Thorade, H.: Über die Kalifornische Moeressträmung,
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und später fast durch dieselben Gewässer zurück; er fand auf seiner Hinreise
Ende Juli unvermutet ausgesprochenen Nordstrom, auf der Rückreise im
September Südstrom und führte dies auf jahreszeitliche Änderungen zurück,
Auf den genannten Stromkarten von Berghaus (in der 1. Auflage) und Maury
und in den Wind and current charts findet sich an dieser Stelle ein Wirbel
eingezeichnet, indem die Südströmung im Uhrzeigersinne nach Norden und
zuletzt nach Osten umbiegt; doch scheint die Tatsache den Verfassern noch
fraglich und wird von Findlay’) dahin erklärt, daß man in »Fleurieus
Wirbel« nur den Ostteil des ruhenden Wassers zu sehen habe; im der neuesten
Auflage von Berghaus’ Physikalischem Atlas (1892) ist der Wirbel sogar
völlig verschwunden, Auch in diesem Punkte versucht die vorliegende Arbeit
zur Aufklärung beizutragen,
Die niedrigen Temperaturen des Wassers an der Westküste Nordamerikas
scheinen zuerst Du Petit-Thouars aufgefallen zu sein, der auf der Fregatte
»La Vönus« diese Gegenden aufsuchte?*; im Einklange mit den von ihm
beobachteten Versetzungen erklärt er diese Beobachtungen durch eine kalte,
südwärts sich bewegende Strömung. Doch weisen Petermanns Isothermen des
kältesten Monats% an dieser Stelle keine Besonderheiten auf. Anscheinend finden
die auffälligen Temperaturen zum ersten Male in den Wind and current
charts 1872 ihren Ausdruck, die bereits den Höhepunkt dieser Erscheinung in
den Sommer verlegen. Schärfer finden wir dieselbe Ansicht ausgesprochen in
den Karten des Meteorological council 1848%), auf die auch die Angaben in der
dritten Auflage von Berghaus’ Physikalischem Atlas im wesentlichen zurück-
gehen, so weit unser Gebiet in Betracht kommt; von der Küste breitet sich
seewärts kaltes Wasser aus, und besonders im Frühling und Sommer ist ein
Teil des Küstenwassers als kaltes Ausnahmegebiet bezeichnet. Im Challenger-
werk©) ist die Mächtigkeit des kalten Wassers auf 300 bis 400 Faden angegeben,
eine Zahl, die nach den neuesten Beobachtungen nicht sehr übertrieben erscheint,
Diese charakteristischen Züge werden auch im Atlas des Stillen Ozeans im
großen und ganzen beibehalten ®).
Immerhin gründen sich die besprochenen Darstellungen auf verhältnismäßig
lückenhaftes Material; die vorliegende Arbeit mag dazu beitragen, mit Hilfe der
Beobachtungen deutscher Segelschiffe. und Dampfer die Lücken auszufüllen,
2. Zur Methode der vorliegenden Arbeit.
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts ist die Schiffahrt nach den in Frage
stehenden Gewässern lebhafter geworden. Die Erzeugnisse des Landes, im süd-
lichen Teil namentlich Erze und Südfrüchte, im nördlichen Teil Holz und Ge-
treide, haben den Handel angezogen, bei dem auch die deutsche KReederei
beteiligt ist. Die dorthin fahrenden Schiffe, meist Segelschiffe, suchen, wenn sie
von Europa oder Australien kommen, weit ab von Land die Breite ihres Be-
stimmungsortes zu gewinnen, um dann zu wenden und den Hafen direkt anzu-
steuern, weil einer Fahrt unter Land die beständigen Westwinde ungünstig sind,
die schon Ulloa zur Umkehr zwangen, Auch die Schiffe, die von einem der
Häfen des Golfs von Kalifornien weiterfahrend einen der Orte an der Westküste
erreichen wollen, suchen zuerst im Passat über den 125° oder 130° W-Lg.
hinauszugelangen, und kommen so in weitem Bogen zum Ziel, Die rückkehren-
den Schiffe steuern in der Regel bei achterlichem Winde nach Süden, Die große
Reisedauer’) — 125 bis 150 Tage im Mittel von und bis Kap Lizard — bedingt
+) Findlay, Directory 8. 1217,
?) Voyage autour du monde sur a fregate »I1a Venus«, Commandee par A. du Petit-
Thouars. Paris 1544, Physique, par U. de Tessan. Bd. IV, S. 341; S. 352: &. 385 ff.
4 Petermanns Geographische Mitteilungen 1857, S, 39f. und Tafel 1,
41 Charts showing the surface temperature of the Atlantie, Indie and Pacific Ocean. Meteoro-
Jogical ecouneil, London 1854,
$) Report on the scientific results of the vorage of H, M. S. »Challenger«, A summary of
the scientific Tesulte. 1895, 2, Teil, Tafel 2— 1A.
%) Atlas des Stillen Ozeans, Tafel 6—).
%) Paulus, Die Reisen deutscher Segelschiffe usw. in: Aus dem Archiv der Deutschen
Seewarte 1907, Nr. 1.