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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Die Witterung and. phänologischen Erscheinungen zu Tsingtan im Jahre Dez. 1907 bis Nor, 1908, 415 
Herbst 1908, Im allgemeinen charakterisierte sich die Witterung‘ des 
vergangenen Herbstes durch ungewöhnlich hohe Niederschlagsmengen sowie hohe 
Bewölkung im September und Oktober und eine längere Reihe kühler und heiterer 
Tage im November, Diese Erscheinung, welche eine von dem gewohnten Verlauf 
der Witterungsverhälinisse des Herbstes erhebliche Abweichung kennzeichnete, 
hing mit dem Umstand zusammen, daß Tsingtau namentlich im Anfang September 
und Ende Oktober häufig in den Bereich von mehr oder weniger ausgeprägten 
Depressionen gelangte, Die überaus heftigen Regenfälle, welche vielfach ver- 
heerende Überschwemmungen herbeiführten, sowie die zeitweise einander gegen- 
üiberstehenden hohen und niedrigen Temperaturen und die wechselnden Luft- 
strömungen verdankten dem gleichen Umstand ihre Entstehung. Mit dem 
Verdrängen dieser Depressionsgebiete in östliche Richtung durch die Ausbreitung 
hoher, dem Hochdruckgebiet über dem Innern des asiatischen Kontinents an- 
gehörenden Barometerstände, trat in der ersten Dekade des November eine an- 
haltend trockene und heitere Witterung mit meist mäßigen nordwestlichen Winden 
ein, Die für diese Jahreszeit typischen Depressionen, welche die nördlicher ge- 
legenen Gegenden in west—Östlicher Richtung durchziehen, führten verschiedentlich 
zu den bekannten Nordwest-Stürmen, welche größere Temperaturstürze ver- 
ursachten, 
Die Mittelwerte der einzelnen Elemente entsprechen mit Ausnahme der 
Niederschlagsmengen durchweg den normalen Werten aus den 10jährigen Beob- 
achtungen. Der erste Frost trat am 14. November ein, die kleineren Stauweiher 
zeigten an diesem Tage eine dünne Eisdecke, 
Die Niederschläge erreichten eine Höhe von 283.9 mm gegen 114.8 mm als 
Mittelwert. Die Zahl der Regentage betrug 21, 
Der erste Sandsturm herrschte am 26. November, 
Infolge der außergewöhnlichen Niederschläge hatten Akazien und Erlen 
im September noch einen bedeutenden Höhenzuwachs; allgemein {rat jedoch 
Vegetationsruhe ein. Es begann die Samenreife bei Robinia, Pterocarye, Acer, 
Rhus, Koelzeuteria, Castanea, den Quercusarten, Thuja und Biota, 
Im Oktober trat bei den meisten Laubhölzern die bekannte schöne Laub- 
färbung mit baldigem Blattabfall ein, Der Alnus- und Pinus-Same wurde reif, 
; Der schon begonnene Blattabfall wurde im November unter der Einwirkung 
des Frostes begünstigt, Die Koniferen nahmen Winterfärbung an. Die Nadeln 
der Lärchen wurden gelb und fielen ab, 
Der Vogelzug wurde erst Ende September reger. Gänse und Reiher zogen 
in zahlreichen Zügen, Vereinzelt wurden bis Ende September noch Bekassinen 
beobachtet. Nach dem Eintreten von Nordwind stellten Wachteln und Drosseln 
sich recht zahlreich ein, Raubvögel begleiteten, wie immer, die Vogelzüge. 
Ende September und Anfang Oktober war guter Schnepfenzug, Das Standwild 
hatte sich gut entwickelt, Aus der Insektenwelt verdient besonders die neue 
Generation der Kiefernraupe Erwähnung. Trotz durchgreifender Vertilgung der 
alten Generation war dieses Insekt durch Falterflug wieder so zahlreich ver- 
treten, daß bereits im Herhst durch Absammeln der Eier und jungen Räupchen 
zu ihrer Vertilgung geschritten werden mußte, Auch der Engerling wurde an 
seinen beliebten Entwicklungsplätzen, den Komposthaufen, in großen Mengen 
gefunden und vernichtet, 
Ein kleiner Waldbrand zerstörte in der Nacht vom 9, zum 10, Oktober 
etwa 200 am eutwüchsiger Kiefernschonung, 
1907 Dezember 154,4 Std. 
1908 Sanuar 128,2 ® 
Februar 147,1 « |! 
Winter 429.7 « | 
1908 NE 
& Aprd 
« Mai 
Erühjahr 
Dauer des Sonnenscheins, 
148,3 Std. | 1908 Juni 215,7 Std. 
1785 « « Juli 195.4 « 
2203 € « August 28323 
6.1 « Sommer 6013 « 
Jahr 2252,85 Stunden, 
1908 
September 185,9 Std. 
Oktober 184,5 « 
November 202.6 «© 
Herbst 5780 «=
	        
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