accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

94 Annalen der Hydrographie und Maritimen. Meteorologie, Mai 1908, 
in der ö durch den magnetischen Kurs 5 ausgedrückt ist. Aus ihr geht schließlich 
dureh besondere Annahmen über den Höchstbetrag der Deviation die angenäherte 
Gleichung kervor. Anders verfahren die meisten Lehrbücher der Navigation‘); 
in dem Streben nach größerer Anschaulichkeit und nach Vermeidung alles un- 
nötigen Rechenwerks gehen sie in der Mehrzahl darauf aus, die Gleichung (1) 
oder (1a) direkt zu beweisen, Leider hat jenes an sich berechtigte Streben die 
Folge gehabt, daß die Größe 4 — mit AH bezeichnet man ja die sogenannte 
mittlere Richtkraft nach magnetisch Nord an Bord eines Schiffes -— in durchaus 
ungenügender Weise eingeführt zu werden pflegt, Die Art des dabei begangenen 
Fehlers vorweg kurz zu charakterisieren, ist nicht ganz leicht; im Grunde scheint 
es sich immer darum zu handeln, daß die Wirkung der sogenannten a- und @- 
Stangen zwiefach in Ansatz gebracht wird, und daß dann die Folgen dieses einen 
Irrtums durch einen zweiten wieder aufgehoben werden. 
Die allgemeine Verbreitung dieses Fehlers möge es rechtfertigen, daß er 
hier etwas näher beleuchtet, und sodann ein sehr einfacher, meines Wissens noch 
nicht begangener“) Weg zu seiner Vermeidung angegeben wird, 
Albrecht u. Vierow, Bolte, Stupar und Breusing stimmen darix 
überein, daß sie die Ausdrücke , 
SB = Bosinzi 0 = C.0082)3 00 = D-ain2z 
jeden einzeln ableiten, und zwar So, daß eigentlich 
nn, A, _ A—e 
= ae) 8 Hain 19° Da 
sich ergeben. müßte (die Wirkung der Vertikalinduktion werde der Kürze halber 
hier dortgelassen). Der Nenner Z£ kommt jetzt dadurch herein, daß in einer 
besonderen physikalischen Betrachtung der Einfluß des Schiffseisens auf die 
Richtkraft der Nadel erörtert und dann etwa gesagt wird, an Bord komme eben 
nicht der volle Betrag H, sondern nur der Bruchteil £H zur Wirkung, Das ist 
aber nicht etwa nur eine ungenaue Ausdrucksweise, sondern €s ist grundfalsch; 
denn AH ist lediglich der Mittelwert der Richtkräfte auf allen Kursen, 
aber keineswegs die Richtkraft auf jedem einzelnen Kurse. Nichts- 
destoweniger erwecken die drei ersigenannten Bücher den Anschein, etwas 
wirklich Beweiskräftiges vrorbringen zu wollen *); gehen doch einige Autoren so weit, 
daß sie in der Figur des Kräfteparallelogramms der nach Norden gerichteten 
Komponente geradezu die Bezeichnung AH beisetzen, womit denn freilich die 
erstrebte Anschaulichkeit in ihr Gegenteil umschlägt, Bei Breusing (achte 
Auflage, 1909) ist allerdings die Ausdrucksweise bedeutend vorsichtiger *), 
% Albrecht u. Vierow, Lehrbuch der Navigation. Berlin 1000. 28. 130-145, 
F. Bolte, Neues Handbuch der Schiffahrikunde, Hamburg 1905. 8. 102—201. 
Breusings Steuermannskunst. Leipzig 1909. 8, 3041400, En 
Lehrbuch der Navigation, herausgegeben vom RKeichs-Marine-Amt. TI. Band. 
Berlin 1906. 8 119-133. ; 
A. Stupar, Lehrbuch der terrestrischen Navigation. Fiume 1905. 8, 88—110) 
2) Nachträglich werde ich darauf aufmerksam gemücht, daß eine der meinigen außerordentlich 
ühnliche Ableitung, von. Koldewey herrührend, sich in der ersten Auflage (1859) des von der 
Deutschen Seewarte herausgegebenen Werkes »Der a5 an Bord« befin ıdet {S, 901} Aber 
zeltsamerweise hat in den inzwischen verflossenen 20 Jahren kein einziges Lehrbuch der Navigation vom 
den Koldeweyschen Entwicklungen Notiz genommen oder doch ihren prinzipiellen Wert erkannt, 
Eine gewisse Unklarheit in der Auffassung des 2 ist freilich auch. bei Koldewer vorhanden, 
segen die in der Zeitschrift »De Zee« (Rotterdam 1890, S, 107— 117) Le Roosenburg sich wendet, 
Die von. ihm vorgeschlagene sehr durchsichtige Ableitung besteht darin, daß die Feldkomponenten 
nach magnetisch Öst und nach magnetisch Nord, aus Ihren einzelnen Bestandteilen aufgebant. werden, 
woraus dann durch Division die Gleichung (2) für tang 6 folgt 
Die Ausführungen von Roosenburg haben mit Veranlassung dazu gegeben, daß im der 
zweiten Auflage (1906) von »Der Kompaß an. Bord« die Deviationsformel rein analytisch aus den 
Foissonschen ea abgeleitet. wird (vgl, Vorrede 8, III). Doch steht in demselben Buche S.01 
ei Satz und die falsche Formel (21} sin d = San 7 608% (in meiner Bezeichnungs weise), 
die genau dem oben erläuterten. Standpunkt der meisten Lehrbücher der Navigation entsprechen. 
% Albrecht u. Vierow, S. 131 (!), 132, 138, 130. 
Bolte, £. 105, 197, 108, 199, 
Stupar, 5, 88, 89, 91, 94, 99101. 
Ya. a 0 SS. 402, 402, 406,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.