510 Annalen der Hydrograpbie und Maryitimen Meteorologie, November 1900,
der Richtung des Küstenstroms zusammenfallende Richtung des Wellenbrechers
eher eine Abnahme als eine Zunahme des abgelenkten Küstenstroms zur Folge
haben, (Es erscheint daher auch nicht unmöglich, daß der durch die Modell-
versuche gefundene, sich an den Kopf D anschließende Sandhaken ganz gegen die
Wirkungen von deklinanten Einbauten durch die konvexe Form des Wellen-
brechers entstanden ist) Die Form des südlichen Hafendamms läßt eine der-
artige Befürchtung nicht aufkommen, vielmehr trägt sie dazu bei, daß die Ge-
schwindigkeit der entlangfließenden Strömung unter allen Umständen bis zum
Kopf zunimmt, weil jegliche Tendenz zum Einsehlagen einer anderen Richtung
oder Stromverringerung fehlt.
Behufs Anlage eines dauernd gesicherten Hafens ist zunächst dahin zu
streben, der verstärkten Strömung nach dem Passieren des Kopfes des Wellen-
brechers eine solche Richtung und Geschwindigkeit zu geben, daß die mitgeführten
Sandmassen #ich nicht oder doch nur in geringem Umfange unmittelbar vor und
hinter dem Kopf, vielmehr erst im größeren Abstand davon ablagern können,
Während für die Richtung der Gesichtspunkt als maßgebend anzusehen ist, daß
ein. möglichst kleiner Teil der verstärkten Strämung sich um den Kopf biegt
und ein möglichst großer Teil derselben in der Verlängerung des See-Endes noch
weiter läuft, um dann allmählich mit abnehmender Geschwindigkeit in die
Richtung des Küstenstroms überzugehen, laßt sich anderseits Aa priori nicht
voraussagen, bei welcher Länge des Bauwerks die dazu erforderliche Geschwindig-
keit der Strömung bei dem nur schwachen. Küstenstrom eintreten wird, Darauf
haben auch Veränderungen des Seebodens und des Brandungsgebiets
Einfluß, die mit dem Hafenbau in direkter Verbindung‘ stehen und daher zu
berücksichtigen sind,
Ein prinzipieller Unterschied in den beiden Hafenprojekten besteht in dem
weiteren Hafenausbau, wofür meines Erachtens eine Vertiefung der Fläche ABDFG
nicht genügt, vielmehr noch ein zweiter Damm unerläßlich ist, der dazu bestimmt
jest, die unvermeidlichen Aufsandungen nördlich des Wellenbrechers derart zu
gestalten, daß eine größere Gewähr für die Betriebssicherheit des Hafens gewonnen
werden kann,
Nach den Modellversuchen bildete sich am Kopf des Wellenbrechers ein
Sandhaken, der somit als Beginn der Ablagerungen unterhalb zu betrachten ist,
Ferner ergab sich, daß die Sinkstoffe nur zum kleineren Teil in der Linie liegen,
die durch den. Kopf parallel zur Hauptsirömung gezogen wird, dagegen zum
größeren Teil unter Einwirkung der Küstenströmung nach N geführt werden,
also auch die Hafenanlage weiter nicht beeinflussen,
Gegen das Eintreffen des durch diese Versuche gefundenen Verhaltens des
mitgeführten Sandes sprechen Erfahrungen an sandiger, flach abfallender See-
küste, denen. zufolge deklinante Einbauten an solcher Seeküste andere Wirkungen
ausüben als solche am Stromufer, Infolge der abmehmenden Geschwindigkeit der
beiden, nach Verlassen des Kopfes des Wellenbrechers entstehenden Teilströmungen
bilden sich Ablagerungen, die je nach der Geschwindigkeit der verstärkten ab-
gelenkten Strömung In größerer oder geringerer Entfernung vom Kopf beginnen,
der Richtung der Teilströmungen folgen, somit sich der Küste nähern und all-
mählich auch die Fläche unterhalb des Wellenbrechers aufbhöhen, Es ist be-
merkenswert, daß diese Ablagerungen, soweit sie seewärts von einer durch den
Kopf parallel zur Hauptströmung gezogenen Linie bis an die Verlängerung des
See-Endes erfolgen, nicht wieder von dem herrschenden Küstenstrom fortgeführt
werden, und zwar infolge Aufeinanderstoßens der verschiedenen Strömungen.
Man hat somit mit einem Ablagerungsgebiet zu rechnen, das landwärts von der
Verlängerung‘ des See-Endes liegt und sich über die ganze Fläche ABDFG mit
Ausnahme desjenigen Teils erstreckt, dessen Tiefhaltung durch die Teilströmungen
bewirkt wird. Im vorliegenden Fall werden diese Ablagerungen noch dadurch
gefördert, daß die Hauptströmung wie die beiden Teilströmungen zum Ausgleich
des Niveauuntersechiedes das Bestreben haben, auf die Küste zu setzen, worin sie
durch die herrschende Windrichtung unterstützt werden,