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Full text: 62, 1934

Ann, d. Hydr. usw., LXILL Jahrg. (1934), Heft XI. 
490 
Weiterentwicklung des Wigandschen Sichtmeßverfahrens, 
im besonderen auf See. 
Yon Güuther Boljahn,. 
(Hierzu Tabellentafeln 47 bis 50 and Figurentafeln 51 bis 54.) 
Zusammenfassung, 
In der folgenden Arbeit, die sich auf Veranlassung und unter der Leitung von Prof. Dr. 
A, Wigand+ zwecks Verfeinerung seiner Sichtmessungsmethode mit der Prüfung der wesentlichen 
Konstanten dieser Methode und ihrer Verwendung zu Sichtmessungen auf See beschäftigt, wird eingangs 
das Problem der Sicht und der Sichtbestimmung allgemein behandelt. Ferner wird die Theorie der 
Sicht- und Sichtweitenbestimmung mit den Sichtmessern von Wigand wiedergegeben; gleichfalls werden 
die in den einzelnen Zweigen der Praxis, wie Luftfahrt, Seefahrt und Meteorologie, gebräuchlichen 
Definitionen der Sichtweite besprochen, Die in der Sichtformel auftretende Konstante gy dient zur 
Kompensation des Unterschiedes in den Gesetzmäßigkeiten, nach denen die Sichtmessertrübung mit 
der Anzahl der Filter und die Lufttrübung mit der Luftstrecke zunimmt, 
Der zweite Abschnitt bringt die Prüfung des o-Wertes durch Messungen, die in Seeluft, frei ron 
inhomogenen Trübungen, in den Küstengebieten bei Cuxhaven und auf Neuwerk gemacht wurden, 
Das Mittel der Beobachtnogen ergab co =— 0.062 mit einem mittleren Fehler von —+0.002; die Ab- 
weichung von dem bisher eingesetzten Wert 0.06 liegt somit innerhalb der Fehlergrenze, 
Zwei Rechnungen, die in der Annahme durchgeführt wurden, daß die Trübungsgrade @ im Sicht- 
messer auf +0,15, beziehungsweise + 0.2h genau bestimmt werden können, zeigen, daß der durch 
die Meßgenauigkeit des Trübungsgrades von -+ 0.2 bedingte Fehler von g = 0.062 mit dem mittleren 
Fehler dieser Konstanten übereinstimmt, Die gleichzeitig ausgeführte Bestimmung des einzelnen für 
die Sicht des Fliegers, des Seemannes und des Meteorologen in die Sichtformel einzusetzenden x-Wertes 
und der daraus berechneten, zur Umrechnung von Sicht in Sichtweite erforderlichen Konstanten & 
brachte ay= 3,3, ae= 1.1, am = 0.2 und demnach Ay — 35, kr = 75, km == 112, 
Im letzten Abschnitt wurde die Messung der Sicht mit dem Sichtmesser 86 vorgenommen, daß 
als Ziel der Kontrast zwischen Horizonthimmel und Wasseroberfläche an der Kimm benutzt wurde: 
dabei änderte sich an dem Aufbau der Sichtformel nichts, und die aus der Augenhöhe bekannte Kimm- 
entfernung und der gemessene a-Wert gingen wie üblich in die Formel ein. Die benutzten Kimm- 
entfernungen sind nur als mittlere zu bezeichnen, da Temperaturmessungen in dem Sichtbereich nicht 
möglich waren, so daß eine durchschnittliche Reiraktionskorrektion von 71% angenommen wurde. Es 
ergab sich eine stetige Abhängigkeit der Zielkorrektion des gemessenen @-Wertes und der g- Konstante 
von der Zielentfernung. In diesem Verlaufe der Zielkorrektion kommt eine augenscheinliche Änderung 
des Kontrastes an der Kimm mit zunehmender Augenhöhe zum Vorschein, während die Tatsache, daß 
der Lichtstrahl Kimm-- Auge Schichten mit veränderlicher Dichte und Trübung durchsetzt, in dem 
Gang der o-Konstante hervortritt. Zur Vereinfachung der Sichtmessungen mit den Sichtmessern von 
Wigand und zur Vermeidung von Rechuungen in der Praxis wird noch eine Fluchtlinientafel 
beigefügt 
J. Sicht und Sichtmessungen. 
1. Die Bedeutung der Sicht und ihre Bestimmung im allgemeinen, 
Das stetige Anwachsen des Verkehrs und die Steigerung der Geschwindig- 
keiten in Schiffahrt und Luftfahrt stellen zwangsweise höhere Ansprüche an die 
Sicherheitsfaktoren, sei es durch Vervollkommnung der Technik oder Erfassung 
der natürlichen Gefahren dieser Gebiete, Die Wissenschaft und die Technik, 
insbesondere die Meteorologie, sind dauernd bestrebt, Neues zu schaffen, um den 
Ansprüchen der Verkehrszweige gerecht zu werden. Doch das wichtigste Ele- 
ment der Schiffahrt und Luftfahrt, die Sicht, ist in der Art ihrer Bestimmung 
nicht weit über die ursprüngliche, rohe Schätzung und Angabe hinausgekommen, 
Zwär ist ihre Bedeutung nie verkannt worden; im jedem Logbuch und Bord- 
bericht und in den Veröffentlichungen des gesamten Wetterdienstes findet man 
Angaben über die herrschenden Sichtverhältnisse, die nach der zehnstufigen 
Tabelle des Kopenhagener Wetterschlüssels von 1930 an beliebigen Zielen gemacht 
worden sind. Aber diese „Peilungen über den Daumen“ an züfällig in dem 
Sichtbereich befindlichen Objekten können den wachsenden Anforderungen nicht 
genügen und, da sie von den individuellen Einflüssen der Beobachter und der 
Verschiedenartigkeit der Ziele abhängig sind, nie ein auf normale und einheit- 
liche Verhältnisse gründendes und genaues Bild der örtlichen Sichten liefern, 
Größer noch als der direkte Wert der Sichtbestimmungen ist der indirekte 
der Sichtvorhersage und der Wettervorhersage aus Sichtbeobachtungen, die 
sich aber nur durchführen lassen, wenn die bisher übliche Schätzung nach 
dem Augenschein aufgegeben wird. Die stiefmütterliche Behandlung der Sicht 
Ans. d. Aydr. usw, 1934, Heft XI.
	        
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