Die Eisverhältnisse des Winters 1908/09 in den außerdentschen Gewässern der Ostees usw. 393
Busens verlief; die Null-Isotherme zog sich von Mittelnorwegen an Wisby vor-
über nach dem Schwarzen Meere hin. Diese Frostverhältnisse hielten sich nahezu
unverändert bis zum 14, November.
Darauf trat ein durchgreifender Witterungswechsel ein. Der Kern des
genannten Hochdruckgebiets hatte sich am 15. November südwärts verlagert und
bedeckte an diesem Tage Westrußland. Dabei waren westliche bis südwestliche
Winde im den Gewässern der nördlichen Ostsee eingetreten, so daß hier die
Temperaturen wieder auf nahezu 0 Grad stiegen, Ein Kältepol von — 20 Grad
lag an diesem Tage in Innerrußland, und strenger Frost herrschte auf dem
Kontinent bis tief in Deutschland hinein, Am folgenden Tage verlief die —5 Grad-
Isotherme längs der deutschen Küste,
Als am 17. November eine umfangreiche Depression bereits den ganzen
Norden einnahm (das Hochdruckgebiet hatte sich nach Südosteuropa verlagert)
trat eine weitere Temperaturerhöhung ein, und am 18, war die ganze Ostsee frostfrei,
Schon am folgenden Tage aber drang von Norden her erneut ein Kälte-
gebiet südwärts vor, Beim Abzug der Depression nach Osten, traten nördliche
Winde ein, und die —5 Grad-Isotherme umgrenzte Skandinavien und Finnland,
Am 23, November hatte sich der Kern einer Depression nach Südschweden
verlagert und ozeanische Luft nach Europa transportiert, unter deren Einfluß
die Temperaturen über den Ostseegebieten etwas höher stiegen, aber noch unter
dem Gefrierpunkt verharrten, N
Hierin trat am 26, November eine Anderung ein, indem bei dem Vorüber-
gang einer Depression im Norden bei südwestlichen Winden Tauwetter eintrat.
Diese Wärmeverhältnisse blieben unter dem Einfluß im Norden yorüberziehender
Depressionen bis zum 1. Dezember bestehen,
Am 23, setzte abermals eine Frostperiode ein, die jedoch nur bis zum 6. De-
zember währte; dann führte am 7, Dezember wieder eine Depression wärmere
Luft vom Atlantik herbei, so daß wieder über dem Ostseegebiet Temperaturen
nahe dem Gefrierpunkt eintraten. .
Am 12, Dezember stellte sich über dem östlichen Ostseegebiet wieder ge-
lnder Frost ein, der sich allmählich verminderte; er wurde verursacht durch eine
südöstliche Luftströmung, die nach einer heranziehenden Depression gerichtet war.
Nun hielten sich die Temperaturen über den Ostseegebieten nahe dem Ge-
frierpunkt, da fortgesetzt Depressionen über den Norden hinzogen, bis zum
25, Dezember.
An diesem Tage aber erschien über Nordskandinavien ein Hochdruckgebiet,
das sich bis zum 1. Januar allmählich nach Innerrußland verlagerte und stärkeren
Frost mit sich brachte, Die — 10 Grad-Isotherme erstreckte sich am 31. Dezember
von Nordskandinavien nach der Ostküste Schwedens, von dort parallel der
deutschen Küste mitten durch das Ostseebecken hindurch.
Schon am 3. Januar aber hatten sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt
wieder genähert, da eine neue aflantische Depression neue Erwärmung herbeiführte.
Am 6. Januar stellte sich dann wieder eine kurze Frostperiode ein, die
über Finnland und Skandinavien sehr tiefe Temperaturen aufwies. Am 8. Januar
zog sich eine —20 Grad-Isotherme durch Nordfinnland hindurch. Diese Periode
wurde durch östliche Winde verursacht, die nach einer herannahenden Depression
hinströmten.
Bei dem fortgesetzten Vorübergang von Depressionen im Norden wechselte
gelinder Frost mit Tauwetter in den Ostseegebieten ab, bis am 19, Januar eine
durchgreifende Änderung eintrat, indem über Westrußland ein Hochdruckgebiet
erschien, das von Osten her vordringenden Frost zur Folge hatte. Er blieb be-
stehen bis Ende März, da bis dahin eine ausgesprochene Westströmung nicht
erfolgte. Wiederholt sanken während dieser langen Frostperiode die Tempera-
turen in den Gebieten der östlichen Ostsee unter 20 Grad unter dem Gefrierpunkt.
Nach einer kurzen Unterbrechung am 1. April, wo eine vorüberziehende
Depression im östlichen Östseegebiet Temperaturen nahe 0 Grad herbeiführte,
setzte wieder Frost ein, der erst am 27, April durchgreifendem. Tauwetter wich,
das die Frostzeit des letzten Winters beendete,