Ann, d, Hydr. usw., XXXVIL Jahrg. (1909), Heft XI,
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Das Ergebnis der Versuche mit dem Bezuge von Wetter-Funken-
telegrammen vom Nordatlantischen Ozean.
Im diesjährigen Februarheft dieser Zeitschrift S. 49 ff. ist über die An-
ordnung des von Deutschland angeregten, gemeinschaftlich mit dem Meteorological
Office in London durchgeführten versuchsweisen Bezuges von Wetter-Funken-
telegrammen vom Nordatlantischen Ozean während der Monate Februar bis April
aingehend berichtet worden. Nachdem das Meteorological Office zunächst im
Januar die Telegramme allein bezogen hatte, hat jener vereinbarte gemein-
schaftliche Bezug der Funkentelegramme inzwischen stattgefunden, Das Ergebnis
‚äßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß 1, Verstümmelungen der Zifferngruppen
der Telegramme im ganzen nicht häufiger als bei gewöhnlichen Überlandtele-
zrammen vorkamen, 2, daß die Barometerstände vielfach erheblich fehlerhaft
waren, 3. daß in den Zifferngruppen sowohl der Name des Dampfers wie das
Datum der Beobachtung enthalten sein müssen und 4, daß die Telegramme zu
spät zugingen, um für den Wetterdienst brauchbar zu sein,
Die späte Zustellung der Telegramme war zum großen Teil darauf zurück-
zuführen, daß die an schnell 6stwärts eilende Dampfer zur Weiterbeförderung
abgegebenen Wetter-Funkentelegramme von diesen in wachsender Menge auf dem
ostwärte gerichteten Kurse aufgespeichert und dann bei Erreichung der Ver-
bindung mit einer Marconi-Küstenstation in großer Zahl abgegeben wurden, 80
daß dann gelegentlich, zumal bei der Annäherung mehrerer heimkehrender Dampfer,
30 bis 50 Telegramme in. kurzer Zeit nacheinander nach Hamburg weitergegeben
wurden; auf solche Weise mußte sich eine durchschnittliche Verspätung für die
Beobachtungen aus der Nähe der Britischen Inseln ergeben, da eine Sichtung
der Telegramme nach der Zeit der Beobachtung nicht vorgeschrieben war und
auch schwer durchzuführen gewesen wäre, Unter Würdigung dieses Umstandes,
jer das Ergebnis des ersten Versuches stark beeinträchtigt hatte, ergab sich das
Verlangen nach einer Wiederholung des Versuches unter möglichst günstigen
Bedingungen für eine schnelle Zustellung der Funkentelegramme, um ein ab-
schließendes Urteil über die Verwendbarkeit der Wetter-Funkentelegramme vom
Ozean zu gewinnen,
Bei einem zweiten Versuche konnte von Beobachtungen jenseits 30° W Gr.
abgeschen werden, da der erste Versuch gelehrt hatte, daß Telegramme aus jenen
fernen Gebieten unter keinen Umständen rechtzeitig für den Wetterdienst zuzu-
gehen vermöchten. Des weiteren aber mußte für die Fortsetzung des Versuches
eine Jahreszeit ausgewählt werden, in der möglichst zahlreiche Dampfer auf dem
Ozean verkehren, da unter solchen Verhältnissen auf die schnellste Beförderung der
teilweise von Schllf zu Schiff weitergegebenen Telegramme an Land zu rechnen ist.
Der zweite Versuch im August und September.
Nachdem sich in solcher Weise nicht allein die Notwendigkeit eines zweiten
Versuches, sondern. auch die zweckmäßigen Abänderungen des ersten Versuches
ergeben hatten, nachdem die Hamburg-Amerika Linie und der Bremer Lloyd sich
zu weiterer Mitarbeit in der entgegenkommendsten Weise bereit erklärt hatten
and von dem Reichsamt des Innern die Mittel zur Verfügung gestellt worden
waren, wurde mit dem Meteorologieal Office in London in erneute Verhandlung
getreten. Dieses hatte inzwischen die Telegramme von den englischen Dampfern
weiter bezogen und erklärte sich nunmehr wiederum zu gemeinschaftlicher Arbeit
mit der Deutschen Seewarte bereit. Der Versuch wurde auf die Monate August
und September mit Rücksicht auf den ihnen zukommenden höchsten Schiffs-
verkehr angesetzt und das Beobachtungsgebiet auf 10° bis 30° W Gr. beschränkt;
dabei wurde die Bestimmung getroffen, daß alle Telegramme, die eine Küsten-
Ann, 4. Hradr, aaw. 1909, Heft XL