Annalen der Hydrographie und. Maritimen Meteorologie, Oktober 1909,
Östlicher Teil des Mittelmeeres.
Das Gebiet des Feldes 11 steht unter dem Einfluß der zwischen Sizilien
und Tunis liegenden bis 324 m unter die Meeresoberfläche ansteigenden Boden-
Aäche, Wir werden also hier olıne weiteres solche Erscheinungen, wie sie bei
verhältnismäßig seichten. Verbindungsstücken zwischen Meeresräumen mit ver-
schiedener Wärme« und Salzverteilung aufzutreten pflegen, erwarten dürfen.
Wir haben hier denn Auch annähernd ebenso off ein Abweichen des Stromes
gegen den Wind nach rechts wie nach links.
Ganz anders liegen die Verhältnisse bei den Feldern 12, 13, 14 und 16.
Wir erkennen hier schon auf den ersten Blick, daß eine Gesetzmäßigkeit
mit überraschender Schärfe auftritt, Es stehen den 38 Abweichungen nach
rechts nur 10 Abweichungen nach links gegenüber. Da außerdem letztere im
allgemeinen nur geringere Gewichte haben als erstere, so überwiegt die Rechts-
Arehung unter Berücksichtigung der Gewichte noch stärker als ohne diese.
Faßt man diese vier Felder zusammen, so ergibt sich folgendes:
Mit Gewichten Ohne Gewichte
8 47.40 479 1 8 = 4 870
41,7 3 ‘16
45.8 33 30
__ BE 8 34
4ä4=— 44° D= 4° DD, = 4?
320 | j
Wenn also auch bei den beiden zuletzt eingeschlagenen Methoden die ein-
zelnen. Felder gegeneinander größere Abweichungen zeigen als unter Berück-
sichtigung der Gewichte, so sind trotzdem die Mittelwerte für das ganze betrachtete
Gebiet so übereinstimmend, daß man aus ihnen zweifollos ein richtiges Bild der
wahren Beziehungen zwischen Wind und Strom entnehmen kann.
Der Vergleich mit den am Adlergrund gewonnenen Ergebnissen zeigt,
daß in beiden Fällen eine kräftige Ablenkung des Stromes von der Windrichtung
auftritt und zwar nach rechte. Während aber am Adlergrund eine Drehung von
25° beobachtet wurde, beträgt sie hier einen halben rechten Winkel, Dieser
Wert gilt für die oberste Schicht der Strömung‘ von der Oberfläche bis etwa
4 bis 5 m, entsprechend dem Tiefgang der großen Dampier, Also im Mittel etwa
für 2 bis 21/, m Tiefe. Die Beobachtungen am Adlergrund waren an einem 5m
tief hinabgelassenen Strommesser gewonnen; sie gelten also für eine tiefere Schicht,
Man wird geneigt sein, in dem Winkel zwischen Wind und Strom ganz
oder doch zum Teil eine Wirkung der das Mittelmeer einschließenden Küsten-
linien auf die Strömung zu sehen, Es ist deshalb zu untersuchen, ob die
Drehung 4 für Felder mit verschiedener Lage zur Küsto verschieden ist und ob
sie von der Richtung, in der der Strom zur Küste hin lMuft, abhängig ist,
Die erste Frage dürfte zu verneinen sein. Feld 12 ist nach Westen
and Östen hin dem Lande ziemlich nahe, Feld 13 liegt verhältnismäßig am
weitesten vom Lande ab, Feld 14 hat im Norden und Osten Land sehr nahe
und Feld 16 ist im Nordosten und Süden geschützt, in den anderen Richtungen
aber frei. Die Stationen haben mithin eine ziemlich verschiedene Lage zur Küste
und doch ist der Winkel 4 für alle vier Stationen sehr wenig verschieden. Damit
ist aber an sich auch die zweite Frage beantwortet, Denn wenn der Umstand,
daß die nächste Küste in einer bestimmten Richtung liegt, ohne Belang für den
Wert von 4 ist, so kann die Lage der Küste die Richtung des Stromes draußen
im freien Meer auch nicht beeinflussen, Aber auch abgesehen hiervon läßt sich
wenigstens aus den graphischen Darstellungen ein Anhaltspunkt für einen Einfluß
der Küste auf den gegen sie gerichteten Strom nicht gewinnen,
Es entsteht nun die Frage, ob für den Östlichen Teil des Mittelmeeres
Beobachtungen über Salzgehalt und Temperatur des Meoerwassers vorliegen, die
einen Schluß auf etwaige statische Strömungsursachen gestatten, Die Messungen
an Bord der »Pola« aus den Jahren 1890 und 1891 dürften hierzu geeignet sein.)
. % Josef Laksch und Julius Wolf, Physikalische Untersuchungen im östlichen Mittelmeer
Seite 27 bis 44 in: Denkschriften der Kaiserlichen. Akademie der Wissenschaften, Mathemi-nalurw.
Klasse, 5%, Band, Wien 1592.
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