‘30 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1900.
Die Genauigkeit von Mondhöhen zur Bestimmung der Mittleren Green-
wicher Zeit.
Yon Dr. Harıyr Meyer;
In den »Annalen der Hydrographie« 1907 Heft X schlägt Herr Krauß vor,
die in der Astronomie gelehrte Methode, die Länge aus Mondhöhen zu bestimmen,
auch bei den Beobachtungen suf See zu verwenden. Die dort angegebene
Lösung der Aufgabe verlangt die Berechnung eines Stundenwinkels und zweier
Höhen, Die MG. Z. wird dam ohne weitere Überlegung durch Einschalten
gefunden, Die astronomischen Lehrbücher geben die Schlußrechnung etwas
kürzer; sie verlangen aber bei der Verbesserung der Länge für die fehlerhafte
Abweichung einige Aufmerksamkeit,
Da bei dieser Aufgabe die gefundene M. G. Z, in erster Linie von der
Genauigkeit der Mondhöhen abhängt, diese Höhen aber, wie jeder Beobachter
weiß, selten großes Vertrauen verdienen, so wurden gleich nach dem Erscheinen
der Kraußschen Arbeit in Fachkreisen Bedenken gegen diese Methode erhoben.
Daher schlug Herr Dr. Meldau (Oktober 1907) vor, durch Beobachtungen auf
See ihre Genauigkeit zu prüfen; das gleiche verlangt Herr Dr. Möller am
2 Aal Aufsatzes Ȇber die astronomische Kontrolle der Chronometer
auf Sees!) .
Um nun einen Beitrag zur Lösung dieser Frage zu Hefern, wurden von
dem Verfasser an Bord des Kadettenschulschiffes »Herzogin Cecilie« in der Zeit
1907 November bis 1909 Mai die dieser Arbeit zugrunde liegenden Beobachtungs-
reihen angestellt, Auf der ersten Reise (1907 November bis 1908 Mai} konnte
die M, 6. Z. mit genügender Schärfe aus den Angaben der Schiffschronometer
abgeleitet werden, Es war daher der Unterschied: Beobachtung minus Rechnung
ohne weiteres der Beobachtungsfehler, Bei der zweiten Beobachtungsreihe war
die M. G Z. nur angenähert bekannt, Durch eine schwere See wurde am 31. März
das Kartenhaus zertrümmert und dabei beide Chronometer stark beschädigt.
Die eine Uhr blieb ball darauf stehen, während die andere noch bis zum Kanal
im Gebrauch verblieb, In diesem Falle Jag also in der Tat die Notwendigkeit
vor, den jeweiligen Stand des Chronometers durch Mondbeobachtung zu bestimmen,
Schon die ersten Beobachtungen (November 1907) zeigten, daß die Höhen
des Mondes in der Nacht nicht mit der nötigen Schärfe beobachtet werden
können, Entweder ist die Kimm nicht scharf begrenzt oder ihr Bild verschwindet,
sobald der hellere Mond in das Gesichtsfeld. tritt; auch selbst, wenn er so stark
abgeblendet ist, daß sein Rand noch gerade eingestellt werden kann, Weiter
ergab sich, daß nur in seltenen Fällen zwei Vergleichsterne vorhanden sind, die
der geforderten Bedingung genügen, Häufig muß man einen Stern dieht beim
Monde nehmen, oder zwei Sterne wählen, die im Azimut ungleich weit vom Monde
entfernt sind, In diesem Falle muß aber die Breite genau bekannt sein, da das
einfache arithmetische Mittel aus den Sternzeiten der Vergleichsterne nicht mit
der Sternzeit des Möndes übereinstimmt. Für die Kanalbreite, einen Breiten-
fehler von 10' und für die Azimute 85°, 80° und 70° würde die mit der Logye-
breite berechnete M, G; Z. um rund 114,” fehlerhaft sein.
Die hier mitgeteilten Beobachtungen sind mit der astronomischen Breite
berechnet worden, In dem Falle, wo zwei Vergleichsterne möglich waren, findet
sich der Unterschied der nach ihnen berechneten Mondsternzeiten in der Kolumne
(B—R)} bzw. Stand. Diese Zahlen geben ein Urteil für die Genauigkeit der Stern-
beobachtungen ab. Für die zweite Beobachtungsreihe stellte Herr Kapitän
OÖ. Walter dem Verfasser in. dankenswerter Weise seine Beobachtungen zur Ver-
fügung (Beobachter W), .
Da die hier behandelte Methode als Ersatz für Monddistanzen vorgeschlagen
ist, mußte der Verfasser, um beide Methoden besser vergleichen zu können, für
sich auch die Genauigkeit einer Distanzmessung ableiten, Die dazu yerwendeten
Beobachtungen seien ebenfalls in aller Kürze mitgeteilt,
4 sAynalen der Hrdragraphie« 1907, Heft XI