Kohlschütter, E.: Einheitliche Methoden für die astronomische Ortsbestimmung im Ballon. 453
mit. der Abweichung und der gemessenen Höhe die den beiden Annahmen ent-
sprechenden Werte von Az, t, 4 und g mittels geeigneter Hilfstafeln, Diagramme,
sonstiger Vorrichtungen!) oder durch Rechnung nach folgenden Formeln abgeleitet.
M == ctg 1/, q «sin 4, (h— 0) +se0 1 (bh 4 6)
x = eig 1 q- cos 4 {h— 6)- 00800 11 (b 4 6)
ig 0 == tg "2 (b— 0) -8in N + 00see M
xder
wg O == tg 4, (h +8) 008 N + 800 M
At = MAN
t=M—N
P = 009 —20
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oder mit Merkatorfunktionen
AM
E(&) = fh) — 18)
(5) = fh) + 1(8)
of (£;) = cof (q)n — cof (&,)
»of (8,1 == cof (q)n + cof (52)
AZ = Ya (55 A 84) — 180°
‘A —
(8) = cof(Az) -+cof (Un oder 1(&) = cof (Az) — cof (Ur
Me == Of (5) «= 0of (dA h) f(gp) = vcof a Na
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Die Bestimmung‘ des wahrscheinlichen Ballonortes und der Mißweisung er-
folgt sodann nach den Gleichungen (6) und (7), Mit dem gefundenen Örte wird
die Mißweisung außerdem aus der Karte entnommen. Stimmt sie mit der er-
rechneten Mißweisung überein, so ist die Annäherung genügend, Stimmt sie nicht
überein, so werden zwei verschiedene Annahmen für den Faktor f gemacht und
damit zwei näher aneinander liegende Orte (2,, @,, Azı und As, 2, AZ) ein-
geschaltet, mit denen die Rechnung nach den Formeln (6) und (7) wieder-
holt wird.
3. Die Methode der Variation des Azimuts.
Diese Methode ist gleich der vorhergehenden mit dem Unterschied, daß
an Stelle des Winkels am Gestirn das dem mutmaßlichen Ballonort entsprechende
Azimut mittels der Meßkarte bestimmt wird und daß dementsprechend zwei
Azimute (Az, und Az,) angenommen werden, Die Ermittlung der Azimute mit
Hilfe der Meßkarte vor Anwendung der Gleichungssysteme (6) und (7) fällt
daher weg.
Zur genauen Bestimmung dienen die Gleichungssysteme (3) bis (5).
4. Die Methoden der Variation der Breite oder der Länge.°)
(Variation einer der geographischen Koordinaten.)
Jede einzelne dieser beiden Methoden reicht nicht für alle Fälle aus, da
die erstere in der Nähe des Meridians, die zweite in der Nähe des Ersten Vertikals
versagt. Man kann daher in diesem Falle nur dann von einer Einheitsmethode
sprechen, wenn man sie als Sonderfälle einer Methode der Variation einer
der geographischen Koordinaten zusammenfaßt und die Formeln der Variation
der Breite benutzt, wenn das Gestirn näher am Ersten Vertikal steht, und die-
jenigen der Variation der Länge, wenn es dem Meridian näher ist,
. 2 Schr geeignet für diesen Fall wäre eine Vorrichtung, die nach den Angaben von Herrn
Dr. Wedemeyer ohne Schwierigkeit am Sextanten angebracht werden kann und die Lösung dieser
Aufgabe obne Rechnung ermöglicht, Man brauchte bei Benutzung eines derartig ausgestatteten Sextanten
weder Logarithmentafel, noch Tafel der Merkatorfunktionen, noch irgend eine andere entsprechende
Hilfstafel zur genauen Ortsbestimmung im Ballon. Diese Vorrichtung beruht auf demselben Prinzip
wie die Verwendung des Doppeltransporteurs, die Herr Dr. Wedemeyer beschrieben hat in dem
Aufsatz »Die Anwendung von Sterndistanzen in. der Nautischen Astronomie«, »Ann, 4. Hydr. usw.«
Jahrg, 33 £. 423, September 1905,
2) Auf diese Methode bin ich von Herr Dr. Wedemeyer aufmerksam gemacht worden, der
daher als ihr Urheber zu gelten hat.