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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 190%, 
yzenug vorkommen mag, so würde die nach einer Gestirnshöhe berechnete Länge 
ebenfalls um etwa 3 bis 5 Bogenminuten oder entsprechend der Breite um etwa 
3 bis 3 Sm falsch sein, Durch einen solchen kleinen Fehler würde aber das Schiff 
kaum jemals in Gefahr kommen können, da die Seeleute besonders hei Ansteuerung 
einer Küste und in höheren Breiten mit wiel größeren Fehlern zu rechnen ge- 
wohnt sind und auch rechnen müssen, Sind zwei Chronometer an Bord, so kam 
ein Fehler von 10 oder 20 Sekunden schon gar nicht mehr vorkommen, 
Es stehen dem Seemann aber noch andere Hilfsmittel zu Gebote, den Stand 
seines Chronometers zu bestimmen, zZ. B. beim Passieren einer Küste durch 
Peilungen und gleichzeitiger Längenberechnung nach einer Gestirnshöhe., Solche 
Gelegenheiten kommen nicht so selten vor, und ein gewissenhafter Schiffsführer 
weiß solche Lagen nicht nur gut auszunutzen, sondern sucht sie auch herbeizu- 
führen, falls er es für nötig hält. 
Während Dampfer wohl nur äußerst selten in die Lage kommen werden, 
die Tätigkeit dieser geplanten Funkspruchstelle in der Praxis zu verwerten, 
könnte andernteils eine solche Einrichtung den Segelschiffen, die manchmal 
während vieler Monate nicht in der Lage gewesen sein dürften, den Stand ihres 
Chronometers neu zu bestimmen, von sehr großem Nutzen werden, wenn sie eine 
Funkspruchstation an Bord hätten. Dies ist nun aber nicht der Fall, und ein 
solcher wird auch in absehbarer Zeit wohl kaum eintreten, Möglich, daß in späterer 
Zeit einmal Segelschiffe mit Hilfsmotoren auf großer Fahrt gebaut werden, die 
dann schon eher die großen Kosten einer Funkspruch-Einrichtung an Bord tragen 
können, Vorläufig gibt es solche Segelschiffe nicht, und damit sind gerade die 
Schiffe, denen wirklich die Erlangung der genauen Zeit manchmal von großem 
Wert sein könnte, von der Nutzanwendung der geplanten Einrichtung aus- 
geschlossen. Sie werden sich begnügen müssen wie bisker, und bei dem immer 
mehr zunehmenden Dampferverkehr wird ihnen dies auch in vielen Fällen möglich 
sein, von einem vorbeifahrenden Dampfer die richtige Länge zu bekommen, 
Es kommt hinzu, daß die Herstellung der Chronometer in letzter Zeit sich 
mer mehr vervollkommnet hat und Strandungen, die sich auf einen unrichtigen 
Gang des Schiffschronometers zurückführen ließen, in den letzten Jahren nur 
sehr selten vorgekommen sind. 
Sollte wirklich die Errichtung einer Funkspruch-Zentrale zwecks Aus 
sendung eines Welt-Zeitsignals zustande kommen, so werden natürlich auch die 
Seeleute nicht verfehlen, den Stand ihrer Chronometer auf See zu vergleichen, 
lalls sie eine Einrichtung dafür an Bord haben. Diese Zeilen sollten auch nur den 
Zweck haben, den Wert dieses »Welt-Zeitsignals« für die gesamte praktische 
Seeschiffahrt in das richtige Licht zu stellen und auf das Maß zurückzuführen, 
das ihm in der detzizeit gebührt. Jentzsch. 
3. Dampfen des Meerwassers. Kapt. D. H. Brummer, vom Dampfer 
‚Achaia«, berichtet folgendes: Auf der Reise von Antwerpen nach Malta beob- 
zchteten wir am 29, Dezember 1908 gegen Sonnenaufgang zwischen West Hinder- 
F.Sch. und South Goodwin-F-Sch, eine Art Nebel dicht über dem Wasser, während 
die Luft oben klar war. Es war dieselbe Erscheinung, wie sie häufig bei Neu- 
fundland bemerkt wird, wo der kalte Labradorstrom auf den Golfstrom trifft, 
Wasserdämpfe, die sich zu Nebel verdichteten, lagen über der Wasserfläche, 
während die Luft oberhalb klar war. Von Fahrzeugen sah man die Masten und 
Segel in weiter Entfernung, während die unteren Teile nicht zu sehen waren. 
Die Temperatur des Wassers war -+8°% die der Luft —7.5°%, der Wind SO 4, 
Bar. 760.0. Die Erscheinung wurde bis spät nachmittags beobachtet; die zuletzt 
ermittelte Temperatur des Wassers war -+7°, die der Luft — 4°, Der Strom 
setzte In nördlicher Richtung, Gegen Abend verhinderte starkes Schneegestöber 
weitere Beobachtungen. — 
Zu diesem Bericht möge bemerkt werden, daß man die beobachtete Er- 
scheinung wahrscheinlich richtiger mit »Dampfen des Wassers« als mit »Nebel« 
bezeichnet; man vergleiche dazu Köppen in »Ann, d. Hydr. usw.« 1890, S, 445, 
Das Wesentliche ist, daß in diesem Fall die Wassertemperatur erheblich höher 
war als die Lufttemperatur. 8.
	        
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