Kohlschütter, E.: Einheitliche Methoden für die astronomische Ortsbestimmung im Ballon. 451
I. Die Ortsbestimmung nach einem Gestirn,
1. Die Methode der Variation der Mißweisung,
Die Hauptschwierigkeit bei der Örtsbestimmung nach einem Gestirn be-
ruht darauf, daß der Ballonführer die anzuwendende Mißweisung nicht kennt,
da er, außer Sicht der Erde, von seinem Ort nur eine ganz ungefähre Kenntnis hat,')
Es werden deshalb zwei Mißweisungen angenommen, die zu beiden Seiten
des mutmaßlichen Wertes liegen und die bei der rohen Bestimmung um 0.2° bis
zu mehreren Graäden auseinanderliegen können. Diese Mißweisungen seien d,°
und d,°, Damit wird gefunden :?)
) AZ = Pl—d?, As = Pl— de
Mit Hilfe von Höhe und Abweichung des Gestirns werden daraus mittels
der Meßkarte zwei Orte bestimmt (4, @, und 2, @,)., Aus Karte II und III des
Marcuseschen Buches oder aus entsprechenden anderen Karten werden die zu
diesen beiden Orten gehörigen Mißweisungen entnommen,*) Sie mögen mit d,
und d,” bezeichnet werden. Die dem wahrscheinlichen Ballonort entsprechende
Mißweisung und der wahrscheinliche Ballonort selbst werden dann näherungs-
weise aus folgenden Gleichungen gefunden:
t= dy— d0
, {dj — 4,°) — (dy — d,°)
= de — ds
= AT
= gt tlg — a
Statt dessen kann £ auch aus folgenden Formeln berechnet werden:
1 =— Az Ad! und Pl, = Az + d,/
[” A Ad PP} a + Ay
PP, — PP),
Zur Kontrolle wird die zu dem Ört (4, g) gehörige richtige Mibweisung (d)
aus der Karte entnommen. Stimmt sie mit d’ überein, so ist (2, @) der wahr-
scheinliche Ballonort;*) stimmt sie nicht überein, so muß das Verfahren mit
engeren Grenzen für &,° und d,°, die ungefähr symmetrisch zu d angenommen
werden, wiederholt werden,
Bei der genaueren Bestimmung ist das Verfahren entsprechend; es werden
symmetrisch zu d wieder zwei Mißweisungen d,” und d,“ in engeren Intervallen,
etwa 0.02° bis 0,5°, je nach den Umständen, angenommen und damit nach (1) die
Äzimute berechnet. Die Bestimmung der beiden zugehörigen Orte erfolgt dann
in genauer Weise entweder mit geeigneten Hilfstafeln, Diagrammen, oder durch
Rechnung nach einem der folgenden Formelsysteme: ®)
eig M = cos Az-6tgh
eig. ÖÜ = sin Az -cosec $ «cos h
3) | etg t == cosec O +) sin (0-4 #)- sin (0 — #)-sech-cosee Az
; N = cosec 0 « Y sin (0 + 0) - sin (0 — 8) + casec $
oder tg N = cost.ctg ö
p=M+N
wofür in den Fällen, wo t nicht nahe bei 90° ist, auch eintreten kann
|! sint= —ein Az-cos h.sec $
eig M = cos Az-.ctg hı
ig N = cost-cetg' 6
= M+4+N
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|
<) Bei den Marenseschen Methoden tritt diese Schwierigkeit nicht genügend im die Er-
scheinung, da in den Beispielen fast immer gleich von vornherein die richtige Mifweisung angenommen
wird, die der Ballonführer im allgemeinen jedoch nicht kennt.
2 Die Azimute sind hier immer von N über 0 bis 360° perählt,
# Unter Umständen fällt einer oder beide dieser Orte außerhalb des Bereiches der Karten II
und INK, alsdann muß das Intervall zwischen d,° und d,” enger genommen werden,
4) Größere Übereinstimmung als auf 0.19 kann man bei der rohen Ortsbestimmung nicht
erwarten.
5) Die Län ibt sich hier und im folgenden. stets aus
FE 2 = m, Or; Zee Zigl., — () tw
oder 2Ä == mr. Zt, Am COa-—-Cta-(AKtw.