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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Dal 
Annalen der Hydropgraphie und Maritimen Meteorologie, Mai 1909. 
Was die Luftdruckverteilung und Witterungsverhältnisse im einzelnen be- 
trifft, so lag das deutsche Küstengebiet mit Ausnahme des 18, und 28, März an- 
dauernd im Bereich von Tiefdruckgebieten, ohne daß jedoch an allen diesen 
Tagen das typische, zyklonale Wetter geherrscht hätte; so blieben die Tage vom 
4. bis 11. fast ganz ohne Niederschläge; auch die Zeit vom 15, bis 20, war 
niederschlagsarm. Vom 1. bis zum 3. wehien meist nordöstliche Winde, die 
Trübung und verbreitete Niederschläge herbeiführten. Am 2, entwickelten sich 
anter dem Einfluß eines kleinen nach der östlichen Ostsee vordringenden Minimums 
im Außersten Östen stürmische Nordostwinde; auf der Rückseite wehten die 
Winde an der ostdeutschen Küste am folgenden Tage mit der Stärke 9 und 10 
aus südwestlichen Richtungen. Die Temperaturen lagen nur wenige Grade unter 
dem Gefrierpunkt, Darauf aber erfolgte eine derartige Verlagerung der Depressions- 
zentren, daß die Winde meist »inlandige« wurden, d.h, aus dem Lande seewärts 
wehten, Infolge hiervon sanken alsbald am 4, obschon das Küstengebiet im 
Bereich von Depressionen lag, die Temperaturen tiefer hinab, während zugleich 
die Niederschläge nachließen, Diese Südost-Strömung der Luft mit tiefen 
Temperaturen und meist trockener Witterung hielt nur bis zum 11. an, Dem 
über Rußland gelegenen Hochdruckgebiet gegenüber lag am 5. ein Tiefdruck- 
gebiet mit seinem Minimum westlich von Irland und einem bis zur östlichen 
Ostsee reichenden Ausläufer, der sich bald abtrennte und am 7. bei Stockholm 
lag. Das erwähnte Minimum verlagerte sich unter Vertiefung nach den Britischen 
Inseln, wo es bis zum 8, liegen blieb, während das russische Hochdruckgebiet an 
Höhe zunahm. Der Kern der Depression schritt am folgenden Tage unter Ver- 
Nachung nach Westfrankreich fort, wo er bis zum 11. liegen blieb. Am 12, trat 
sine Änderung der Luftdruckverteilung insofern ein, als die Depression Ostwärts 
fortschritt, so daß sie das deutsche Küstengebiet mit ihrem nördlichen Teile be- 
deckte, Infolge hiervon wehten jetzt leichtere Winde von der See her land- 
einwärts und gaben zu stärkeren Niederschlägen Veranlassung, die bis zum 14, 
anhielten. Die Depression behielt Einfluß auf das deutsche Küstengebiet bis zum 
Monatsschluß. Sie bedekte am 13, Mitteleuropa, am 14. bis 16. auch Westeuropa, 
Die Niederschläge ließen jedoch im deutschen Küstengebiet nach, da die Winde 
mehr inlandig waren. Bei dem Herannahen einer neuen Depression westlich von 
Irland nahm die alte Depression ungewöhnlich schnell an Umfang und Tiefe ab 
und verschwand nordostwärts, während sich die ozeanische bis zum 19. bis 
Mitteleuropa ausbreitete und dabei zunächst an der Nordseeküste eine völlige 
Witterungsänderung herbeiführte, Am 19. herrschte hier Tauwetter und dieses 
breitete sich bis zum 28. über die ganze Küste aus, Am 25. und 26. drang ein 
tiefes Minimum ostwärts nach Jütland vor und umfaßte mit ihrem Depressions- 
gebiet am letzteren Tage West- und Mitteleuropa; beim Heranziehen einer neuen 
Depression vom Ozean her entfernte sich die erstere unter schneller Verflachung, 
wie am 17., nordostwärts, während ein neues tiefes Minimum in den letzten Tagen 
vom Ozean nach Holland vordrang. Infolgedessen herrschte seit dem 23, bei 
Winden aus südlichen Richtungen ziemlich mildes, regnerisches Wetter. 
Gedruckt und in Vertrieb bei K. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdrackerei 
Berlin SW, Kochstrabe 668— 71.
	        
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