Talfım im Südchinesischen Meer am 9, Dezember 19085.
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Auf die Mitteilung des Öbservratoriums hin, daß keine Gefahr in der süd-
lichen China-See mehr berorstehe, verließ S, MS. »Arcona« Hongkong kurz vor
Einbruch der Dunkelheit am 8, Dezember, Eine entscheidende Besserung des
Wetters konnte erst in einigen Tagen erhofft werden, Bei der Insel Waglan
trat dem Schiff eine schwere, lange, Östliche Dünung entgegen, die mit zu-
nehmender Entfernung von der Küste aus einer mehr nördlicheren Richtung
lief, Der Monsun drehte langsam auf NNO und wuchs stetig an Stärke, In den
grsten Morgenstunden des 9. Dezember, etwa 80 Sm SO von Hongkong, wehte er
mit sturmartiger Kraft, eine grobe See vor sich hintreibend. Die 2 Strich mehr
östlich laufende Dünung (aus NO} brachte zeitweise gewallige Brecher mit sich,
die anscheinend von dem kurz vorher rorübergezogenen Taifun herrührten und
die, dank der Einwirkung des Monsuns, noch wenig an Kraft eingebüßt hatten,
dessen. Richtung sie sich allmählich anpaßten, Der eindringenden. Wassermassen
halber drehte S, M, S, zArconä« um 44 V bei Kurz nach Mittag ließen Wind und
See etwas nach, worauf Reisekurs (SO} wieder aufgenommen wurde. Mit dem
Dünkelwerden frischte es von neuem auf und um 10% N mußte zum zweiten Male
beigedreht werden. Die Krängung betrug an dem Tage über 30° nach St-B.
and etwa 20° nach B-B. Am Morgen des 10. Dezember war die Stärke des
Windes auf 6 B. zurückgegangen, es wehte dann aus NO, die Dünung Heß
ebenfalls etwas nach, und die schweren Brecher setzten weit seltener und nicht
mehr mit derselben Wucht wie tags vorher ein, Von diesem Zeitpunkt an konnte
der Kurs durchgehalten werden. Je weiter das Schiff nach SO vordrang, desto
besser gestaltete sich das Wetter; am Mörgen des 11. Dezember, etwa 70 Sm
NNW von Kap Bolinao, hatte der Monsun eine für die Jahreszeit normale Stärke
angenommen. Die Richtung der Dünung wurde bald yon der Küste beeinflußt,
bereits auf 55 Sa NNW von Kap Bolinao kam sie aus NNO und zwei Stunden
später aus N, Stärke 3,
Während des Weiterdampfens an der Westküste von Luzon machten sich
Land- und Seebrise deutlich bemerkbar, Um Mittag des 11. Dezember wehten
südliche Winde, die in den Nachmittagsstunden auf West drehten und gegen
Abend auf NO herumgingen, nachts wehte e8 mit großer Stetigkeit aus Ost. In
der Mindoro-Straße und in der Sulu-See wurde ein schwacher Wind aus 50-—NO
beobachtet. In der Celebes-See waren südliche Winde SO—SW vorherrschend,
Stärke 1 bis 2,
In der Makassar-Straße, auf etwa 1° S-Br., traten vorübergehend schwache
NW-Winde mit kurzen Regenböen auf, die später von SW-Winden ‚abgelöst
wurden, Unter der Küste von Celebes wechselten Land- und Seebrise ab, ohne
ganz ausgeprägt zu sem.
bb. Strom in dem Nordeingang der Makassar-Straße.
Entgegen den Angaben der Segelanweisungen lief in dem Nordeingang der
Makassar-Straße auf der Höhe von Kap Rivers, etwa 20 Sm ab von Land, NO-
Strom mit einer Durehschnittsstärke von 1.5 Sm pro Stunde, Ein schwacher
Gegenstrom wurde bereits in der Celebes-See auf der Fahrt von Zamboanga
nach der Makassar-Straße festgestellt,
Soweit der Bericht S, M. S. »Arconä« Zur Ergänzung kanfı noch folgendes
hinzugefügt werden, indem zugleich auf den Auszug aus dem meteorologischen
Tagebuch und auf die beigegebene Skizze verwiesen wird, die auch die Meldungen
einiger Handelsdampfer noch eingezeichnet enthält,
Der Einfluß des Taifuns hat sich auf einer Entfernung von mehr als
600 Sa bemerkbar gemacht, denn als am 5. Dezember von Manila die Meldung
in Hongkong eintraf, daß südlich von Luzon ein Taifun die Richtung nach dem
Südechinesisehen Meere nehme, war auch sehon in Hongkong die atmosphärische
Störung bemerkt worden. Die gewöhnlichen Anzeichen: Unregelmäßigkeiten In
der täglichen Luftdruckwelle, trübes Wetter mit leichten Regenschauern, später
veränderliche Winde aus W und ©, unterbrochen. von. Stillen, sind such in dem
Bericht S, M. S, »Arcona« mit aufgeführt.