Die Witterung und phänologiechen Erscheinungen zu Teingtau im Jahre Dez, 1907 bis Nov, 1908, 413
bisherigen Beobachtungsjahre (1898 bis 1907) abgeleiteten Werte zum Vergleich
heran, 0 ergibt sich folgendes Verhältnis:
10 jähriges Mittel == 53.1 mm,
September 1908 = 185.9 mm,
also mehr als das 31l/,fache der normalen Niederschlagshöhe, Dabei ist die Zahl
der Regentage durchaus nicht sehr hoch. Rechnet man zu diesen alle, auch
solche, an welchen unmeßbare Mengen niedergegangen sind, so ergeben sich 9,
zählt man dagegen die Tage mit solchen geringfügigen Niederschlägen nicht mit,
so stellt sich die Zahl auf 7; das entspricht genau der mittleren Anzahl aus
L0 Jahren. Unter diesen Regentagen waren jedoch allein 3 mit mehr als 20 mm
innerhalb 24 Stunden; am 4. wurde sogar eine Höhe von 71.1 mm, am 7, eine
solche von 69.2 mm gemessen. Es ist hierbei ferner zu beachten, daß es an
diesen Tagen nicht ununterbrochen regnete, sondern der Regen in einigen
Schauern von kurzer Dauer niederging, So fielen beispielsweise am 4. in der
Zeit von 10 bis 11% V, allein 36.3 mm und am Morgen des 7, von 3'/, bis 41/4
38,2 mm Regen, Bedenkt man nun, daß in den regenarmen. Jahren die Menge
des Niederschlags sich bis auf wenige Millimeter reduziert (1901; 3.6 mm), so
zewinnt man ein deutliches Bild von der großen Regellosigkeit, mit welcher
dieses Element hier aufzutreten pflegt. Bei der großen Gewalt, mit welcher
die Regenmengen niederkamen, sind namentlich an den chinesischen Häusern
sowie an den Verkehrswegen allerlei Schäden entstanden, wenngleich dieselben
auch dank der verschiedensten Vorbeugungsmaßnahmen — Abflußregulierungen
usw, — nicht mehr solchen Umfang wie in früheren Jahren annehmen konnten,
Die Luftfeuchtigkeit überschritt mit 77%, bei 14.5 mm Dampfdruck um
atwa 4° den 10jährigen Mittelwert; mit dem häufigeren Auftreten der trockenen
Winde aus dem Innern macht sich eine schnelle Abnahme der Luftfeuchtigkeit
bemerkbar,
Die Bewölkung betrug 5.6 Zehntel. Als heitere Tage kamen 4, als trübe
3 zur Auszählung,
Die Sonnenscheindauer betrug 185,9 Stunden = 50°, der möglichen Dauer.
Oktober 1908. Im Monatsanfang lagerte ein Gebiet hohen Luftdruckes
über dem mittleren und nördlichen China, während Depressionen die japanischen
[nseln und die südliche Chinasee bedeckten, Die Witterung war bei leichten bis
{rischen nördlichen Winden warm und heiter, Mit dem 3, drang das Hochdruck-
gebiet östwärts und erstreckte sich am 5, von Korea bis Yesso mit einem Maximum
über dem japanischen Meere. An seiner westlichen Seite kam Teingtau am 6. in
den Bereich der von Süden her nachdrängenden Depression, die Witterung wurde
an diesem und dem folgenden Tage regnerisch, Mit dem weiteren Fortschreiten
des Tiefdruckgebietes in nordöstlicher Richtung machte ein neues von Nordwesten
vordringendes Maximum seinen Einfluß über Nordchina geltend, nur am 13. und
14. führte eine über die südlichen japanischen Inseln fortziehende Depression vor-
übergehend östliche Winde bei trüber Witterung herbei, Im allgemeinen jedoch be-
hauptete das Hochdruckgebiet seine Herrschaft bis zum 21. Leichte, vorwiegend
aus südöstlicher und nordwestlicher Richtung wehende Winde bei normaler Tem-
peratur und meist heiterem Himmel waren vorherrschend, Ein größerer Um-
schwung in der Wetterlage leitete sich am 22. ein. Eine im oberen Tale des
Yangtsekiang erschienene Depression schritt rasch nordostwärts vor und führte
in Tsingtau zu anfangs frischen bis stürmischen südöstlichen, mit dem weiteren
Vordringen des Minimums in seinem Rücken zu stürmischen nördlichen Winden,
Am 23, und 24, gingen starke Regengüsse nieder, die Temperatur sank unter
dem Einfluß der heftigen nördlichen Winde um mehrere Grad, Nachdem die
Depression unter langsamem Abflauen des Windes bis zum japanischen Meer
vorgedrungen war, vereinigte sie sich mit einem neuen von Norden her kommenden
Minimum und führte in Wechselwirkung mit einem über Nordehina sich aus-
ausbreitenden Gebiet hohen Luftdruckes am 27. erneut stürmische Winde herbei,
Mit dem 28, zog das Depressionsgebiet ostwärts ab, und die Witterung wurde
bis zum Monatsschluß bei schwachen nördlichen Winden und heiterem Himmel
Frieder etwas wärmer.