Die Kisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1908/09, 295
am 8, April verschwand. Die während der Frostperiode im Dezember eintretende
Abkühlung des Wassers war so durchgreifend und die erzeugte KEismasse so groß,
daß, als bald darauf die Temperaturen wieder stark stiegen und sogar den Ge-
{rierpunkt überschritten, sich in der Stärke der Eisbesetzung nur eine gering-
fügige Anderung zeigte, Bei Barhöft war die Dampfechiffahrt während des
Winters au. 34 Tagen geschlossen, so daß an diesen Tagen jeglicher Verkehr auf
dem Wasserwege stockte; am Wittower Posthaus war dies sogar an 86 Tagen
und bei Thiessow an 68 Tagen der Fall. Insgesamt meldeten diese drei Stationen
108, bzw. 107 und 110 Tage, an dem überhaupt Eis gesichtet wurde,
II. Die Haffe,
Wie es sich bisher stets gezeigt hatte, so fanden sich die weitaus stärksten
Eisbildungen. wieder im Frischen und im Stettiner Haff, Es wirken eben mehrere
Faktoren zusammen: nicht nur ist hier, wie das Temperaturdiagramm erweist,
die Kältezufuhr sehon erheblich viel stärker als selbst bei Rügenwaldermünde,
sondern es kommt auch stark in Betracht einmal die relativ geringe Tiefe in
den Haffen, welche eine schnelle und durchgreifende Durchkühlung des Wassers
ermöglicht, sodann auch wohl die geringere Wellenbewegung gegenüber den nach
der See zu offenen Küstenstationen, Wenn im Frischen Haff bis Königsberg
trotzdem an keinem Tage die Dampfschiffahrt ganz geschlossen zu werden
brauchte, so lag dies nur daran, daß mehrere Eisbrecher unausgesetzt in Tätigkeit
waren, um die Fahrrinne offen zu halten. Dagegen war im Haff bis Elbing, wo
keine Eisbrecher für Offenhaltung der Fahrrinne sorgten, an insgesamt 105 Tagen
jeglicher Verkehr unterbrochen, Wie nachhaltig im Frischen Haff sehon das
Eintreten mäßigen Frostes wirkt, zeigt im Vergleich hierzu die Temperaturkurve
von Memel, Öbgleich das Pentadenmittel der ersten, obendrein nur kurze Zeit
anhaltenden Frostperiode Mitte November nur 4 Grad betrug, setzte doch alsbald
(nämlich am 12, bzw. 13. November) eine starke Eisbildung ein, die sofort die
Schiffahrt erschwerte, Während nun schnell wieder warmes Wetter eintrat, das
über einen Monat anhielt, ohne daß die Temperaturen im Mittel fast jemals den
Gefrierpunkt überschritten, blieb die Eisbesetzung doch olme Unterbrechung be-
stehen und währte im Frischen Haff bis Königsberg bis zum 14, April.
FPillau, am Ausgange des HNaffs gelegen, zeigte auch in dem letzten Winter
wieder günstigere Eisbedingungen, vermutlich deshalb, weil hier durch die aus-
laufende Strömung das Eis in Bewegung gehalten wurde, Verhältnismäßig
günstige Eisverhältnisse hatte auch wieder das Kurische Haff bei Memel, ver-
mutlich weil hier Strömung und Dünung ein relativ spätes Zufrieren und. ein
frühes Aufgehen bewirken, Die Dampfschiffahrt wurde im Memeler Revier über-
haupt nur an 3 Tagen. geschlossen.
IV. Häfen and Flußmündungen,
Auch in diesem Winter zeigten die Häfen der Ostseeküste wieder relatir
günstige Eisverhältnisse, Auch trat wieder die Erscheinung hervor, daß die frei
an der See gelegenen Stationen sich bezüglich der Eisbesetzung ähnlich wie die
Häfen verhielten, Doch war im letzten Winter die KEisbesetzung eine viel
stärkere als. beispielsweise im milderen Vorwinter, wo Rixhöft, Arkona, Marien-
leuchte, Westermarkelsdorf und Fehmarnsund überhaupt kein Eis sichteten, In
diesem Winter verzeichneten diese Stationen, außer Rixhöft und Marienleuchte,
sogar mehrere Tage, an denen die Segelschiffahrt geschlossen. war. Alle aber
meldeten Tage mit erschwerter Segelschiffahrt, am meisten Darsserort mit 24 Tagen,
Am günstigsten. stellt sich Rixhöft dar, wo mur an einem Tage die Schiffahrt
behindert war, Was nun die Eisbesetzung in den Häfen betrifft, so hatten auch
Jiese relatir wenig unter Stockungen des Verkehrs zu leiden, Nach den vor-
liegenden Meldungen blieb der Hafen ganz eisfrei, und Friedrichsort beobachtete
unter 7 Tagen, wo sich überhaupt Eis zeigte, nur einen mit erschwerter Segel-
schiffahrt., Betrachtet man die hinterpommerschen Häfen Stolpmünde und
Kolberg, so war in beiden während des ganzen Winters die Dampfschiffahrt ohne
Verwendung von Eisbrechern gänzlich frei, in Stolpmünde war auch die Seyel-