Boler, SI. CC: Die Bodenformen und Strömungen des Karalbischen Meeres. 349
nicht auf von der Oberfläche aus wirkende Kräfte zurückgeführt werden, sondern
ist aufs engste verbunden mit dem Aufbau der die Becken einschließenden Ge-
birgszüge in früheren geologischen Epochen. Die Bildung der Campeche-Bank
nördlich von Yukatan sowie der Bänke südlich von Galveston und westlich der
Florida-Küste führt Soley auf Ablagerungen aus den Strömungen zurück, Wenn
auch Ablagerung von Sinkstoffen auf den Bänken stattfindet, sa kann man doch
nicht die Entstehung der Bänke selbst auf Ablagerungen zurückführen, diese
dürfte vielmehr mit der Bildung der Becken bzw. dem Aufbau der diese ein-
schließenden Küsten ursächlich zusammenhängen, wie namentlich die den Süd-
rand der Florida-Bank bildenden Florida-Riffe zeigen (vgl. die brit, Admiralitäts-
karte Nr. 392), Die auffallendste Bildung im amerikanischen Mittelmeer ist der
Cayman-Graben, der von der Kubanischen Tiefe im Norden dureh das schmale
Cayman-Riff, von der Karaibischen Tiefe im Südosten durch die Verflachungen
zwischen Honduras und Jamaika und Haiti getrennt ist, Der Graben ist nur
atwa 50 Sm breit, er erstreckt sich von der südlichen Einbuchtung der Yukatan-
Halbinsel nach Osten bis südlich von Cuba. In der Nähe der tiefsten Stellen
des Grabens liegt das Grand Cayman-Riff, das an einer Stelle nur 20 Sm entfernt
von einer Tiefe von über 6000 m liegt, ebenso ist auch die Swan-Insel nur 15 Sm
entfernt von der 5500 m Tiefe des Grabens,
Eine weitere eigentümliche Erscheinung dieser Meere ist die Menge von
Treibprodukten, die häufig von Schiffen angetroffen werden und die der Rich-
tung der Strömungen so genau folgen, daß sie als Golfkraut bekannt sind,
hauptsächlich, weil ihre Bewegungen übereinstimmen mit denen des großen
Golfstroms selber, Diese Wasserpflanzen wachsen an allen Ufern des Festlandes
des Karaibischen Meeres und auch der Inseln, die das Meer einschließen. Jeder
Streifen Silbersandes in diesen Gewässern ist umgeben von weiten grünen Algen-
bändern, die am felsigen Ufer wachsen, ernährt von den warmen Wassern des
Karaibischen Meeres und befruchtet durch den vulkanischen Staub, der aus der
Luft niederfällt, Während des Frühlings und Sommers wachsen diese großen
Felder sehr üppig, hin und her bewegt durch die leise Bewegung des Wassers
and eingelullt vom tiefen Gemurmel des Karaibischen Meeres; aber wenn in den
ersten Monaten des Herbstes die Elemente ihren wilden Tanz beginnen, reißen
die Wasser, vom wütenden Orkan zu Schaum zerpeitscht, die Pflanzen aus ihrem
felsigen Bett und schicken sie auf ihre lange Wanderung, dahingetragen von
den großen Äquatorialströmungen, durch das Karaibische Meer und das Kubanische
Meer zu dem Engpaß im Yukatan-Kanal; sie werden zusammengetrieben in
schwimmende Inseln, die die Meeresoberfläche in eine grüne Wiese verwandeln,
soweit das Auge reicht. Wenn diese treibenden Massen in den weiten Golf yon
Mexiko gelangen, breiten sie sich aus und werden durch Winde und Strömungen
in. langen Windwellen angeordnet mit derselben überraschenden Gleichförmigkeit
und Rücksicht auf Einzelanordnung, die überall bezaubert, wo die Natur Hand
anlegt; einerlei, ob in den Linien und Farben einer Pfauenfeder, den Streifen
auf eines Tigers Rücken oder dem genauen Kreise des mächtigen Kraters, Die
Felder werden allmählich zerteilt und die Kettenlinien treiben dahin mit dem
Golfstrom und erreichen schließlich ihren Hafen im Sargassomeer,
Die Nord- und Ostaberenzung des Karaibischen Beckens bilden zwei schmale
Höhenzüge, Jamaica, Haiti und Porto Rico im Norden und die Kleinen Antillen
im Osten. Nördlich des ersteren Höhenzuges liegen der Cayman-Graben (Bart-
jett-Tief) und der Porto Rico-Graben (Nares-Tief), im Süden die Karaibische Tiefe,
ebenso liegt östlich des zweiten Höhenzuges, der Kleinen Antillen, eine über
5000 m tiefe Einsenkung, so daß die Inselgruppen steil aus der Tiefsee aufragen,
Auf beiden Inselzügen finden wir Spuren vulkanischer Tätigkeit, jedoch ist der
nördliche Rücken älter und starrer wie der Östliche, beide Inselgruppen haben
Ablagerungen, die zeigen, daß sie in früherer Zeit während langer Perioden unter
Wasser sich befunden haben. Überall dort, wo sich große Unterschiede im Relief
der Erdkruste zeigen, treten häufig Erdbeben auf, so auch in den das Karaibische
Meer umgebenden Höhenzügen, welche in Zusammenhang mit den großen Bruch-
inien der Erde stehen, Besonders häufig sind die Erdbeben im nördlichen Teil,