Neuere Veröffentlichungen,
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Nautik interessiert, einen fesselnd geschriebenen Beitrag, In dem nicht nur die neuen Forschungen (des
Verfassers zur Geltung kommen, sondern unter kritischer Berücksichtigung der älteren Studien von
Breusing, A, E. v. Nordenskiöld, H. Wagner, Steger, Ruge und v, Wieser die Entstehung
der mittelalterlichen Seckarten unter dem Finfluß der Erfindung des Kompasses und in ursächlichem
Zusammenhang mit den italienischen Portolanen (Segelhandbücher oder Hafenbücher) geschildert wird.
Im |, Kapitel gibt Kretschmer eine kurze Geschichte der Entwicklung des Seeverkehrs und
der Nantik im Altertum und Mittelalter, Schon bei den Phünikern finden wir, wie bei den Griechen
and Römern, Segelhandbücher (sogenannte Periploi), die aber in der Hauptsache mir die Entfernungen
zwischen den einzelnen Küstenpunkten enthalten. Ahnliche Segelhandbücher (Portolane) haben auch
die Italiener im Mittelalter geschaffen, welche aber neben der Distanz auch den Kurs (vom 12. Jahr
hundert an) angeben, eine Folge der Erfindung des Kompasses, War man im Altertum gezwungen,
mit vereinzelten Ausnahmen stets entlang (der Küste von einem Ort zum andern zu fahren, so befähigten der
Kompaß und die im 13. Jahrhundert mit Hilfe des Kompasses geschaffenen Seekarten den Schiffer, sich von
der Küsteplinie zu befreien und auf einem bestimmten Kurse sein Ziel auch außer Sicht des Landes zu er-
‚eichen. Die Entstehung dieser Seekarten Ist nun eine viel umstrittene Frage; hiermit beschäftigt sich das
zweite Kapitel, Neben den ziemlich phantastischen Weltkarten, die schon das Altertum besaß, traten
gegen das Ende des 18. Jahrhunderts unvermittelt, die Seekarten auf mit guter Wiedergabe der Küsten-
konturen; die Karten sind mit einem Netz von Kömpaßlinien überzogen, die von einer 16 teiligen
Strichrose in der Mitte nach 16 andern Rosen hinführen, Während nun A. E. Nordenskiöld und
H. Wagner der Ansicht sind, daß vor den italienischen Seekarten schon ältere Aufnahmen der Küsten
ahne Kompaß vorlagen (die uns aber nicht erbalten sind. und von denen wir keine Kunde haben),
kommt Kretschmer in seinen scharfeinnigen Untersuchungen zu dem Schluß, daß die Kompaßkarten
nur eine kurze Spanne Zeit zu ihrer Entwicklung nötig gehabt haben, daß ein ursächlicher Zusammen-
hang zwischen Kompaß und Karte bestehe, und daß eine Hauptrolle für den Entwurf der Karten die
Portolane gespielt. haben, die auch als die Träger der Übermittlung der Kenntnisse des Altertums zum
Mittelalter anzusehen sind, indem sich die Portolane aus den Periploi, den Segelhandbüchern der Alten,
entwickelten.
Von den mannjgfachen Fragen, die im Gange der LE gestreift werden, sei hier
nur aufmerksam gemacht auf die Erklärung Kretschmers bezüglich des Mißverhältnisses des MaBß-
stabes zwischen den atlantischen und den Mittehneerküsten, ferner auf die Frage nach der Erfindung
der Form des Schiffskompasses sowie des Einflusses der magnetischen Deklination af die Orientierung
des Kartenbildes der Seekarten. — Das Werk Kretschmers wird wesentlich zu einer Klärung
mancher der strittigen Fragen beitragen; sein Studium ist jedem, der sich für die Anfänge und Ent-
wicklung der Nautik und ihrer Hilfsmittel interessiert, warm zu empfehlen. W. Brennecke.
Fitzner, Rudolf: Die Regenverteilung in den deutschen Kolonien. 8% IV und
115 Seiten, Berlin 1907. Herrmann Paetel. Preis 4 A.
in dem vorliegenden Werk bringt. der Verfasser eine schr sorgfältige Zusammenstellung der
picher veröffentlichten Regenbeobachtungen aus den deutschen Kolonien und unterzieht dieselben einer
eingehenden Besprechung. Bei der steigenden Bedeutung unserer Kolonien dürfte die Berechnung dieses
wichtigsten, allerdings auch den größten Schwankungen unterworfenen klimatischen Faktors besonderes
Interesse bieten. Da die Beobachtumgsreihen bei vielen Stationen nur recht kurz sind, dürften die vor-
Gegenden Werte bei späteren Bearbeitungen zum Teil wohl noch erhebliche Anderungen erfahren.
Eine sehr willkommene Beigabe ist dem Interessenten das reichhaltige Literaturverzeichnis,
weiches der Besprechung jeder Kolonie vorausgeht, Von unseren beiden En Kolonien Deutsch-
Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika ist je eine Karte der jährlichen Niederschlagshöhe beigegeben,
Für die Klimatologie unserer deutschen Kolonien hat der Verfasser in diesem Werk eine Arbeit
ron grundlegender Bedeutung geboten, I Hd.
Berichtigung. Der Titel des »Ann. d. Hydr. usw.« 1909 S, 282 besprochenen
Buches ist durch den folgenden zu ersetzen: Deutscher Schiffbau 1908, heraus-
yegeben aus Anlaß der ersten Deutschen Schiffbau-Ausstellung in Berlin 1908,
Chefredakteur Geheimer Regierungsrat Professor Oswald Flamm, Charlottenburg,
Verlag Carl Marfels A.G, Berlin, Preis 3 X.
B. Neueste Erscheinungen im Bereich der Seefahrt- und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten,
a. Werke,
Witterungskunde,
U. 8. Weather Bureau: Report on the temperatures and vapor tensions of the U, S. reduced
to a. komogeneous system of 24 hourly observations for the 38 yecr interval, 1873—1905.
H. Bigelow, 4% 302 p. Washington 1908, Government Printing Office
Meteorologieal Office London: Codex of resolultons adopted at international meteoro-
logiecat ES 1872-1907, Prepared at the request of the International Meteorological
Committee. H. HM. Hildebrandsson and 6. Hellmann. Engl. edit. 3°. S0p. London 1909,
Darling and Son, Ish, 3d.