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Annaku der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1909,
Höhentafeln und Höhenstandlinie.
Yon Dr. Sohammes Möller, Oberlehrer in Elefleth.
Die Ballsche Höhentafel!) erleichtert die Konstruktion der Möhenstand-
linie nach Mareq St Hilaire so außerordentlich, daß man hoffen darf, sie oder
aine auf ähnlichen Grundsätzen beruhende werde bald allgemein zur astronomischen
Ortsbestimmung an Bord benutzt werden, Ich gehe sogar 80 weit, den praktischen
Seeleuten. zu empfehlen, alle Ortsbestimmung von nun an nicht mehr durch Be-
rechnung von Mittagsbreite und Chronometerlänge, sondern nur noch durch
Mittagsbreite (soweit sie möglich ist) und Konstruktion einer Höhenstandlinie
unter Benutzung von Höhentafeln auszuführen, da dieses Verfahren rascher zum
Ziele führt als alle trigonometrische Berechnung, Ich möchte aber vorschlagen,
die Ballschen Tafeln. zu erweitern und auf alle Breiten von 0° bis mindestens 70°
und auf die Deklinationen bis 28° auszudehnen, Kine jährlich neu erscheinende
Zusatztafel könnte dann die wahren Höhen der 21 hellsten Fixsterne bringen,
and zwar ebenfalls für alle Breitengrade und für die Stundenwinkel von 4£ zu
4 Zeitminuten,
Ich erinnere daran, daß die Ballschen Tafeln. keine weitere Interpolation
als für die Minuten der Deklination erfordern, eine Arbeit, die sich mit Hilfe
einer Schalttafel sehr rasch ausführen läßt, Verzichtet man auf die Zehntel
minuten, so läßt sich die Schalttafel auf einer Seite unterbringen, Nach Balls
Vorschlag umgeht man die Einschaltung für Längen- und Breitenminuten da-
durch, daß man den gegißten Ort so wählt, daß die Breite auf einen Grad und
der Stundenwinkel auf 4 Zeitminuten abgerundet erscheint, Wesentlich ver-
bessern ließe sich die Ballsche Tafel noch dadurch, daß neben den Höhen die
Azimute mit enthalten. wären, so daß auf derselben Seite und Zeile Höhe und
Azimut gleichzeitig entnommen werden könnten. Durch Einführung einer solchen
Tafel wäre auch der Streit um die empfehlenswerteste Standlinie zugunsten der
Höhenstandlinie nach Marcq St. Hilaires Methode entschieden, die weit eleganter
jet als alle übrigen, Sie hatte bisher den Nachteil, dem Seemann die Berechnung
einer Höhe zuzumuten und sich der Bordpraxis weniger anzuschmiegen, besitzt
aber den großen Vorteil, in allen Azimuten verwendbar zu sein, Nach all-
gemeiner Einführung praktischer Höhentafeln überwiegen ihre Vorteile jedoch
so sehr, daß sie gewiß mit der Zeit alle anderen Methoden verdrängen wird,
Sollte die Hinzufügung des Azimuts die Tafel zu umfangreich machen,
56 empfehle ich graphische Bestimmung der Azimute, die rascher zum Ziele
führt als die Benutzung besonderer Azimuttafeln, Besonders einfach werden
graphische Methoden, wenn die Höhe bekannt ist, und das ist bei Orts-
bestimmungen aus beobachteten Höhen ja immer der Fall. Man trägt z. B. auf
dem Schenkel X eines Winkels die natürlichen Werte der Kosinus, auf dem
anderen Y die der Sinus ab, diese in der doppelten Bezeichnung nach Grad- und
Zeitmaß. Auf dem Schenkel X markiert man den Punkt h, der der beobachteten
Höhe, und den Punkt 5, der der Deklination entspricht, auf dem Schenkel Y
aber den Stundenwinkel t, Dann verbindet man h mitt und zieht durch $ mit
dem Parallelenlineal. eine Parallele zu dieser Verbindungslinie, Diese Parallele
schneidet den Y-Schenkel im Punkt a, dessen Ablesung -gleich dem gesuchten
Azimut ist, Denn es ist ja sim t1sin a=cos h:cosd, Winkel mit so geteilten
Schenkeln. ließen sich, durch Druck vervielfältigt, als Anhang in die Höhentafeln
aufnehmen,
Vielleicht noch rascher führt ein Rechenschieber zum Ziel, wie ihn Prof
C Runge in Göttingen vorschlägt, und wie er von der Firma Albert Nestler
in Lahr in Baden geliefert wird. Dieser Schieber besteht aus zwei gegeneinander
rerschiebbaren Skalen, die nach den Logarithmen der Sinus geteilt sind. Stellt
man dem Punkt der einen Skala, der der Zenitdistanz entspricht, den der Pol-
distanz entsprechenden der anderen Skala gegenüber, 80 liegen auf den beiden
Skalen Stundenwinkel und Azimut einander gegenüber, Bei gegebenem Stunden-
%5 Frederik Ball, M. Au Altitude Tables computed. Tor intervalls of four minutes between
the parallel of Iatitude 31° and 60° and parallele of declination 0° and 24° designed for %bhe
determination of the position line at all konr angles without Jogarichmie computatton. London 1907, —
Vel. auch Krauß: „Ann. d. Hryrdr.«, 1907, 8, 568.