Abnahmen. Der Hochsommer und
der Spätsommer haben allgemein negative Überschüsse.
Betrachtet man die Abnahmen und Zunahmen < 7.0 für sich (Tabelle III), so treten die von Groß
mann dargelegten Verhältnisse am klarsten bei Hamburg hervor. Vor allem Borkum zeigt gering
fügige Überschüsse der Abnahmen im Winter (um 2 p und 8 p), die man aber wohl als zufällig infolge
zu geringen Materials bewerten darf.