Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1908/09, 291
Husum und Tönning an der schleswigschen Küste doch erst nach Verlauf von
etwa 8 Tagen, nämlich in der Zeit vom 28, Dezember bis zum 1. Januar das erste
Vorkommen von Eis, Wie schon in den Vorjahren, so zeigte sich auch diesmal
wieder ein starker Unterschied zwischen den Insel-Stationen und den Festland-
Bezirken. Während bei Ellenbogen und Amrum nur an 11 bzw. 3 Tagen Eises
halber die Schiffahrt erschwert war, zeigt sich dies bei Husum und Tönning an
23 bzw. 44 Tagen. Wieder ergaben die Beobachtungen bei Tönning dessen
exzeptionellen Charakter: Während an den übrigen Stationen die Segelschiffahrt
niemals geschlossen zu werden brauchte, war dies hier an nicht weniger als
22 Tagen der Fall. Insgesamt hatten die genannten beiden Festlandstationen an
16 bzw. 77 Tagen Eis (ohne Berücksichtigung eventueller Erschwerung der
Schiffahrt), die beiden Inselstationen aber nur an je 15 Tagen.
Jl. Das Elbegebiet,
Schreitet man, von Neuwerk beginnend, die Elbe aufwärts bis nach Harburg,
So ergibt sich das physikalisch zwanglos erklärliche Bild, daß, je weiter die Beob-
achtungsstationen binnenwärts liegen, auch eine um so stärkere Eisbildung vor-
handen ist, Bei Neuwerk wurde während des Winters 1908/09 an 38 Tagen Eis
gesichtet, bei Cuxhaven an 65, bei Brunsbüttelkoog an 71, bei Glückstadt an 76,
bei Altona an 85 und bei Harburg ebenfalls an 85 Tagen. Auch bemerkt man,
laß im allgemeinen die mehr binnenwärts gelegenen Elbgebiete früher das Vor-
kommen von Eis meldeten als die Stationen der unteren Elbe; während von
hier fast übereinstimmend erst gegen Ende Dezember die ersten Meldungen ein-
liefen, wurde bei Altona, Harburg und Hamburg schon Mitte November Eis ge-
sichtet, Umgekehrt verhält es sich mit dem Verschwinden des Eises; während
bei Hamburg schon am 10, März das letzte Vorkommen von Eis beobachtet
wurde, bei Altona und Harburg am 17, so hielt es sich in der Unterelbe bis
Cuxhaven bis zum 22. und 23. März,
HL. Das Weser, Ems- und Jadegebiet.
Die Segelschiffahrt war hier im ganzen weniger behindert als bei deu
Nordfriesischen Inseln und an der schleswigschen Küste, Sieht man von den
Häfen Bremerhaven, Brake, Bremen, Wilhelmshaven und Nesserland ab, so zeigte
sich nur an vereinzelten Tagen Eis mit erschwerter Segelschiffahrt. Helgoland
and die Außenjade blieben während des ganzen Winters völlig eisfrei. Die Hafen-
Stationen dagegen waren oft stark mit Eis besetzt; am meisten hatten die Schiffe
bei Nesserland mit den durch die Kisbesetzung geschaffenen Fahrtschwierigkeiten
zu kämpfen, an den Hafeneinfahrten war die Segelschiffahrt an 48 Tagen er-
zchwert, Fast an allen Stationen des Weser-, Ems- und Jadegebiets wurde das
erste Eis des Winters erst an den letzten Tagen des Monats Dezember gesichtet,
als starker Frost einsetzte.
IV, Die OÖstfriesischen Inseln,
Auch bei Wangeroog, Borkum und Norderney ergeben sich in dem letzten
Winter ziemlich ungünstige Eisverhältnisse, die von denjenigen der vorhergehenden
wärmeren Winter sich stark abheben; nachdem die erste Frostperiode (gegen
Ende des Monats Dezember) eingesetzt hatte, machte sich sogleich überall eine
intensive Eisbildung bemerkbar, Auf den Watten von Norderney wurde vom
30. Dezember ab selbst die Dampfschiffahrt gänzlich geschlossen, so daß hier
jeder Verkehr stockte. Erst am 5. Januar, als der Frost verschwand, löste sich
das Eis, so daß wenigstens die Dampfschiffahrt wieder aufgenommen werden
konnte. Noch bis zum 9. blieb, obgleich schon in den ersten Tagen des Januar
eine beträchtliche Erwärmung eingetreten war, die Segelschiffahrt erschwert.
Weit günstiger stellten sich die Verhältnisse bei Borkum; hier wurde die Schiff-
fahrt während dieser Eisperiode nur an wenigen Tagen gestört.
Die zweite stärkere Frostperiode, die von Mitte Februar bis Mitte März
anhielt, machte sich in dem hier betrachteten Gebiet nur sehr schwach bemerkbar,
obgleich sie von weit längerer Dauer war, als die erste Periode, Dies beweist,