396 Aynaloı der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1909,
schiffahrt niemals unmöglich, und in beiden Häfen hatten Segler nur an 14 bzw
17 Tagen Schwierigkeiten, Die schon früher ausgesprochene Vermutung, daß
diese Erscheinung auf die siete Bewegung des KEises durch die auslaufende
Strömung zurückzuführen sein dürfte, erhält wegen dieser den Vorjahren analogen
Eisverhbältnisse neue Bestätigung,
Besonderes Interesse bietet der Hafen von Neufahrwasser dar, der diesmal
mit 135 Eistagen unter allen Eisbeobachtungsstellen au erster Stelle steht. Trotz-
dem. fortgesetzt Eisbrecher in Tätigkeit waren, mußte an 52 Tagen die Schiffahrt
ganz geschlossen werden, während außerdem an ebensoviel Tagen die Segel-
Schiffahrt verhindert war. Die Erklärung, daß diese außergewöhnlichen Eis-
verhältnisse wesentlich auf die Temperaturen des oberen Weichselgebiets zurück-
geführt werden müßten, dürfte den Tatsachen entsprechen; denn wie die
Temperaturkurven der Ostseeküste erkennen lassen, herrschte von Mitte Januar
bis Ende März starker Frost, der im oberen Weichselgebiet besonders stark zur
Geltüng gekommen sein dürfte, Gewisse Ähnlichkeit mit Neufahrwasser zeigte
die Station Warnemünde, die während des letzten strengen Winters ebenfalls eine
gegen die Vorjahre sehr hohen Zahl von Tagen mit erschwerter Segelschiffahrt,
allerdings keinen Tag mit Schluß der Segelschiffahrt aufwies, Dagegen war das
Fahrwasser nach Wismar für Segler an 57 Tagen geschlossen.
Die Deutsche Seewarte,
Farbe und Salzgehalt der Meeresoberfläche zwischen Quessant
und Montevideo.
Beobachtet von E. Schwendig, Offizier des Norddeutschen Lloyd.
(Hierzu Tafel 34.3
X. Die Beobachtungen über die Farbe des Meeres.
Einen. Überblick über die regionale Verteilung der verschiedenen Farben-
abstufungen der Meeresoberfläche hat für den Atlantischen Ozean nördlich von
10° S-Br. zuerst 0. Krümmel*) gegeben, alsdann für den Atlantischen und
Indischen Ozean G, Schott”) Da die Daten, auf denen diese kartographischen
Darstellungen beruhen, zum Teil nur einmalige Beobachtungen längs einer be-
bestimmten Reiseroute sind, so lag das Bedürfnis vor, weitere Beobachtungen
zur Prüfung und Ergänzung der Karten zu erhalten. Auf drei Fahrten des Nord-
deutschen Llioyddampfers »Sigmaringen« zwisehen dem Kanal und der La Plata-
Mündung und zurück hat E. Schwendig, Offizier des Lloyd, regelmäßig dreimal
täglich (8% Y, 12% und 4b N} die Wasserfarbe mittels einer Forelschen Farben-
skala bestimmt. Die Ergebnisse der Beobachtungen gibt die nachfolgende Tabelle,
in der die Farbentöne für die einzelnen Breitengrade angeführt sind; die zu-
gehörige Länge ersieht man aus der Kurskarte (Tafel 54).
Vergleicht man die Ergebnisse von Schwendiges Beobachtungen mit der
Karte der Farbenverteilung von Schott, so sieht man, daß die Übereinstimmung
eine vorzügliche ist, Dieses Resultat ist bemerkenswert, da ja die Feststellung
der Farbenstufen auf Schätzungen beruht, die dem Beobachter häufig Schwierig
keiten verursachen, weil das Meer oft eine Farbe zeigt, die zw keinem der
Farbentöne paßt, die die Skala enthält. Neben direkten Verfärbungen durch
massenhaftes Auftreten von Organismen, wie sie Krümmel ausführlich schildert,”
spielt eine Hauptrolle hierbei die verschiedene Beleuchtung, Bei völlig bedecktem
Himmel erscheint das Meer oft schwarzblau oder auch schwarzgrün oder grau-
blau, so daß die Angabe nach der Skala nicht einwandfrei ist, Dieses ist auch
von Schwendig beobachtet worden, wie seine Zusätze zu einzelnen Zahlen be-
weisen, Im allgemeinen. ergibt sich, daß die Schätzungen verschiedener Beob-
achter in demselben Gebiet annähernd. die gleichen sind.
% Geophrsikalische Beobachtungen der Plankton-Expedition 1803, Bd. IC, Tafel #1.
2 »Valdivias-Werk, Ba. I. Ozeanographie, Tafel 36.
8 Am 0, 8.108.