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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Die Eisverhältnisse des Winters 1908/09 in den außerdentschen Gewässern der Ostsee usw. 397 
weise starke Nachtfröste, aber bis auf 9 Grad steigende Tagestemperaturen auf- 
wies, dauerte vom 28, Februar bis 18, März, 
Das erste Eis erschien am 10. November an der Mündung der Ems bei 
Delfzijl sowie in der Laumers-See an der Mündung der Reitdiep bei Zoutkamp. 
Die Schiffahrt blieb jedoch unbehindert, Starke Eisbildung trat erst während 
der zweiten Frostperiode (vom 26, Dezember bis zum 1. Januar) auf, und zwar 
in allen Gewässern Hollands fast genau gleichzeitig, Die Temperaturen sanken, 
wie eingangs schon erwähnt, in dieser Zeit bis zu 15 Grad unter den Gefrier- 
punkt, Am 28. wurden die Leuchtfeuer in der Zuldersee gelöscht, und die 
Schiffahrt konnte hier, da die ganze See voller Treibeis war, als geschlossen 
betrachtet werden, Dasselbe gilt für den Stromlauf der Yssel, Am 29. kam von 
Amsterdam die Nachricht, die Schleusen des Merwede-Kanals seien geschlossen 
and somit die Verbindung zwischen Utrecht und Amsterdam durch den Merwede- 
Kanal eingestellt worden, Am 28, Dezember gerieten in der Nähe der Küste 
einer Meldung aus Texel zufolge einige Fischfahrzeuge im Eise fest and wurden 
durch die Schlepper »Ada von Holland« und »Dragaard« aus ihrer Lage befreit, 
Am 29. kam ferner die Nachricht aus Amsterdam, der Schlepper »Johanna 
Wilhelmina«, der am 28, mit 5 Fahrzeugen im Schlepptau von dort abgegangen 
war, säße bei Nieuwersluis im Eise fest; die Schiffahrt von Amsterdam nach 
Nieuwediep sei eingestellt worden, Am 30, wurden mehrere Eisbrecher nach der 
Höhe von. Ameide beordert, da hier einige Schlepper im Eise festgekommen 
waren, An demselben Tage mußte der Fährdampferverkehr zwischen Nivingen, 
Middelburg und Rotterdam eiseshalber eingestellt werden. Aus Antwerpen kam 
auch am 30. Dezember die Nachricht, die Kanäle und Reviere seien zum 
größten Teile mit Eis bedeckt, die Binnenschiffahrt sei deshalb fast überall be- 
hindert. Am 2. Januar wurde gemeldet, der Schlepper »Iysylong« sei mit drei 
anderen Schleppern in See gegangen, um einigen bei Ameide im Eise fest- 
geratenen Fahrzeugen Hilfe zu bringen. 
Am 2. Januar (nach Schluß der Frostperiode) setzten sich die Eisfelder 
bei Texel in Bewegung; die Schiffahrt war nur bei Flut möglich. Am folgenden 
Tage aber wurde dort das Eis im Hafen durch Dampfer aufgebrochen, und bei 
Flut war die Küste eisfrei; die Fischereiflotte ging in See. Aber erst am 6. 
konnte hier nach dem Eintreten milder südwestlicher Winde die Schiffahrt 
überall wieder aufgenommen werden, An diesem Tage war jedoch einer Nachricht 
aus Antwerpen zufolge die Schiffahrt zwischen Gent, Termonde und Antwerpen 
noch nicht völlig frei. In Antwerpen lagen noch eine große Anzahl Schiffe, die 
auf das Freiwerden der Passage nach Gent warteten. Am 15, hatten die Eis- 
verhältnisse sich so weit gebessert, daß die Dampfer »Zwolle«, »Groningen IIL«, 
‚Amsterdam«, »Heemstra« und »Alberta Wilhelmina« abgehen konnten, um über 
die Zuidersee die verschiedenen Bestimmungsorte Hampen, Lemmer, Harlingen 
und Harderwiik zu erreichen. Auch der Merwede-Kanal wurde wieder schiffbar; 
am 15, konnte die Verbindung zwischen Rotterdam und Amsterdam via Vreeswijk 
wieder aufgenommen werden, Die Ems wurde schon am 11. Januar wieder völlig 
sisfrei, auch die Binnenschiffahrt konnte bald wieder betrieben werden; das Eis 
wurde hier durch Schlepper gebrochen und trieb rasch seewärts, 
Wenn nun auch die Dampfschiffahrt fast überall wieder aufgenommen 
werden konnte, so blieb doch der Verkehr mit kleinen Fahrzeugen noch weiter- 
hin behindert, Bald sollte aber auch der Dampferverkehr wieder Stockungen 
erleiden, da am 22. Jannar von neuem eine (bis zum 27. reichende), wenn auch 
weniger strenge Frostperiode einsetzte. Am 25. kam von Ymuiden die Nachricht, 
im und um den Noordzee-Kanal bilde sich neuerdings Eis, Am 27, trafen eine 
ganze Anzahl Nachrichten ein, die ein ziemlich klares Bild von den KEisver- 
hältnissen ergaben. Zunächst wurde aus Antwerpen berichtet, der schon am 26, 
mit großer Verspätung eingetroöffene Dampfer »Burgemeester W, K. Baron 
van Dedem« (verkehrt zwischen Hoorn und Amsterdam) habe seine Fahrten 
eingestellt, der Nachtdampfer »Hampen« sei liegengeblieben, und die Fahrt über 
die Zuidersee sei geschlossen. Ferner wurde einem Bericht aus Delfzyl zufolge 
am 27. die Fahrt nach Emden wieder unterbrochen, und die Binnengewässer
	        
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