374 Annalen der Hrdrographie und Maeritimen Meteorologie, Juni 190%
stellen die Niveaulinien vor, die man erhalten würde, wenn der ganze Strom mit
Wasser von demselben spezifischen Gewicht angefüllt wäre, Die wirklichen Niveau-
linien müssen. aber anders verlaufen, wie sich aus der näheren Betrachtung der
Längenprofile ergibt,
Die Niveauunterschiede zwischen verschiedenen Punkten, wie solche durch
die Linien 0C0Y angegeben werden, verursachen Druckunterschiede zur Überwindung
der Reibung längs der Sohle und der Wasserteilchen untereinander, doch wird in
diesem Falle das Gleichgewicht zwischen den Wasserteilchen außerdem noch dadurch
gestört, daß die Linien von gleichem Salzgehalt (oder von gleichem spezifischen Ge-
wicht) nicht horizontal voerJaufen. Infolgedessen wiegt eine Wassersäule in A in jedem
Augenblick der Tide schwerer als eine ebenso hohe Wassersäule in B, und in B
schwerer als in C. Dieser Gewichtsunterschied ist desto größer, je höher die Wasser-
säulen sind oder je größer die Tiefe ist, was notwendig eine Änderung in der Ver-
teilung der Ceschwindigkeiten in der Vertikalen zur Folge haben muß, Nach Fig, 6
and 7 sind die Wasserteilchen nicht im Gleichgewicht wie olme den Einfluß des
verschiedenen spezifischen Gewichts in verschiedenen Schichten, vielmehr übt das
große spezifische Gewicht in A. einen Druck auf B aus, der an der Oberfläche ==
Null ist und nach unten allmählich zunimmt. Eine Folge dieses Drucks ist
Niverauerhöhung in B in bezug auf A, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Da, aber der Druck in den oberen Schichten sehr gering ist, so wird diese Nirean-
erhöhung nur zum Teil eintreten und Strömung von B nach A verursachen,
während der Überdruck in den unteren Schichten, nur zum Teil durch die Er-
höhung des Wasserspiegels in B neutralisiert, Strömung von A nach B hervor-
rufen wird. Der Einfluß des verschiedenen spezifischen Gewichts auf
die absolute Bewegung muß demnach sein: bei Ebbe Vergrößerung
der Öberflächengeschwindigkeit und Verringerung der Sohlen-
geschwindigkeit, bei Flut umgekehrt.
Zur Bestimmung der Größe dieses Druckunterschiedes sind im Juli 1905
in dem Wasserweg Beobachtungen auf drei Punkten zugleich und in Augenblicken,
die ungefähr mit denen der Fig, 5 und 6 übereinstimmen, angestellt, deren Er-
yebnis die folgende Tabelle enthältz
Abstand des Beobachtungspanktes von dem Kerende |
des nördhehen Dauyanes
1
SÖLO an
ud
RÜCK In
IL
10500 m
Apezifisches Gewicht an der Oberfläche bei Flut, . . O1 |
+ längs der Rohle bei Flut. . . LO021
* an ler Oberfläche bei Ebbe. 2 O1
- Kängs der Sohle bei Ebbe. | 1017 |
Unter Zugrundelegung einer Tiefe von 7,5 m unter Niedrigwasser beträgt
somit im Augenblick der Beobachtung bei Flut die Tiefe ungefähr 9 m und bei
Ebbe 7.50 m. Nimmt man ferner an, daß das spezifische Gewicht von der Ober-
fläche nach der Sohle gleichmäßig zunimmt, also das mittlere spezifische Gewicht
in einer Verfikalen gleich. der halben Summe der spezilischen Gewichte an der
Oberfläche und längs der Sohle ist, so findet man, daß infolge des größeren
Wassergewichts in I längs der Sohle ein Druck auf IL ausgeübt wird, der im
Augenblick der Beobachtung während Flut einer Druckhöhe von 9 em Wasser,
im Augenblick der Beobachtung während Ebbe einer Druckhöhke von 4 cm Wasser
gleichsteht, Diese Druckhöhen können das Verhältnis zwischen Öberflächen- und
Sohlengeschwindigkeit ansehnlich verändern, wenn auch nicht der ganze Einfluß
des Druckunterschiedes dazu zur Verfügung steht, weil dieser zum Teil verloren geht
durch die größere Reibung der Wasserteilchen untereinander, wenn die Sohlen-
geschwindigkeit kleiner im Vergleich zur Oberflächengeschwindigkeit wird, sowie
durch die Reibung längs der Schle, wenn die Geschwindigkeit in den unteren
Schichten. im Vergleich zu der an der Oberfläche größer wird.
Eine andere Folge der Störung des Gleichgewichts zwischen den Wasser-
teilchen untereinander durch das verschiedene spezifische Gewicht besteht in der
Förderung der Vermischung von Salz- und Süßwasser, Indem längs der Sohle