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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

424 Annalen der Hydrographie und Merlimen Meteorologie, September 1908, 
Unter Aörologie ist nicht ur die Meteorologie im gewöhnlichen Sinne zu verstehen, sondern 
das neue Wort umschließt einen umfassenderen Ba nämlich auch die Erforschung der höheren 
Lmftschichten. mit Drachen- und Ballonaufstiegen, Die moderne Erforschung des Luftmeers kann sich 
nicht mehr auf die Zustände und Vorgänge der untersten. Lnftschicht beschränken, sie strebt: von der 
zweidinensionalen zu einer dreidimensionalen Untersuchung aufwärts, Die Fahrt des »Planet« ist num 
die erste gewesen, wo. diese in die Höhen der Atmosphäre vordringende Forschung einen Hauptpunkt 
im Programm bildete, und für die südhemisphärischen Breiten sowie für indische und ECG 
Yropengebiete sind die Drachen und Ballonaufstiege des »Planet« überhaupt die ersten, und wegen 
ihrer großen Zahl von EA BE für lange Zeit. Der mit ihrer Ausführung betraufe 
Offizier, Herr Oberleutnant Schweppe, bat sich dieser neuen Aufgabe mit offenbarem Eifer und Ver- 
ständnis angenommen und. die teilweise erst zu firdende und überall zu bessernde Technik derartiger 
Arbeiten in offener Hochsee schließlich mit. Erfolg bewältigt; erst sein ausführlicher Bericht Kißt den 
diesen Aufyzaben ferner stehenden Leser erkennen, welche Kt Schwierigkeiten hier zu überwinden 
waren, Die wissenschaftlichen. Schlußfolgerungen hat W, Köppen in bene Analyse dargelest, 
Es ergibt sich, daß die Temperatur der Luft innerhalb der Ko und Suhbtropen zunächst rasch und 
stelig nach oben abuimmt (26 von insgesamt, 37 vollständigen Reihen zeigen für «lie untersten 500 an 
eine fast genau schabatische Abnahme von 0.9° bis 1,.1° für je 100 m}. Im östatlantischen Gebiet hört 
dieses Sm Temperaturgefälle bei 500 bis 1000 m Höhe aufg es beginnt dann eine kangsamere Ab- 
nahme, oder die Temperatur bleibt unverändert, j sie. kann vorübergehend wieder #teigen. Solche 
zewöhnlich mit auffülliger Laufttrockenheit verbundene Inversionsschichten fanden sich in den andern 
OÖzennen erst über 900 m und meistens bel 1100 m, Aber schließlich sinkt die Temperatur doch 20, 
daß hei 4000 ader 5000 m der Gefrierpunkt überschritten wird. Was die Ursache dieser regionalen 
Verschiedenheit ist und warum diese Schichten sich in mehrfacher Wiederholung übereinander aus 
bilden, jet noch dunkel, Auffällig ist nebenbei übrigens die Tatsache, daß die Aürologen (nicht ohne 
naheliegende Bedenken) die Bezeichnung »isotherme« Schicht gebrauchen, während men eine gun 
parallele Erscheinung in der Ozeanographie seit. zwei Jahrzehnten als komothernt bezeichnet, wa Toch 
ganz unmiöverstäudlich ist, Für die Luftbewegungen in den hohen Schichten gilt, daß über den 
ea Kalmen und beiderseits etwa. 10 Breitengrade davon (im Süden mehr, im Norden weniger) 
allgemein. Sstliche Winde herrschen. Im Passat bedeutet das nur eine geringe Drebung und Ver- 
stärkung des Windes mit der Höhe, im Monsun aber von 5000 m aufwärts eine entgegengeretzte 
Strömung (unten. aus W, oben aus 0), In den änßeren Zonen der Paseste, polwärts von 10° bis in 
50° Br. wehen in der Höhe von einigen tausend Metern westliche Winde ge m IKe von 
Hergesell in der Gegend der Kanarischen Inseln gefundenen Höhenwinde ans NW erklärt Küppen 
Als eine Örtliche Erscheinung, die mit der niedrigen Oberflächentemperatur Im Kanarienstrom a an 
der westafrikanischen Küste zusammenhänge. Wie Köppen über (die Arbeiten des »Plauet« hinaus. 
