590 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, „Juli 1908,
ziehungen. zwischen Eisbesetzung und Frostperioden noch näher zu sprechen
kommen.
Aber auch schon benachbarte Beobachtungsstellen lassen vielfach nicht
unerhebliche Verschiedenheiten in der Dauer sowie Stärke der Eisbildung er-
kennen, Der Grund hierfür liegt fraglos nicht in erster Linie an den Ab-
weichungen der Temperaturverhältnisse, da diese ja an benachbarten Stationen
erfahrungsgemäß nur In. geringem Grade differieren; er dürfte vielmehr in den
Unterschieden zu suchen sein, welche die lokalen Eigentümlichkeiten und die
geographische Lage der verschiedenen Orte zeigen, So erkennt man, daß im
allgemeinen. die Häfen weit ungünstigere Eisbedingungen aufweisen als die freien
Küstenbezirke:; stark abweichende Verhältnisse zeigen naturgemäß die Watten
und das offene Meer, und die Haffe treten besonders hervor. Zw diesen
differenzierenden Einflüssen kommen noch physikalische Faktoren, welche für
die Eisbesetzung vom Bedeutung sein müssen, nämlich die wechselnde Wind-
richtung‘ und -stärke, die Strömungen im Wasser, Ebbe und Flut u, a. m,
So bedeutend aber auch Einflüsse dieser Art sein können, so zeigt sich
doch auch in der letzten Eissaison wieder die Tatsache, daß sie erst in zweiter
Linie in Betracht kommen; der weitaus stärkste, ja der maßgebende Faktor wird
Aurch die thermischen Verhältnisse, durch die Intensität, Dauer und Häufigkeit
des Frostes dargestellt,
Daß die Temperaturverhältnisse ausschlaggebend sind, läßt schon die
folgende kleine Tabelle erkennen, in der die mit - bzw. — versehenen Zahlen
die Abweichungen der Mitteltemperatur der einzelnen Monate von den Normal-
werten bedeuten, Es ergibt sich, daß der letzte Winter relatir zu kalt war, da
fast alle Zahlen ein negatives Vorzeichen haben. Dementsprechend gestalteten sich
auch die Eisverhälinisse während des letzten Winters relativ ziemlich ungünstig,
wofür neben der langen Dauer der Eisbildungen schon die bloße Zahl der ganz
eisfrei gebliebenen Stationen einen Maßstab abgibt. An der Nordseeküste blieben
im vergangenen Winter von den 97 Beobachtungsstellen nur 3, an der Ostsee:
küste blieb von den 86 überhaupt nur eine Station ganz eisfrei, Dies war in
den vorhergehenden Jahren anders, Beispielsweise meldeten in dem relativ
warmen Winter 1907/08 13 Stationen gänzliche Eisfreiheit, in dem noch etwas
wärmeren Winter 1905/06 sogar 15; wohingegen der ziemlich kalte Winter
1906/07, wie auch jetzt wieder, nur einige wenige Stationen ganz eisfrei Nieß.
Die Abweichungen der Mitteltemporaturen der Winstermonste ton den lanefähriven Mittehwerten,
Monate
Borkum | Keitum I Rügenwalder- | zramel
münde Memel
November 1908
Dezember 1908
Jantıar 1909
Februar 1909
März 1909
Zoe em | sa 349
— 0.5 02 = 10 — 1.1
00 LT A 04 | — 04
Zr | 69 20 | —28
Di= 716 Zö9 oa
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a
Um die verschiedenen Frostperioden des letzten Winters hervortreten zu
lassen, ist auf Tafel 33 der Temperaturverlauf an 4 verschiedenen Orten der
Nord- und Ostsee in Kuryenform kemtlich gemacht. Die Frostperioden sind
durch Schraffierung hervorgehoben. Eine Vergleichung derselben mit den Kis-
rerhältnissen 1äßt den bmigen Zusammenhang beider Phänomene deutlich erkennen,
Nordsecküste,
1 Nordfriesische Inseln und schleswigsche Küste,
Wie die Temperaturkurve von Keitum auf Sylt zeigt, begann die orste
Frostperiode Anfang der dritten Dekade des Monats Dezember, Da vorher
ziemlich warmes Weiter geherrscht hatte, so bedurfte es offenbar eines längeren
Zeitraumes, um das warme Wasser genügend zu durchkühlen. Obgleich die
Frostperiode mit ungewöhnlicher Intensität einsetzte, meldeten sowohl die insular
gelegenen Beobachtungsstellen Ellenbogen und Amrum als auch die Stationen