Die Eisverhältnisse des Winters 1908/09 in den außerdeutschen der Ostsee usw. 389
2. Der Rigasche Meerbusen, Anfang März war die Düna noch fest zu-
zefroren. Am 8. wurde mittels zweier Eisbrecher, denen sich der »Jermak«
noch zugesellte, mit dem Aufbruch der Düna-Mündung und der Seegats be-
yonnen, Am 10, wurde die Fahrrinne im Seegat eisfrei. Auf der Düna begann
jer Eisgang am 10. April. Auf der See war noch am 22, unverändert kein
offenes Wasser sichtbar, Von sechs auf der Seereede gelegenen Dampfern
brachten die Eisbrecher »Jermak« fünf und »Herkules« einen in den Hafen
von Bolderaa. Am 24, wurde die Düna als eisfrei signalisiert, Am 3, Mai
wurde gemeldet, die See sei eisfrei, Der Eisbrecher »Jermak« war schon einige
Tage vorher nach Reval abgedampft.
3. Der Finnische Meerbusen,. Die Eisverhältnisse waren den ganzen Winter
hindurch allenthalben äußerst schwierig; doch gelang es vielfach, mit Hilfe der
schweren Eisbrecher das Eis zu forcieren und einige Dampfer in die Häfen zu
bringen. Ohne Eisbrecherhilfe könnten Dampfer erst am 4. März den Hafen
von Reval erreichen und verlassen, Am 18. befanden sich sechs Dampfer im
Hafen, die teils löschien, teils luden. Am 13. April wurde von Reval gemeldet,
in der nördlichen Hälfte des Finnischen Meerbusens hätten sich nach dem Be-
richt zahlreicher Kapitäne die Eisverhältnisse günstig gestaltet,
Am 19. April begann das Eis bei Kronstadt aufzubrechen; doch erst am
14. Mai war die Schiffahrt unbehindert. Noch länger hielt sich das Eis in den
Häfen auf der finnischen Seite des Golfs. In Wiborg wurde erst am 12, Mai
mittels KEisbrecher zwei Dampfern die Möglichkeit gegeben, einzulaufen, In
Kotka wurde die Schiffahrt am 12, Mai eröffnet, ebenso in Lowisa,
Etwas früher als in den soeben genannten Häfen wurde die Schiffahrt in
Helsingfors eröffnet. Als erster Dampfer lief dort am 28, April der »Tarmo«
ein und schon am 5, Mai konnte Helsingfors als eisfrei bezeichnet werden, Den
yanzen März und April hindurch betrug dort die Stärke des Eises noch über
50 cm. Ekenäs am Eingang des Golfes wurde noch früher, nämlich am
29. April, eisfrei.
4. Der Nordbotten. Der ungewöhnlich strenge Winter machte sich be-
sonders in dem Nordbotten bemerkbar. Eine Nachricht vom 24, März aus
Sundsvall besagt, für eine lange Reihe von Jahren hätten sich nahe der Küste
nicht so starke Eismassen befunden wie im letzten Winter, von Bremön-Leucht-
feuer habe man in den letzten Wochen nirgends offenes Wasser gesehen, Dieses
Leuchtfeuer wurde am 10, April wieder angezündet, nachdem das Eis aufzugehen
begann und sich darin eine offene Rinne bildete. Unter demselben Datum wurde
ron Gefle gemeldet, in den dortigen Schären und darüber hinaus, so weit das
Auge reiche, erstrecke sich das Eis nach der See, die gelinde Witterung der
letzten Tage habe nicht vermocht, das Eis zu brechen, sie habe jedoch die darauf
lagernde hohe Schneedecke weggeschmolzen. Der erste Beginn der Schiffahrt
wurde unter dem 28. Aprıl gemeldet; das Eis in der Gefle-Bucht sei von dem
Eisbrecher gebrochen, so daß der Verkehr nach Strömsbro und Bombus auf-
genommen werden könne; im Außenfjord läge das Eis jedoch noch ungebrochen
fest, Erst am 8, Mai wurde die Schiffahrt eröffnet, Als erster traf der englische
Dampfer »Nora« in dem Hafen ein, An demselben Tage versuchte der Dampfer
»Unö« in Sundsvall einzulaufen, er kam jedoch nur bis Katrineborg; das Eis Zwischen
Vindskarsvarg und Tjufholmen war noch 15 Zoll stark und mußte erst durch
Eisbrecher aufgebrochen werden. Am 16. Mai kam die Nachricht über Gefle,
kolossale Eismassen füllten den ganzen südlichen Teil des Bottnischen Meer-
busens, und stellenweise hätten sich dieselben zu hohen Eisbergen zusammen-
geschoben; bei dem 40 Seemeilen von Gefle entfernten Simgrunde lägen die Eis-
schollen haushoch übereinander getürmt; in Öregrund lägen die Dampfer
‚Gefle«, »Oskar IIe, »Nya Söderhamne, »Presto«, und »Carma« und bei Örskär
der Dampfer »Jane« sowie die Schlepper »Gallicke und »Ottilie« mit Leichtern,
sowie eine Anzahl Segler, Bald darauf, nämlich am 18, Mai, wurde die Schiffahrt
in Gefle als »ungehindert« signalisiert, in Hudiksyall am 19. Mai. In Sundsvall,
wo, wie schon. erwähnt, als erster Dampfer der Saison der »Unö« am 8 ein-
getroffen war, wurde die Schiffahrt für Segler am 15. Mai eröffnet, Aus Hernö-
sand kam am 1, Mai die Nachricht, das Eis beginne jetzt porös zu werden, man