Weittbewerb-Prüfung: von. Marine-Chronometern im Winter 1908—1008. 839
Am 27, Oktober 1908 traten, wie in der Aufforderung zur Wettbewerb-
Prüfung vorgesehen, die Sachverständigen zu einer Prüfung zusammen, Diese
Sachrerständigen waren:
Chronometerfabrikant F, Dencker-Hamburg,
» E. Sackmanı jun.- Altona,
(4. Schlesicky-Frankfurt a./M.
und der Direktor der Ührmacherschule in Glashütte 1/Sa, Professor L. Straßer,
Außerdem war der Chronometerfabrikant E. Bröcking als Beirat der Deutschen
Seewarte sowie als Ersatzmitglied zugegen, Endlich nahmen an der Sitzung teil
der Direktor der Deutschen Seewarte (als Vorsitzender} und die Beamten der
Abteilung IV. Den Sachverständigen lag eine doppelte Aufgabe ob, Einmal
war festzustellen, ob sämtliche eingelieferten Instrumente (deutsche und aus
Jändische) in. der technischen Ausführung genügend seien, Sodann, hatten sich
die Sachverständigen darüber zu entscheiden, ob die als »Chronometer deutscher
Arbeit« bezeichneten. Instrumente den im Aufruf angegebenen Bedingungen ent-
sprächen, Bezüglich der technischen Ausführung hatten die Sachverständigen zu
einem Ausschluß keine Veranlassung; dagegen stellte sich bei der Prüfung der
als »deutsch« bezeichneten Instrumente heraus, daß ein Instrument infolge eines
Yrrtums des Fabrikanten mit einer englischen Kette versehen war. Dieses
Chroanometer konnte daher auch nicht als »Chronometer deutscher Ärbeit« an-
erkannt und zum Wettbewerb um einen Preis zugelassen werden,
Auf Grund der Untersuchung durch die Sachverständigen konnten sämt-
liche eingelieferten 89 Instrumente in die Prüfung eingestellt und das oben er-
wähnte Chronometer Kurtz Nr. 108 zur Teilnahme an der Prüfung *außer
Wettbewerb« zugelassen werden, Von diesen Instrumenten wurden die im Anfang
des Berichtes namentlich angeführten 54 Instrumente »deutscher Arbeit« mit der
Anwartschaft auf Preiserteilung eingestellt,
‚. Zu Beginn der Wettbewerb-Prüfung wurden sämtliche Clironometer zu-
nächst einer zehntägigen Voruntersuchung bei Zimmertemperatur unterzogen, um
den Gangunterschied zwischen dem ersten und zweiten Gangtage festzustellen,
Hierbei wurde der zulässige Höchstunterschied von 1.50°% von keinem Instrument
erreicht, .
Nach Abschluß der Voruntersuchung wurden die Chronometer allmählich auf
30°C. angewärmt. Sodann (November 27) wurden dekadenweise die Temperaturen
830° 25° 20° 15° 10° 5° 5° 10° 15° 20° 25° 30°
möglichst innegehalten, und zwar wurden beim Übergang von einer Dekade zu
einer anderen stets allmähliche Temperaturänderungen vorgenommen. Während
der beiden letzten Dekaden (März 27-— April 16) wurde die Temperatur allmählich
von 30°C. bis auf Zimmertemperatur vermindert, Während der vorliegenden
Prüfung ist es durchweg erreicht worden, die beabsichtigten Mitteltemperaturen
herzustellen,
Gleichzeitig mit den Chronometern wurden die Thermochronometer (nicht
kompensierte Chronometer) Eppner Nr. 20 und Tiede Nr, 108 verglichen. Die
möüttleren täglichen. Gänge derselben sind am Fuße der Tabelle auf S, 342 angegeben,
Unter den Rubriken, welche diese in Sekunden ausgedrückten Werte enthalten,
folgen alsdann die aus den täglichen Ablesungen der meteorologischen Instrumente
gebildeten Mitteltemperaturen sowie die Extreme der während der betreffenden
Dekade beobachteten mittleren Tagestemperaturen, In der letzten Reihe sind schließ-
lich die Mittelwerte der an den Koppeschen Hygrometern abgelesenen relativen
Feuchtigkeiten im Innern des Prüfungsapparates angegeben,
Wie in früheren Jahren wurden die Chronometer an jedem zweiten Tage
um 10 Uhr vormittags mit den Normaluhren der Abteilung IY der Deutschen
Seewarte auf chronographischem Wege verglichen, Zur Herstellung einer unab-
hängigen Kontrolle wurde außerdem an jedem Dekadentage eine zweite Ver-
gleichung der Chronometer in unmittelbarem Anschluß an die erste vorgenommen.
Die regelmäßigen. zweitägigen Vergleichungen der Chronometer, die Kontroll-
vergleichungen sowie die erforderlichen Zeitbestimmungen wurden durch die
Beamten. der Abteilung IY ausgeführt.