greifend auch auf die neueren, für die Verbesserung der Technik so wichtigen Drachen- und Ballon- 
aufßstiege von SS. M. 8. »Möwe« und »=Vicetoria Lulse« Bezug nimmt, so erfahren. wir durch einen 
besonderen kleinen Beitrag aus der Feder Hergesellg Genaueres über die Drachenaufstioge von 
SM. &, »Sleipper« im Sommer 1004, wobei sich ergibt, daß ein solehes 20-Krotenboot für derartige 
Arbeiten besonders geeignet ist, da die Drachen auch bei Flaute oder Stille in die Höhe zu treiben 
sind, sobald das Boot volle Fahrt länft, Bemerkt zel noch, daß sich in diesem 2, Bande auch das 
meteorologische Tagebuch für die ganze Fahrtlinie von Kiel fab 22, Januar 1906) bis Hongkong (an 
17. Februnr 19 vollständig abgedruckt findet. a 
Der 3. Band pibt die Ozesnographie aus der Feder W. Branneckes, der als gelehrtes 
Mitglied an. der ganzen Ausreise des »Planet« bis Hongkong teilgenommen hat, Ein großer Tail der 
Beobachtungen ist bereits in den eingangs erwähnten vorläufigen Berichten bekannt gemacht: hier 
werden diese vollständig aufgeführt x in einer sehr besönnenen Weise diskutiert. Dies gilt zunächst 
von der Kritik der Technik der Beobachtungen, Der leichte und 20 bequem am Lotdraht zu ver- 
wendende Bigsbeeschöpfer »ist sehr gesignet zu. exakten Salzschaltsbestimmungen In größeren Tielen«, 
aber nur »wenn er richtig funktioniert«, — eine Bedingung, die leider nicht bei allen in den Handel ge- 
brachten Instrumenten erfüllt wird, Aus den kontrollierenden. Beobachtungen mit andern Wasser- 
schöpfern ist im vorliegenden Falle wohl ansunchmen, daß die mit dem Sigsbeeschöpfer erhaltenen 
Proben gemügten, Aus den zahlreichen für die Ozesnographie bedeutsamen Ausführungen, die durch 
einfache aber musreichende Übersichtskarten und Profilschnitte erläutert werden, Iasn hier ame 
Weniges hervorgehoben werden, Allgemein zeigt sich aber, daß die vzeanographische Arbeit an Bord des 
„Planet« der Wissenschaft einen wesentlichen Fortschritt gebracht hat, und zwar gilt das für alle 
Zweige der Ozeanographie, Die Anslotung des Walfischrückens, der Teilbecken der Kapmulde, des 
Syunda- wad Philippinengrabens sixl große Leistungen, die wesentlich unsere Vorstellungen vom unter. 
seeischen Bodenrelief bereichern, IMe Aeißige Arbeit mit dem Tiefsee-Thermometer und -Wasserschöpfer 
enthüllt uns namentlich fir die Ostseite m Atlantischen und einen wichtigen Teil des Indischen 
Ozeans Zustände, die, infolge früherer Arbeiten wohl achon in schwaeben Umrissen bekannt, nun eine 
achärfere Gestalt gewinnen. Das Vordringen vom kühlem, salzarmem Wasser aus den höheren Süd- 
breiten, das durch Drygals ki zuerst im brasilischen Becken klargestellt wurde, findet sich nunmehr 
für die Ostseite des Atlantischen Ozeans erwiesen bis 13° N-Br., im Indischen anscheinend nur bis 
10° S-Br. An der aufsteigenden Tendenz der äquatornahen stlantischen. Gewässer ist kein Zweifel 
angesichts nicht allein der Temperatur- und Salzgehalteanordnung, sondern auch des Sauerstoffgehkalts 
der Tiefengewässer, Auf die interessanten Schnitte des Sauerstoffgehalte und {(rechnungsmäßig zur 
Temperatur bestimmten} Sanerstoffdefizits sei hier besonders hingewiesen. In vorsichtiger Überleumg 
Seen aus den Isothermen, Isohalinen und Isopyknen (warum gebraucht der Verfasser die unzulässige 
vox hybrida: Zodensen?) die vertikalen Bewegungstendenzen. der Tiefengewässer hergeleitet für 
Manche feine Bemerkung (z. B. die Schiebungen entlang 25° S-Br. im Indischen Ozegn!) und für zahl- 
Teiche Anregungen zu künftig erwünschten Nachprüfungen kann man Herm Dr. Brennecke nur 
dankbar sein. Insbesondere die klare Dentung der Tiefenbewerungen im vordatlantischen Wasser
	        
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